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Der Israelit · 1894-01-11 · Heft 4 (11.1.1894) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 4 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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" . ■»yv!^.^.l 'l V1 -M fUV b£‘ . J 46 Fugbachgaffe zur größten Zufriedenheit seiner jeden Samstag ihm andächtig lauschenden Zuhörer bekleidete. Wir können der Gemeinde Dsva zu ihrer glücklichen Aquisition nur von Herzen gratuliren. H. Lö.r. England. London, 5. Januar. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses wünschte der Radikale Conybeare die Anstellung einiger jüdischer Fabrikinspektoren im Ostende Londons, wo eine zahlreiche jüdische Arbeiterbeoölkerung des Englischen nicht mächtig sei, sondern nur „jüdisch" verstehe. Der Minister des Innern hielt vas nicht für nöthig, sondern die Anschlagung der Fabrikakte in „jüdischer" Sprache in den betreffenden Werkstätten für ausreichend. Feuilleton. Im Mahne des Glücks. (3. Fortsetzung.) Lange und liebevoll betrachtete Max die Dinge, die da vor ihm lagen. Endlich begann er zu sprechen: „Unzählige Mal schon wollte ich es Dir sagen, aber ich hatte es doch nun einmal versprochen, keinem Menschen es anzuvertrauen, und ich wagte bis jetzt selbst Dir gegenüber nicht eine Ausnahme hiervon zu machen. Nun aber muß es sein. Du weißt, daß ich ein Jahr lang in Frankfurt a. M. gelebt habe. Mein Wohlthäter dort war der bekannte, in jüdischen Kreisen hochangesehene Banquier Berkheim, Du hast gewiß seinen Namen schon gehört?" Friedländer nickte mit dem Kopfe, ohne etwas zu erwidern. „Nun also denke Dir, Banquier Berkheim hat zwei Töchter, und die jüngste derselben ist schön wie die Morgenröthe, ein himmlisches Geschöpf, ich kann sie Dir nicht schildern, Du müßtest sie selbst sehen, denn weder Worte noch Farben vermöchten auch nur annähernd das Bild dieses herrlichen Mädchens zu geben." Der Professor lächelte trübe. „Ich habe längst Derartiges vermuthet, Du hast so manche Anspielung gemacht, ohne daß Du wolltest oder wußtest. Du bist also verliebt." „O, gebrauche nicht dieses triviale Wort. Ich bin nicht verliebt, sondern ich liebe mit jeder Faser meines Herzens, mit Freuden könnte ich mich opfern für sie, ich könnte.-" „Errege Dich nicht, Freund, Du darfst nicht so viel reden." „O, laß mich doch noch sprechen, so lange es Zeit ist", rief Max immer erregter werdend. „Du mußt ja Alles erfahren; war es nicht schlecht, war es nicht undankbar von mir, mein Auge zu der Tochter meines Wohlthäters zu erheben, ich ein Russe, ein Mensch, der von Almosen lebte, ein Garnichts!" „Bei Deinen Talenten wirst Du es sicher noch wett bringen und keine Prinzessin brauchte sich Deiner zu schämen." „So dachte auch ich in der Ueberschwänglichkeit meine jugendlichen Hoffnungen, und als sich mir die Liebe dieses Engelsbildes erschloß, da zögerte ich keinen Augenblick mich ganz ihr zu weihen mit meiner ganzen Seele, mit Allem was ich bin und habe. O, ich war so glückselig, sie zu besitzen, es war ein Glück ohne Reue, es war so schön, so schön!" „Und dennoch konntest Du Frankfurt verlassen!" fragte Südländer. „Mußte ich denn nicht? Die Verhältnisse verlangten es so, und sie selbst schickte mich fort. „Geh nach München", sagte sie, „werde dort ein großer berühmter Künstler; dann komme wieder und Papa wird Dir meine Hand nicht verweigern, und ich werde glücklich sein mit Dir. Wenn Du erst 30,000 Mark für ein Bild bekommst, wie Defregger oder Böcklin, wirst Du mir von Herzen willkommen sein." Der Professor runzelte die Stirne. „Ein sonderbares Liebesgeständniß", sagte er. „Ja, nicht wahr? Sonderbar! Und doch sind es ihre eigenen Worte, ich habe sie genau behalten." „Das bedauere ich", sagte Südländer. „O, wenn Du sie sehen würdest, Du würdest nichts anders empfinden können in ihrer Nähe als Himmelsfreude und begeistertes Entzücken. — Aber, was Du vermuthest, ist leider nur zu wahr. Sie ist wohl noch zu jung, um ein Charakter zu sein. Leider ist es sicher, daß allerlei Anlagen in ihr vorhanden sind, die nicht gerade sehr günstiges erwarten lassen. Und doch ist sie so schön, so lieb und so gut. Sie ist ja noch so jung, und ihr Gemüth ist weich und bildsam, Du wärst der Mann aus diesem Holze ein herrliches Bild zu schnitzen. An Deiner geistigen Größe würde sie sich emporrangen, durch Deine echte Frömmigkeit würde auch sie sicher von den Irrungen ihres Gemüths geheilt werden!" „Wie?" fragte der Professor erstaunt, „verstehe ich Dich recht? Banquier Berkheim gehört doch zu der streng orthodoxen Richtung in Frankfurt a. M., ja er wird als Vorkämpfer derselben genannt, und seine Tochter sollte-?" „O, Du darfst das nicht falsch auffassen!" entgegnete Max, „ich bezweifele nicht, daß sie alle Gebote unserer heiligen Religion eben so streng^ ein-

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