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Der Israelit · 1894-01-15 · Heft 5 (15.1.1894) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 5 (15.1.1894)
Date
1894-01-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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68 Schule des Lebens bewähren? Wer diese Sorte Religion, ihren Inhalt, ihre geistlose Methode, mit der sie den Kindern beigebracht wird, kurz die Mängel und Fehler, welche aus allen ihren Fugen und Kanten leuchten, je einmal eingehend beobachtet hat, muß sich sagen, es giebt kein besseres Mittel Kinder irreligiös zu machen, als dieser Religionsunterricht. Kopfschüttelnd willigte der Alte endlich ein, seinen Enkel ohne Religionsunterricht religiös werden zu lassen, und er hat diese Einwilligung nicht bereut. Der Großvater ist längst heimgegangen, aber sein Enkel lebt in seinem Geiste fort. Wie es gelungen ist ihn dem Judenthum des Großvaters zu erhaltend Lediglich dadurch, daß er für die Thora gewonnen wurde, dadurch, daß sie i h m erhalten wurde, wurde er ihr erhalten. Das Wunder der heiligen Gesetzeslade, die ihre Träger trägt, wiederholt sich noch täglich. Die Frage: Wie gewinnen wir unsere Kinder für das Judenthum? ist im Grunde genommen nur die Frage: „Wie gewinnen wir unsere Kinder für die Thora?" Das Unzulängliche, Verfehlte, Widernatürliche des systematischen d. h. schablonenmäßkgen Religionsunterrichts habe ich an anderer Stelle aus seiner Entstehung, Gestaltung und seinen himmelschreienden Folgen eingehend nachgewiesen.*) Die jüdischen Katechismen und Religionsbücher geben sich im besten Falle ja selber als Extract und Surrogat unserer Thora aus. Für unsere heilige Thora giebt es aber kein Surrogat. Sie ist einzig wie derjenige, der sie uns gereicht. Sollte somit der Gedanke so ferne liegen zu der Urquelle unserer Thora znrückzukehren und aus ihr statt aus abgegesiandcnen Lachen und Pfützen unsere Kinder den Lebenstrunk schöpfen zu lassend Es haben sich ja bereits, wenn auch verhältnißmäßig kleine, so doch achtunggebietende Kreise gefunden, welche dieser Erkenntniß bei der Erziehung ihrer Kinder Rechnung tragen. An diese, deren ganzes Fühlen und Denken, deren Hoffen und Fürchten in der Frage aufgeht, wie sie denn auch ihre Kinder einst für das Judenthum gewinnen, dem sie selber mit Herz und Hand angebören, an diese wenden sich zunächst die folgenden Betrachtungen. Diejenigen gerade, welche der Thora allein die Rettung und Erhaltung unserer Jugend für das Judenthum zuerkennen, die deßhalb früh ihre Kinder der Thora zuführen, machen dennoch oft die schmerzliche Erfahrung, als ob die Thora ihre bewährte, Herzen gewinnende und Geister erleuchtende Kraft gerade für sie verloren habe. Sie halten ihr Kind frühzeitig zum Lesen und Erlernen der *) Jeschurun: „Plaudereien ctu« der Schule." Jahrgang 1887 Nr. 44 ff. heiligen Sprache an, sie lassen dasselbe die Thora, die Gebete übersetzen, aber das Gelernte wird nicht geistiges Eigenthum der Lernenden, es geht ihnen nicht in Fleisch und Blut über und es macht sich auch nicht der recht gedeihliche, erziehliche Erfolg geltend, dessen Einfluß sich auf. das Leben nach der absolvirten Schulzeit segensreich erstreckt. Woran das wohl liegt? Es muß dieser Mißerfolg in Verhältnissen seine Ursache haben, die nicht so an der Oberfläche liegen, denen man daher nicht eifrig genug nachspüren kann. Wohl ist es wahr, was die Vertheidiger des landläufigen Religionsunterrichts geltend machen, daß sich die Zeiten gewaltig geändert haben und daß man dieser Aenderung Rechnung tragen müsse. Sie erkennen zum Theil ja selber das Ungenügende ihres und jedes Religionsunterrichts an, aber sie glauben, man müsse sich in unserer Zeit glücklich schätzen, wenn man auch nur das Wenige erreiche, das bei diesem Unterricht erzielt wird. Sie mögen wirklich allen Ernstes glauben, es sei noch schlimmer um das Judenthum und seine Verwirklichung in dem zeitgenössischen Geschleckt bestellt, wenn ihr Religions-Unterricht nicht das Wenige noch erhalten hätte und kommen dadurch nicht zu der Erkenntniß, daß dieser beklaaenswerthe Religionsunterricht die hauptsächlichste Quelle ist, aus welcher die ganze Mi'sre fließt, unier welcher alle jüdischen Anliegen leiden. Eine besonnene Erwägung wird sich aber auch hier nicht der Gefahren verschließen, welche jeder Halbheit oft in viel größerem Maßstabe anhaften, als der vollendeten Negirung. Wenn es wahr ist, was der jüdische Kindermund zuerst lallen lernt: npy> rV?np nuniD ntffD iH nur min, die Thora, zu der uns Moscheh verpflichtete, ist das zu vererbende Gut der Gemeinde Jakobs, wenn es wahr ist, was uns unsere Weisen lehren: k?** o^pno vk pn n'2 bv mpirn orve daß der ganze Bestand der Zeitlichkeit auf dem Hauche des Thora lernenden Kindermundes ruht, wenn diese Bedeutsamkeit noch weit über Leben und Tod hinaus, bis zu der Stunde der Verantwortung reicht, von der wir wissen, daß sie in erster Reihe der Frage gilt, minV DTiy nyap, hast du dir Zeiten festgehalten für die Aneignung der Thora, so haben wir dieses fundamentale Anliegen preisgegeben, wenn wir ihm nur halb oder noch weniger genügt haben. Diese Genügsamkeit, die sich mit Halbem zufrieden gibt, wo Ganzes verlangt wird, läßt denjenigen, der sie bekundet, schon in einem bedenklichen Lichte erscheinen. Wir sind ja auch sonst nicht so genügsam. Eine Firma muß schon schlecht stehen, wenn sich ihre Gläubiger mit 50 und weniger Procent begnügen sollen. Ist das Judenthum alters-

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