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Der Israelit · 1894-01-15 · Heft 5 (15.1.1894) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 5 (15.1.1894)
Date
1894-01-15
Page
– (sequence 3)
Language
German
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schwach und bankerott geworden, daß seine Inhaber ihrem großen, himmlischen Gläubiger nur die Hälfte oder gar noch einen geringeren Theil seiner Forderungen anzubieten wagen? Wer wirklich glaubt, in unserer Zeit sei jeder Procentsatz unserer Verflichtungen, die wir noch leisten, ein grober Gewinn, der muß sehr gering von der Leistungsfähigkeit des Judentums denken, der hat es durch eine bloße, solche Offerte schon discreditirt und verrathen. Wer aber von der Lebenskraft und Ewigkeit des Judenthums durchdrungen ist, der empfindet das Beleidigende und Herabwürdigende, das in dieser Halbheit liegt, aus der man sogar noch eine Tugend macht. Wohl ist es wahr, daß die unverkürzte Erfüllung unserer von Goit gebotenen Lebenspflichten im allgemeinen und die Erziehung unserer Kinder im Geiste der Thora insbesondere mit vielen Schwierigkeiten verbunden ist. Aber wann waren diese Schwierigkeiten nicht vorhanden? Es ist Täuschung und im günstigsten Falle Selbsttäuschung, wenn man sich beredet, die Schwierigkeiten seien beute gröber und zahlreicher als in früheren Zeiten Wohl mag die eine oder andere Seite heute noch mehr Entsagung und Hingebung als früher verlangen, aber im Großen und Ganzen ist unser Loos erträglicher, ist die Möglichkeit eines unverkürzten jüdischen Lebens weniger schwierig geworden als sie es in den Jahrhunderten war, die hinter uns liegen. Das Eharakteristtsche unserer Zeit ist, daß sie keine Zeit hat. Unsere Kinder für das Judenthum zu gewinnen, dafür haben sie keine Zeit. Sie müssen Zeit für Französisch, Englisch, Mathematik, Geographie, Musik, für alles Mögliche und Unmögliche haben; wenn.'aber das Judenthum seine Rechte geltend macht, wenn es verlangt, daß seine Kinder Thora lernen, dann haben unsere Kinder keine Zeit. Man klagt über Ueberbürdung der Kinder und wenn es sich darum handelt, ihnen diese vermeintliche oder wirkliche Bürde zu erleichtern, so sind die der Thora bestimmten Stunden die ersten, die dann weichen müssen. Dieses ganze Gebühren erinnert an jenen jüdischen Kaufmann, der auf hoher See. als das Schiff leck wurde und auf Befehl des Kapitäns alle Passagiere einen Theil ihrer Habseligkeiten zur Erleichterung ihres Schiffes in das Meer versenken mußten, zuerst Tallis und Tkfillin über Bord warf — um das Schiff zu erleichtern! Wer so leichten Herzens hier die Thora seines Kindes und dort Tallis und Tkfillin über Bord wirft, der macht sich mit solcher Entbürdung des Kindes oder des Schiffes einer Frivolität schuloig, die Gottes strafende Waltung geradezu herausfordert. — Bor einigen Jahren erzählte ein sehr angesehener russischer Kaufmann, der für seine Person streng nach den Anforderungen des Religionsgesetzes lebt, gelegentlich seines Kuraufenthalts in der Schweiz von seinen Söhnen, die das Gymnasium in Kiew besuchen und dort sehr gut reüsftren. „Lernen Ihre Söhne auch täglich min?" „Leider nein, dazu haben sie keine Zeit." Der Vater setzte dann auseinander, wie das bedauerlicherweise gar nicht möglich wäre, weil die Studien der übrigen Wissenschaften die ganze Zeit und Kraft beanspruchen. — Ein Jahr darauf erschien der kaiserliche Ukas, welcher nur einem geringen Procentsatz von Juden den Besuch der Gymnasien gestattet. Unter den Ausgewiesenen befanden sich auch die Söhne des genannten Kaufmanns. der die Sache im folgenden Jahre berichtete. „Was thun Ihre Söhne jetzt?" „Sie treiben ihre Studien privatim weiter, aber vor allen Dingen lernen sie fleißig min." Es ist doch merkwürdig, welcher Mittel sich der Allmächtige bedient, um Leuten, die keine Zeit zum Lerneu hatten, welche zu schaffen! — Es kann nicht ausbleiben. Das Preisgeben der Thora wird den Kindern und den Großen keine Entbürdung, sondern das Gegentheil bringen, nun t>iy i'by ^pon hj idin mpn p snim »an uöd pTsn px yn ^iyi nisto by uoa pvayo .px yn ^iyi mate b'V rbv yni) min tny Wenn die Vernachlässigung und kränkende Mißachtung der Thora einen Maßstab für den zu ihrer Sühne bestimmten politischen und socialen Druck bietet, so gehen wir ernsten, schweren Zeiten entgegen, in welchen unsere und vor allem unserer Kinder treue Anhänglichkeit an das überlieferte Vätererbe mehr als je die Frage rechtfertigt: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judenthum? (Fortsetzung folgt.) Zeitnugsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Leipzig. Vor Kurzem wurde Leipzig um eine Sehenswürdigkeit bereichert, welche besonders in musikalischen Kreisen nicht verfehlen wird, lebhafte Befriedigung hervorzurufen. Die Musikbibliothek Peters, eine in ihrer Art und in diesem Umfange einzig dastehende Sammlung, wurde durch die Munificenz des Herrn Dr. Abraham Jedermann zur unbeschränkten unentgeltlichen Benützung übergeben. Diese Bibliothek enthält die Gesammtausgaben der hervorragenden Musiker aller Länder und Zeiten, sowie mehr als 800 Biographien und Monographien von Meistern der Tonkunst» Gegen

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