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Der Israelit · 1894-01-08 · Heft 3 (8.1.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 3 (8.1.1894)
Date
1894-01-08
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Was endlich die unter 3 berührte mir gewordene Antwort betrifft, so verhält eS sich damit folgendermaßen: Am Tage nach Erscheinen meines Artikels im „Israelit" erhielt ich ein Schreiben des „Centralvereins" gez. Dr. Mendelsohn, welches in urbanerer Form ungefähr gleichen Inhalt wie die „Berichtigung" hatte. Ich stellte Herrn Dr. M frei dieses Schreiben mit meiner Erwiederung, die ich ihm übersandte, zur Vermittelung für den Abdruck im „Israelit" mir überlaffen zu wollen. Darauf erhielt ich nach 3 Tagen ein Schreiben des Vorstandes, wonach derselbe, da ich seine Antwort, die, da sie einem Collegium vorzulegen war, solange auf sich warten lassen mußte, nicht abgewartet habe, mit mir nicht weiter verhandeln wolle. Derselbe hat sich dann mit der „Berichtigung" direkt an den „Israelit" gewandt. Dies zur Klarstellung, wobei noch bemerkt werden mag, daß während die Antwort auf meine Eingabe aus den mitgetheilten Gründen 19 Tage auf sich warten ließ (23. Nov.—11. Januar), die Sprache zu diesem letzten mir zugegangenen Schreiben schon nach knapp 3 Tagen sich bei den Herren, trotz jener Gründe, sich wieder eingestellt hat. Dr. B i b e r f e l d. ~ Berlin. Die Geschäftsantisemiten haben eine besondere Theorie und eine besondere Praxis. In der Theorie find sie arbeiterfreundlich, schimpfen über die Ausbeutung des Volkes durch die Geschäftsleute, die in diesem Falle bei ihnen immer Juden sind, und in der Praxis suchen sie sich auf alle mögliche Weise zu bereichern, hierbei vor dtn schändlichsten Mitteln nicht zurückschreckend. Wie schlecht die geringwerthigeren dieser Leute sein müssen, ersieht man daraus, daß sogar einer der Edelsten der anüsemitischen Nation, der aus reiner christlicher Liebe einen „Christlich-deutschen Bazar" in Berlin eröffn»t hat, dem „Verband der Geschäftsdiener, Packer und Berufsgenossen" Grund zu scharfen Klagen gegeben hat. Der Kassirer Grauer führte auf der Generalversammlung folgenden Fall an: Der Inhaber des „Christlich-deutschen Bazars" am Spittelmarkt suchte kurz vor Weihnachten einen Hausdiener, der gleichzeitig den Verkauf der auf der Strafe ausgestellten Waaren beaufsichtigen sollte. Der in Aussicht gestellte Lohn betrug 13 Mark. Als dem Geschäftsinhaber entgegengehalten wurde, daß der geringste ortsübliche Lohnsatz 15 Mark betrage, meinte er, er könnte nicht so viel zahlen, „denn er müsse billiger arbeiten als die Juden!" Auf Deutsch: einen größeren Prosit machen, und darum nennt sich die Handlung „Christlichdeutscher-Bazar". Ans Altona. (Zur Besetzung des Amtes eines Oberrabbmers in Altona.) Folgende Candtdaten werden ihre Wahlpredigten halten: Dr. S. Stein, Rabbiner Ms Schweinfurt, am r3., Dr. Eppenstetn, Rabbiner in Briefen, am 20. und Dr. Lerner, Rabbiner in London, am 27. Januar. Oester.-Ung ar. Monarchie. Wien, 3. Januar. Wie die „N. Fr. Pr." mittheilt, traf vor einigen Wochen hier ein Kaufmann und Hausbesitzer in Odessa, Namens Ch. Aglitzky ein. welcher seine Vaterstadt verlassen hatte, weil er befürchtete, auf „administrativem Wege" nach Sibirien verschickt zu werden. Hier wurde ihm auf der Polizeidirektion mitgetheilt, daß die russische Botschaft infolge einer Requisition des Petersburger Ministeriums an die Wiener Sichcrheitsbehörde die Bitte gerichtet habe, ihn (Aglitzky) zu beobachten, weil in Bälde ein Begehren um seine Auslieferung einlangen werde. Die Rathskammer des Wiener Landgerichtes wies das Begehren um Beobachtung als im russtschwsterreichischen Auslieferungsvertrage nicht begründet ab. Ueber die Ursache der gegen ihn eingeleiteten Verfolgung gibt Herr Aglitzky, welcher jüdischer Konfession ist, Folgendes an. Er hatte gegen einen Russen in Odessa, der sein Schuldner war, ein Civil-Urtheil erwirkt und wollte zur Exekution schreiten. Nun war von dem Gouverneur dieser Stadt, Herrn Selenoi, eine Praxis besonderer Art etngeführt worden. Wenn ein Jude ein Urtheil gegen einen rechtgläubigen Russe erwirkt hatte und dieser sich an den Gouverneur um Rath und Hilfe wendete, dann ließ derselbe den Juden holen und veranlaßte ihn, das unbequeme Urtheil vor seinen Augen zu zerreißen, indem er ihm rn Aussicht stellte, daß er sonst zwangsweise Odessa verlassen müsse. Diese bei der Macht der AdmiMrcnions Organe sehr ernste Erklärung bewog auch wirklich tue meisten Gläubiger, welche auf solche Weise zu dem Gouverneur citirt wurden, ihr Recht aufzugcben. Aglitzky, der aus demselben Anlasse vor den Gouverneur vorgeladcn war, weigerte sich jedoch, das Urtheil zu vernichten, und beharrte trotz mehrfacher Citirung vor dem mächtigen Beamten bei seinem Widerstande. Die Sache sei bald in Odessa bekannt geworden. Der Gouverneur, welcher ihn, als einen in Odessa geborenen und dorthin zuständigen Kaufmann, denn doch nicht ausMveisen wagte, habe ihn bei dem Minister des Innern in Petersburg als Wucherer denuncirt und um dessen Ausweisung aus Odessa gebeten. Alle'« der Minister habe die angegebenen Gründe als nicht genügend zur Verhängung dieser Maßregel befunden. Da sich jedoch in der Stadt das Gerücht verbreitete, daß der Gouverneur sich nunmehr direkt an den Zar um Ausweisung oder Deternirung Aglitzky's gewendet habe, sei es diesem doch als rärhlich erschienen, von Odessa abzureisen, was^er auch, .mit

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