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Der Israelit · 1894-01-11 · Heft 4 (11.1.1894) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 4 (11.1.1894)
Date
1894-01-11
Page
– (sequence 7)
Language
German
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47 halten wird wie ihr Vater, wie Du und ich, aber die Ansichten, weißt Du? Es ist da eine Gouvernante im Hause, der ich nicht trauen würde, die hat ihr so allerlei thörichte Auffassungen eingepflanzt, sprechen wir nicht davon, da sind so allerlei Reden und Schlagworte, die sich schnell wieder verflüchten, wenn die Ursache des Nebels nicht mehr vorhanden ist. Laß uns auf das kommen, was ich eigentlich Dir sagen wollte. Jede Woche durfte ich ihr schreiben, weißt Du, an die Adresse der Gouvernante natürlich, und darauf erhielt ich immer ein Zettelchen von ihr oder ein Kärtchen, nur wenige Zeilen, aber sie beglückten mich unendlich, sie genügten, mich mit Seligkeit zu erfüllen. Steh hier!" Max reichte seinem Freunde das Packetchen Briefe. Der Professor warf einen Blick darauf. Es war eine schöne, elegante Handschrift, deren feine Züge ihm da entgegen leuchteten. Und auch eine Locke goldblonden Haares war da in einem der Kästchen, während in dcm Andern ein Verlobungsring verborgen lag. „Nun hast Du mir Alles gesagt!" sprach endlich der Professor. „Nun sprich nicht mehr und schone Dich!" „Nein, nein!" stieß der Schwerkranke hervor, „ich muß noch reden, ich muß-" So laß bis Morgen. „Morgen ist es vielleicht schon zu spät, ich fühle es"- „Du mit Deiner Jugendkraft, Du wirst-" Der Kranke ließ ihn nicht ausreden. „Desto besser", sagte er, „ich will Dich ja nur um etwas bitten, und wär es unnütz, so wollen wir Beide uns darüber freuen, aber versprich mir, Adolph, — verlasse sie nicht! Ich weiß niat, ob ich im Stande gewesen wäre, ihre edlen Keime zu entfalten und die minderguten zurückzudrängen; wenn man so liebt wie ich, da kann man nicht viel überlegen. Du aber mit Deiner Klugheit, mit Deinem energischen Willen, Du wirst es können! Der Gedanke wäre mir noch im Sterben entsetzlich, daß dieses Engelsbild in den Staub sinken müßte, sorge für sie, Dich wird man nicht zurückweisen, denn Du bist reich und vornehm, gib ihr diese Briefe, diese Locke und diesen Ring, sage, daß ich ihr es sende und sie treu geliebt habe, bis zum letzten Augenblick. Willst Du es, Adolph, willst Du es Deinem sterbenden Freund versprechen?" Die Augen des Professors wurden feucht. „LieberMax" stammelteer, „wie könnte ich- „O!" unterbrach ihn der Kranke, „Du sollst ja nur versprechen, daß Du selbst ihr diese Dinge geben, daß Du sie sehen und Dich bemühen willst sie zu lieben und ihre Liebe zn erringen. Fühlst Du, daß sie niemals die Deine werden kann, vermagst Du nicht dieselbe heißlodernde Liebe für sie zu empfinden, wie ich, dann. bist Du ledig Deines Versprechens. Dustehest ja, Du kannst noch immer thun und lassen, was Du willst. Willst Du es mir jetzt versprechen, willst Du?" Der Professor zögerte noch immer. Da richtete sich der Kranke hoch im Bette auf, seine Augen traten weit aus den Höhlungen hervor, sein Gesicht bedeckte schon die Bläffe des Todes. „Willst Du?" schrie er nochmals mit Aufbietung aller Kraft. Der Anblick war entsetzlich. „Max, Max!" rief der Professor aus, „ich verspreche Dir Alles, was Du willst, beruhige Dich nur, ich will Alles thun!" Der Kranke sank in die Kiffen zurück, ein Aechzen hob seine Brust, doch war es kein Laut des Schmerzes. Stille Freude und Befriedigung schien über seine Züge ausgegoffen. „Ich danke Dir, Adolph" flüsterte er, und tastete mit seiner Hand, die schon schwer zu werden begann, nach dem Freunde. In Südländer tobte der Schmerz, doch er bezwang sich gewaltsam. Mit seinen beiden nervigen Händen faßte er die zarten Finger des Freundes, er vermochte nicht zu reden, er sah ihm nur immer in die Augen, in diese geliebten treuen Augen, die nun auf ewig erlöschen sollten. Er vermochte es kaum noch zu ertragen, er hätte laut aufschreien mögen, aufschreien, wie der Hirsch, den die Kugel des Jägers getroffen. Max war ganz stille geworden. Auf die heftige Erregung von vorhin, war eine gänzliche Ermattung gefolgt. Er lag regungslos da, die Augenlider waren fast geschloffen, aber nicht ganz. Ein schmaler Streifen blieb geöffnet und aus diesem Spalte schimmerte das schwarze Auge unheimlich leblos hervor. Südländer begann zu schaudern. „Der Arzt!" schoß es ihm durch die Gedanken, er stürzte an die Thüre und rief hinaus: „Ist der Arzt noch nicht zurück?" Dann eilte er wieder an das Bett seines Freundes. Der junge Arzt war im Vorzimmer; er war so taktvoll, das Krankenzimmer nicht zu betreten, da er aus den erregten Lauten, die er hörte, geschloffen hatte, daß die beiden Freunde über wichtige Dinge zu verhandeln hatten. Jetzt trat er ein. Ein Blick überzeugte ihn von der Lage der Dinge, er hatte es nicht anders erwartet. Ohne

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