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Der Israelit · 1894-01-11 · Heft 4 (11.1.1894) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 4 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
– (sequence 12)
Language
German
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ordentlichen Vorzüge gebührt und an der es ihm früher nie gefehlt hat. Aber^je mehr Verbreitung daS Buch zu erwarten hatte und, wie die Erfahrung lehrt, gefunden hat und findet, um so mehr mußte der Herausgeber der Verantwortung sich bewußt sein und um so eher hätte er nach den angeführten Proben die Pflicht, seine Arbeit einem tüchtigen Gelehrten zur Prüfung vorzulegen. Nur so kann die Gefahr beseitigt werden, daß das große Publikum trotz besten Strebens und beim besten Willen Falsches lernt und von der Erklärungsmethode unserer Weisen ein unrichtiges Bild bekommt; nur so kann, wie es der Herausgeber wünscht, — und auch wir schießen uns diesem Wunsche an — die „deutsche Raschi-Uebersetzung" ein Familienbuch werden, welches das leider in unseren Tagen immer weniger gekannte Original einigermaßen vertreten und ersetzen kann. Zeitrrrrgsnachrichteu und «korresporrdeuzeu. Deutschland. Berlin, 10. Jan. Der Staatsanwalt des Landgerichts I hat nunmehr gegen den bekannten Antisemiten Schwennhagen, gegen Ahlwardt und dessen Freund, den sogenannten Schriftsteller Black- Podgorcky, Anklage wegen Beleidigung des Finanz- Ministers Miquell erhoben. Es handelt sich um 3 gesonderte Strafsachen, die aber wegen des gleichartigen Charakters zu einem Strafverfahren vereinigt sind. Ahlwardt und Schwennhagen sollen die Beleidigungen in den Versammlungen begangen haben, über die seiner Zeit berichtet wurde. Black in der bekannten, auf Grund des sogenannten Ahlwardt'schen Aktenmaterials auszearbeiteten Broschüre. Ahlwardt sitzt in Strafhaft; die beiden anderen befinden sich in Untersuchungshaft. Berlin, l0. Januar. Zu der Behauptung des Buchhändlers I. Glöß vor Gericht, Richter jüdischer Abstimmung seien befangen, bemerkt der „Börsencourter" sehr treffend. „Es wäre genau so blöde und nicht einmal so frivol wie der Antisemitismus, wenn irgend ein Haufen von Menschen'ldemnächst mit der Behauptung hervortreten wollte, Gerechtigkeitssinn und andere Tugenden seien nur bei Personen voll entwickelt, die zum mindesten sechs^Fuchs messen. Es lassen sich dafür Gründe anführen, genau so klug wie diejenigen, die von anttsemitscher^Seite für den Antisemitismus vorgetragen /werden. Man müßte darauf bedacht sein, Vorkehrungen gegen solchen frivolen Unfug zu treffen. Und was sollte man jetzt thun? MalGsolltefgleichfalls Vorkehrungen gegen diesen Unfug treffen, der frivoler ist, als der andere, weil dieser blos-'lächerlich wäre, jener aber eine Verhöhnung der geltenden verfassungsrechtlichen Bestimmungen und die Absicht einer Kränkung für viele Personen in sich schließt." Aus Bayern. In der Zeit, in welcher von den Gegnern des Schächtens alle Mittel in Bewegung gesetzt werden, um das Schächten möglichst verächtlich zu machen, ja es auf gesetzlichem Wege zu verbieten, da brauchen wir auv nicht hinantzuhalten, alle Vorkommnisse zu registrieren, die nur irgend für die uns religtonsgesetzlich gebotene Tötungsart sprechen. Die „Augsb. Abendzeitung" vom 5. Januar läßt sich Folgendes berichten: Jllertssen, 3. Jan. Wie der „K. Anz." berichtet, kam dieser Tage in Reichau, hiesigen Bezirksamts, ein Mann auf eine eigentümliche Weise ums Leben. Derselbe ließ den Metzger des Ortes in sein Haus kommen, um ihn eine Kuh schlachten zu lassen. Der Eigentümer führte das Thier vor und hielt demselben den Kopf so, daß es vom Todesstreich gut getroffen werden sollte. In dem Augenblicke aber, als der Metzger das Beil zum tödlichen Schlage schwang, wich die Kuh erschrocken zurück und statt diese zu töten, zerschmetterte das niederfahrende Beil dem bedauernswerten Manne, der die Kuh gehalten, den Kopf, daß er tot vom Platze getragen werden mußte. Aus Bayern. Hin und wieder entdecken Leute, die sonst Israels Gebrechen mit dem Vergrößerungsglase zu betrachten pflegen, auch noch etwas Gutes an den Israeliten oder an ihren Gebräuchen und Ceremonien. So führte im vorigen Monat der konservative bayerische Abgeordnete Beckh in der bayer. Abgeordnetenkammer gelegentlich der Beratung des Etats vom Ministerium des Innern an, daß mit der Einführung der Sonntagsruhe vorsichtig vorgegangen werden sollte, daß namentlich die Verhältnisse auf dem Lande berücksichtigt werden sollten. Aber man solle doch auch nicht aus den Augen lassen, daß wir uns allmählich an die Sonntagsruhe gewöhnen sollen. Wenn es die Juden fertig bringen, an ihrem Sabbat nichts zu verkaufen und dadurch an ihrem Wohlstand nichts abnehmen, meine er, könnten sich auch die Christen an den Gedanken gewöhnen, auch einen Ruhetag zu halten. Der Abg. Beckh hat sich leider getäuscht, indem ja nur ein Theil der Juden die Heiltghaltung des Sabbats „fertig bringt." Aber darin dürfte er sich auch getäuscht, oder den Einfluß der Sonntagsruhe überschätzt haben, daß diese jemals von den breiten Massen des Volkes so gefeiert würde, wie vom streng religiösen Juden der Sabbat. In Stolp hat sich ein „Verein der Fettviehbesitzer" gebildet. Der Verein hat den Zweck, den Fettviehbesitzern Preise zu verschaffen, die mit den

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