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Der Israelit · 1894-01-15 · Heft 5 (15.1.1894) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 5 (15.1.1894)
Date
1894-01-15
Page
– (sequence 8)
Language
German
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72 Die Andern gingen, um stehen zu bleiben. Hier wechselten sie eine Redensart, dort einen Witz; sie schienen wie harmlose Bummler einer anderen Stadt, und doch gehörten hierzu nur die wenigsten. Die Meisten dieser Leute aber schien Nichts zu suchen und Nichts zu denken .... und doch lauerten sie auf irgend etwas. Offenbar kann man in harmlosen Gesprächen manchmal mehr erfahren, als in geschäftlichen Debatten. Die dritte Gruppe endlich ging überhaupt nicht; sie stellte vielmehr eine Art von Schaulaufen dar. Wenn man sie so dahinrasen sah, höchst geschäftig, eifrig und wild, Jeden umreißend, der es wagt ihre Bahnen zu kreuzen, da hätte man sie für Menschen halten müssen, bei denen auch die Sekunde hohen Goldeswerth besitzt. Die Täuschung wäre vollkommen, wenn sie nur ein Mal desselben Weges gingen; doch wenn man sie immer wieder zwecklos hin und her rasen sieht, so merkt man die Absicht und wird-. Nun, Professor Südländer ward nicht verstimmt darüber, es erheiterte ihn außerordentlich. Namentlich zwei Leute dieser Art, die bereits das vierte Mal an ihm vorbeigaloppierten, amüsirten ihn. Beide hatten offenbar auch die oberen Extremitäten in Mitleidenschaft gezogen, denn mit Aufbietung gewaltiger Kraft fuhren die Herren mit den Armen durch die Luft, während sie unzusammenhängende Worte hervorstießen. „Blelleicht" dachte Südländer, „hat der Arzt ihnen Zimmergymnastik verordnet." Doch die heitere Stimmung des Professors sollte nicht allzulange anhalten; das Gefühl seiner Einsamkeit überkam ihn schmerzlich. Er sah ein junges jüdisches Pärchen. Die Frau hatte ihren Mann vom Geschäfte abgeholt und nun gingen sie zusammen spazieren. Ueberall paarten sich die Menschen oder gingen in noch größeren Gruppen, warum mußte er immer allein sein? Warum hatte ihm das Schicksal den Freund genommen? Warum hatte gerade er die Wonne der übrigen Juden, das vielgepriesene jüdische Familienleben schon von frühster Kindheit an entbehren müssen? Aber war er denn nicht mit der Absicht hierhergekommen, ein jüdisches Haus zu begründen. Oh wie wollte er sie lieben, wie wollte er sie auf seinen Händen durch's Leben tragen, wenn sieja, wenn sie?! Jetzt mußte er wieder lachen über sich. That er doch, als ob er schon liebte — und hatte sie noch nie gesehen, die der Wille des sterbenden Freundes ihm bestimmte. Aber nein, diese Einsamkeit mußte enden. Nach Liebe, nach Liebe stand sein Sehnen. Wahrlich, auch wenn die Tochter Berkheims nicht so schön gewesen wäre, als sie es war, der Professor würde sie schon lieb gewonnen haben durch den Gedanken, sie dereinst zu besitzen; und er hatte ja versprochen zu thun, was in seinen Kräften stand. Wie aber sollte er diese heikle Sache beginnen? Noch hatte er keinen Plan gefaßt. Sollte er das junge Mädchen direkt aufsuchen und ihr geben, was er ihr zu überbringen hatte? Das war nicht thunlich. Er mußte sich offenbar zuerst bei den Eltern einführen lassen. (Fortsetzung folgt.) Wochen - Kalender. Freitag, 19. Januar, 12. Schebat. Sabdat-Aiuang in Mainz 4 Uhr 45 Min. (M. E. Z.) Samstag» 20. Januar, 18. Schebat. m’Ctf roty ,1*1^3 Sadbal-Ausgang in Mainz 5 Uhr 45 Min. tdl. E. Z.) Montag. 22. Januar, 15. Schebat. TZ'y nt^Qn Der „Israelit'' erscheint wöchentlich zweimal, Montags und Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, sür's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch üen Buchhandel w bestehen bei G. F. Slelnurker, Leipzig, Uoßplah 16. — nserate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oefterreichische Banknoten laut Cours. — ^i recte Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Dentschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 st. österr., sür's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesaudteu Maauferipten findet nicht statt» man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie znrückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judenthum 2 Von Bezirks-Rabbiner Dr. Ehrmann in Baden (Schweiz). — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Leipzig. Posen. Lechenich. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. Budapest. — England: Oxford. — Türkei: Konstantiuopel. — Algier: Saida. — Amerika: Claro. Chicago. — Afrika: Zanzibar. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne des Glücks (Fortsetzung) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Der Verlauf und gegentöämge Stand der jüd. Colonisations-Bestrebungen von Sluczewski. — Literarischer Bericht. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Marburg. Berlin. Aus Sachsen. — Oesterr.-Ungarische Monarchie: Prag. Kostet. — Vermischtes. Verantwortliche Redaction: Oscar Lehmann in Mainz. — Expedition des .Israelit", Schortstraße Nr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'schen Hofbuchdruckerei-Actieu-GeseUschaft in Mainz. Hierzu zwei Beilagen.

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