Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 5 (15.1.1894)
- Date
- 1894-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2446951-2448412-2448416--37792-2485872- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
68 700 Clavier-AuSzüge und SO Partituren berühmter Opern, sowie 800 Partituren von Ouvertüren, Symphonien und Oratorien vervollständigen das vorhandene Material. Neunzig Werke über Geschichte der Musik bilden sehr werthvolle Nachschlagswerke, welche ihre Fortsetzung in den bedeutendsten in- und ausländischen Musik- und Tageszeitungen finden, die in diesem Musikmuseum aufliegen. So das „Berliner" und das „Leipziger Tageblatt", die Dresdener Zeitung und die „Neue Freie Presse" Dr. Abraham hat auch für die nothwendigen Ergänzungen vorgesorgt und den Fortbestand dieser Bibliothek auf absehbare Zeit gesichert. Pose», im Januar. Wir stehen jetzt unter dem Zeichen der Jubiläumsfeierlichkeiten. Auch hier hat am vergangenen rrhjj eine solche in würdiger Weise stattgefunden. Vor 100 Jahren trat eine Anzahl religiöser Männer zusammen, um einen Verein zu gründen, der den Namen 'yaip OTiy annahm, welcher Name die lobenswerte Tendenz desselben angibt. Der Verein richtete für seine Mitglieder ein besonderes Betlokal ein, stellte einen Prediger an und hielt für die verstorbenen Mitglieder die üblichen Gedenkfeierlichkeiten ab. Im Laufe der Zeiten streifte freilich der Verein den Namen und die eigentlche Tendenz als dt»? yaip ab und figurirt lediglich unter dem modernen Na men Humanitätsverein, der eine besondere Synagoge besitzt, an welcher Prediger und Cantor fungiren und in der, abgesehen von einigen unwesentlichen Neuerungen, der Gottesdienst in altherkömmlicher Weise abgehalten wird. In dieser zur Ehre des Tages prächtig dekorirten und erleuchteten Synagoge wurde die Säcularfeier des Vereins begangen. Den Glanzpunkt der Feier, die mit Gesang und Musik eingeleitet wurde, bildete die zündende Predigt des Gemeinderabbiners Herrn Dr. Feilchenfeld. Erhöht wurde die Feier noch dadurch, daß zwei edelstnnige Frauen, Mitglieder des Vereins durch ihre verstorbenen Gatten, Frau Bein und Frau Labischin der Vereinssynagoge je eine neue min "1DD widmeten. Der religiösen Feier in der Synagoge folgte im Keiler'schen Hotel ein Festmahl, welches durch Frohsinn und Heiterkeit gewürzt und durch Musikaufführung verschönt wurde. Möge der Verein noch recht lange blühen und dereinst von den Enkeln der heutigen Mitglieder eine zweite Säcularfeier begangen werden. Neben dieser erfreulichen Nachricht gibt es leider noch eine andere weniger erfreuliche mitzutheilen. In Krotoschin, einer Gemeinde unserer Provinz, in welcher einst der oapi moy tyn lehrte und sein Leben beschloß, bereiten sich schwere Kämpfe vor. Mehrere Mitglieder, die sich die Aufgeklärten nennen und den Gemeindebehörden angehören, finden es für nothwendig, zur Verschönerung des Gottesdienstes u. s. w. eine Orgel in der Synagoge einzuführen. Die Herren können es sich leisten, denn von einigen sind bereits namhafte Beträge zu diesem Zwecke gezeichnet worden, was lebhaft an das Prophetenwort erinnert: ♦rva'in ppa wy nnri d,-6. Der größte Theil der Gemeinde ist nun freil'ch gegen dies Reformprojekt und nahe an 80 Mitglieder haben bereits bet der Königlichen Regierung unter Geltendmachung religiöser und materieller Bedenken gegen die Einführung einer Orgel protestirt. Der Entscheidung steht man mit Spannung entgegen. Lechenich, 11. Jan. Gestern feierte das hiesige Ehepaar Isaak Baer und Frau, geb. Levino, unter reger Betheiligung fast aller Einwohner, das Fest der „goldenen Hochzeit." Der 78jährige Jubelbräutigam, geistig und körperlich frisch und die 79jährige Jubelbraut, die nur körperlich nicht so sehr rüstig ist, erfreuen sich hier und in der Umgebung wegen ihrer Redlichkeit und Wohlthätigkeit gegen jeden, ohne Glaubensunterschied, eines sehr guten Rufes; daher hatten auch die ntchtjüdtschen Mitbürger Straßen und Häuser zu Ehren des Jubeltages festlich geschmückt. Zur Feier des Tages hatten sich zahlreiche Freunde von Nah und Fern, sowie sämmtliche Kinder, Enkel und 9 Geschwister des Jubelbräutigams mit ihren Angehörigen in der prachtvoll dekorirten, 1886 neuerbauten Synagoge etngefunden. Die hier versammelte Menschenmenge fand nicht Raum geuug im Gotteshause und hörte die Feier vom freien Platze vor der Synagoge aus mit an. Die gottesdienstliche Feier begann nach vorangegangenem nmv-Gebet. mit einem von Kindern der hiesigen isr. Elementarschule gesungenen Liede. Die Festrede hielt, anknüpfend an die Psalmworte, rvsB ddud-d 'i am sin *p3, Herr Lehrer und Cantor M. Salmann daselbst. Die Bedeutung des Tages als Dank- und Freudenfest schildernd, erwähnte Redner auch lobend der Theilnahme der andersgläubigen Mitbürger und dankte ihnen warm für dieselbe. Ein fernerer Gesang und ein Gebet für das Wohl des Jubelpaares, unseres erhabenen Kaiserhauses und der gesummten Ortsbewohner und Festtheil -ehmer schloß die Feier. In einem hiesigen Saale folgte nun ein Festmahl, das alle Verwandten und von der Ferne erschienene Freunde freudig vereinigte. Toaste, ernste Deklamationen, heitere Vorträge und herzliche Ltederspenden (einer besonders sangesfähigen Enkelin des Jubelpaares) würzten, im Verein mit den fröhlichen Weisen einer Militärkapelle, das Festessen. Das Familienfest gestaltete sich so 1