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Der Israelit · 1894-01-11 · Heft 4 (11.1.1894) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 4 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
– (sequence 10)
Language
German
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50 Verwandten besteht aus preußischen Offizieren, evangelischen Pastoren und höheren Gertchtsbeamten, Berufe die den Verdacht des Judenthums schwerlich aufkommen lassen. Der Name Remy, den man als eine Umstellung der Buchstaben Mehr deutete, ist französischen U^prungs, da der Großvater des Gatten der Frau R. ein Hugenotte gewesen. Der so orientalisch klingende Vorname „Nahtda" entlehnte der Vater der Dame, einem seiner Lteblingsromane dessen Heldin Nahida (Persisch, auf deutsch die Friedensgöttin) hieß. Es war gegen Ende der 70er Jahre, als die Hochfluth des Antisemitismus ihre schmutzigen Wogen bis in die höchsten Kreise trieb. Nirgends konnte man stch bewegen, ohne auf dieses unangenehme Thema zu stoßen. Wohin man blickte, nichts als Streitschriften für und gegen die Juden. Zu dieser Zeit war es, als unsere Heldin, die Frau eines Berliner Gelehrten, die vorher das Judenthum kaum dem Namen nach kannte, auf diesen Streit aufmerksam geworden, begann, jüdische Schriften zu studtren und in diesen sich binnen kurzer Zeit eine Gelehrsamkeit aneignete, die alle Welt in hohes Erstaunen setzte. Bibel, Talmud, Midrasch, nichts blieb ihr fremd. Ihre Werke auf diesem Gebiet erregten bald berechtigtcs Aufsehen. Lerder wandte sie stch bet ihrem Durst nach Kenntniß des Judenthums ausschließlich an reformjüdische Gelehrte, so namentlich an Professor Lazarus, der sie zwar, wie wir gesehen haben, gewissenhaft in die Geheimnisse unserer lilterarischen Schätze einführte, der aber nimmer im Stande ist, ihr ein Bild des reinen unverfälschten Judenthums zu zeigen. Diesen Mangel sucht Frau Remy nunmehr dadurch zu beseitigen, daß sie möglichst viel in streng religiösen Häusern, namentl.ch am Freitag Abend und an Sabbaten zu verkehren sucht. In diesen Kreisen lernt sie das Judenthum und seine Lehre nicht aus Büchern, sondern in seinem kräftig pulsirenden Leben kennen und daselbst dringt man ihren Bestrebungen viel Sympathien und V.rständn-tz entgegen. Leitender Artikel. Neue Plans einer alten Kchmeriskeit? II. Die in Nr. 56 d. Bl. unter diesem Titel veröffentlichte wissenschaftliche Notiz hat eine größere Zahl von Kundgebungen aus unserem Leserkreise zur Folge gehabt. — Wir haben dieselben dem Einsender jener Notiz zur Kenntnttznahme überantwortet und derselbe schreibt uns nun darüber: „Die Aeußerungen über die Erklärung des Umstandes, daß die Thora den Aufenthalt unserer Väter in Egypten einmal mit 400 und ein anderesmal mit 430 Jahren angibt, wie sie H?rr Schnerb h"ui versucht hat, bekunden das Interesse welches dieser originellen Auffassungswelse vielfach entgegengebracht wurde. Diese Originalität erkennen auch diejenigen der vorliegenden Kundgebungen an, welche gegen die Ausführung selbst Bedenken haben. Diese Bedenken ließen sich nicht besser beseitigen, als indem man sie sämmtltch abdruckte, dann würden sie sich gegenseitig selber aufheben. Zur Würdigung derselben müssen wir das Resultat jener Untersuchung noch einmal kurz recapituliren. Dasselbe besteht in der Annahme, daß von Erschaffung der Welt bis D'-iao riN«r, resp. bls zur Proklamirung von Pinn »rrp nao nach Sonnenjahren gerechnet wurde und daß erst von da ab und weiter von Mondjahren die Rede ist. Nach der chronologischen Reihenfolge, wie sie die min darstellt, muß der onnan pn. nna und somit die Berechnung der 400 Jahre zwischen dem 75. und 85. Lebensjahre Abrahams fallen. Schnerb nimmt das 82. Jahr an, 18 Jahre vor der Geburt Jizchaks, so daß zwischen D'iron p rro und pnsr m'b 418 Sonnenjahre liegen. 4l8 Sonnenjahre macken aber 430 Mondjahre aus, so daß auf diese W?ise der Widerspruch aufgehoben ist. Diese Auffassung entspricht natürlich nicht derjenigen von Raschi. Aber wenn Herr Hermann Fuchs aus Preß bürg für Raschi eintreten will, so hätte er dies schon längst gegen die Einwendung thun können, die Ramban, R. Elieser Aschkenasi u. a. großen Erklärer gegen Raschi's Erklärung zur Stelle erhoben haben und deren Unabwetsbarkeit eben eine andere Erklärung nolhwendig erscheinen lassen. Die Erklärung, die derselbe statt der Schnerb'- schen gibt, findet sich bereits im r6:pni anan mit sehr guter Motivirunq. In dieser E klärunq begegnet sich Hrr Fuchs mit Herrn Woipert, Leh er in Fränklsch-E umb ich und Herrn M. M. in W. — Aber diese Erklärung hat nur einen Sinn, wenn man annimmt, daß die Thora die Darstellung des Lebens Abrahams nicht chronologisch geordnet hat. auf Grund des cnpio pw m na nmsDi, was uns aber, wie bereits erwähnt, nur annehmbar erscheint, wo es die Ueberlteferung betont. Herr Lehrer Wolpert und Herr M. wenden nun noch ein, daß bet der Umwandlung der Sonnen- und Mondjahre noch die Schaltjahre zu berücksichtigen wären. „An derselben Stelle," schreibt l'tzterer, „wo uns die Pflicht, nach Mondjahren zu zählen, ge- *) Man vergleiche Nr. 56 vom 13. Juli v. I.

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