Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1894-01-11 · Heft 4 (11.1.1894) · page 13

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 4 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
– (sequence 13)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2446951-2448412-2448415--37776-2485855
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

»' Düv.y VW, 58 Berliner Schlachthauspreiien im richtigen Verhältniß stehen. Außer dem sollen die Fettviehbesitzer vor Uebervortheilungen durch die Fettviehhändler beim Wiegen des Vteh's und Auszahlen des Preises bewahrt werden. In Schlawe besteht schon solch ein Verein, der 800 Mitglieder hat. Man sollte glauben, die Gründer des Vereins seien Antisemiten und die Fettviehhändler Juden, aber die Sache liegt hier gerade umgekehrt: Die Gründer des Vereins sind liberale Männer und die Fettvtchhänvler Antisemiten. Ich führe vies nur an, weil es die Antisemiten in umgekehrten Fällen auch thun. Im Uebrigen ist uns die Abstammung, Religion und politische Meinung der Betreffenden ganz gleichgiltiz. Wir haben diesen Verein gegründet, weil er den Landleuten wirtschaftliche Vortheile bringt, ohne irgend einem Menschen ein Unrecht zu thun. Ein Recht zum Wuchern und Betrügen kann Niemand geltend machen. Neustadt a. H. Dieser Tage hielt sich Herr Isidore Goldblum, Copist an der Libliotirögu« National« in Paris, dahier aus, um in den Schrfftstücken im hiesigen Rathhause Forschungen anzu- Itellen über den berühmten nsv tya bnn priori iminom »aarin, Rabbi Elias Lewita, welcher hier am 8. Februar 1477 geboren und 509 bet einer von der Regierung von Ansbach veranlaßten Vertreibung der Juden mit seiner Familie auswandern mußte. Herrn Goldblum gelang es, das uralte Stammhaus des Rabbi Elias aufzufinden, woselbst später ein Nachkomme desselben, der Hofjude Josel Levi, sein erstes Geschäftshaus errichtet hat. Herr G. schreibt gegenwärtig ein Buch über die Geschichte des obengenannten Rabbi b"\ und hat bereits einige Kapitel derselben in den hebräischen Wochenschriften »-dyn und mmn veröffentlicht. Oester. - Ungar. Monarchie. Wien. „Die Nmzeit" theilt in einem Briefe aus Amerika mit, daß Reverend Henry L. Philips, Rector der bischösflichen Kirche in Philadelphia, sich in einer Sonnlagspredigt wie folgt aussprach: „Nehmt den Juden zum Muster! Warum ist es, daß er ein so kleines Procent zur Verbrecherclasse stellt, daß vor dem Richterstuhle, im Gefängnisse, im Armenhause er so selten gefunden wird? Warum ist es, daß die Höhlen des Lasters und der Sünde, die in dieser Stadt und allen großen Städten blühen, so selten frequentirt werden von Leuten jenes Volkes! Es ist, wie ich glaube, aus dem Grunde, daß der häusliche Herd der Juden das edelste Urbild jenes lieblichen und zarten Heimlebens bietet, dessen Einflüsse die Kleinen bilden und ihre Herzen formen für Rechtschaffenheit, für das Edle und Erhabene . . . Wer von uns kann leugnen, daß der Jude bekannt ist wegen seiner Liebe und Anhänglichkeit zum Gesetze und seiner Achtung für dasselbe? Formt euer häusliches Leben nach dem Vorbilde des jüdischen." Italien. Rom. Durch die Demolirung unseres Ghetto wurde das berühmte Archiv unserer Cultusgemeinde obdachlos und dasselbe ist nun in seine neue Behausung. die sich neben der Ignaz von Loyola, vem berühmten Gründer des Jesuitenordens, geweihten Kirche befindet, übersiedelt. Die Ueberstedelung vollzog sich recht feierlich, denn unser gelammter Vorstand und fast sämmtliche Rabbiner Roms wohnten der Einweihung (wir. ^rn) dieses neuen jüdischen Heims an, wobei unser verehrter Oberrabbiner Moses LevyEhrenreich, nachdem er einige Psalmen recitirt hatte, eine kleine Ansprache an die Anwesenden hielt. Die Gäste nahmen dann an einigen Tafeln Platz, worauf ihnen ein kleiner Imbiß dargereicht wurde. Ich glaube nicht erst noch besonders hervorheben zu müssen, daß die Lokalitäten dieses Archivs den modernen Anforderungen vollkommen entsprechen. Corfu, im Dezember. Bet der heurigen Rccrutenaushebung hat sich hier ein für die Cultur- und Bildungsverhältnisse unserer Gemeinde sehr beschämender Fall ereignet. Es wurden nämlich hier sieben jüdische Recruten ausgeh^ben, die, als sie das Beeidigungsprotocoll unterfertigen sollten, einstimmig und erröthend eingestehen mußten, daß sie nicht schreiben können. Es ist wohl wahr, daß diese neuen Vaterlandsvertheidiger den unteren Volksklassen angehören, daß aber nicht ein einziger von ihnen seinen Namen niederschreiben konnte, das ist doch traurig und beschämend. Und dieses ereignet sich hier in Corfu, dessen jüdische Gemeinde anerkanntermassen große Geldopfer für ihr Schulwesen bringt, und die man daher für die gebildetste Griechenlands hält. Unser Cultusvorstand sollte daher strenge darauf sehen, daß der Schulbesuch auch gehörig eingehalten werde. Griechenland. Neapel. Ein Enkel unseres früheren Rabbiners, des unvergeßlichen Prof. A. Randegger, Giuseppe Aldo, ein junger Mann, der noch nicht das 20. Lebensjahr überschritten, hat soeben seine Studien am hiesigen Conservatorium vollendet, und verließ er diese Anstalt, zu deren vorzüglichsten Schülern er stets gehörte, mit dem Diplome eines Professors des Piano. Der noch junge Professor hat auch zugleich eine Anstellung erhalten, indem er zum Director des in Atlanta, der Hauptstadt Georgiens in den Vereinigten Staaten zu errichtenden

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.