Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1894)
- Date
- 1894-01-08
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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MWMWWWW«! 34 sich scheuen, in unsere Religionsange! egehetten mit pietätlosem Aburtheilen sich einzumengen — werden wir gegen das gleiche Gebühren von jüdischer Seite in Bezug auf christliche Glaubensfragen nickt min der nachdrücklich Verwahrung einlegen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen- Deutschland. Berlin, 31. Dezember. Zu dem Artikel des Herrn Stiftsrabbiners Dr. Ed. Bieberfeld (Beilage zu Nr. 98 des „Israelit" 1893) erhalten wir von dem „Verein mit dem langen Namen", dem „Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" die nachfolgende „Berichtigung": 1. Es ist unwahr, daß „die durch die oben gekennzeichnete Broschüre (von Dr. Loewenfeld) geschaffene Stimmung festzuhalten und zu verbreiten das Lebensziel des Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens sein soll." Der Verein steht vielmehr jeglicher Beeinflussung der religiösen Anschauung prinzipiell fern und verfolgt lediglich staatsbürgerliche Ziele, sodaß sich alle Deutsche jüdischen Glaubens, welche religiöse Meinung sie auch haben mögen, in ihm zusammenfinden können und sollen. 2. Es ist unwahr, oaß „der Central-Vercin deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens „als Ausgangspunkt eine Broschüre nimmt u. s. w." Derselbe ist nicht auf die Zustimmung zu dem Inhalte der Broschüre von Dr. Loewenfeld entstanden, worüber die Meinungen recht auseinandergingen, sondern auf die Zustimmung zu den derselben angesügten Thesen, welche jeder Jude anerkennen muß. 3. Es ist unwahr, daß „die Beantwortung des Schreibens dem Schriftführer Herrn Dr. R. Loewenfeld, dem Verfasser der angegebenen Schrift obgelegen hätte." Herr Dr. Loewenfeld ist der zweite Schriftführer des Vereins, demnach nur der Stellvertreter des ständigen Schriftführers für dessen Behiuderungsfall; und außerdem werden selbstverständlich Schreiben an den Vorstand auch von diesem und nicht von einem einzelnen Herrn desselben erledigt, wie dies ja auch thatsächltch Herrn Dr. Bieberfcld gegenüber geschehen ist. 4. Es ist unwahr, daß „der Verein in seinen Häuptern sich in der Ausführung der Loewenseld'- schen Broschüre einverstanden und identisch erklärt." Immer und immer wieder ist gerade das Gegentheil hiervon: daß wir alle Juden ohne Unterschied ihrer religiösen Anschauung in unserem Verein zur Wahrung unserer Gleichstellung zusammenschaaren wollen — in Wort und Schrift von uns ausgesprochen worden und nur völlige Unkenntniß oder absichtliche Entstellung vermag etwas Anderes zu behaupten. Der Vorsitzende des Central-Vereins deutscher Staaatsbürger jüdischen Glaubens: Dr. Mendelsohn. Dazu habe ich zu bemerken: Der Centralveretn will die Rechte der jüdischen Staatsbürgerschaft wahrnehmen und ist sich dabei über seine eigenen Rechte so sehr im Unklaren, um nicht einmal zu wissen, daß ihm, Mangels der Eigenschaft als juristische Person, die Befugniß. eine Berichtigung zu erzwingen, nicht zufteht. Der Vorstand hat gar nichts zu „fordern" und nur Loyalität diktirt die Aufnahme der Berichtigung. Sachlich wäre zu bemerken: Ad. 1. Es ist nicht behauptet worden, daß der Verein andere als staatsbürgerliche Ziele verfolgt. Aber auch die Broschüre „Staatsbürger oder Schutzjuden", verfolgt lediglich dieselben und will nur — da nun einmal Judenthum und jüdische Religion untrennbare Begriffe sind — die religiös Andersdenkenden in ihrer Eigenschaft als Staatsbürger „abschütteln". Ad. 2. Die von mir angeführten Worte „Es wirkte daher geradezu zündend, als in einer Broschüre von Dr. L. „Schutzjuden oder Staatsbürger" den Empfindungen und den Anschauungen der gebildeten deutschen Juden Ausdruck gegeben wurde und diese Brochüre die Gelegenheitsursache und der Ausgangspunkt wurde für einen Zusammenschluß der Juden" — sin' einer Ansprache des Herrn Dr. Mendelsohn entnommen (Bericht über die erste Versammlung u. s. w. S. 2). Es bleibt räthselhaft, wie dem gegenüber behauptet werden kann, daß nur die Thesen Zustimmung fanden. Ad. 3. Ich gestehe mit tiefer Beschämung, über die Familienverhältnisse des „Centralvereins" schlecht unterrichtet gewesen zu sein. Soll sich hinter dieser Berichtigung aber etwa die Insinuation verbergen, als hätte ich eine Unterdrückung meines Schreibens durch Herrn Dr. L. andeuten wollen, so sei dieselbe hiermit aufs Bündigste zurückgewiesen. Kein Einsichtiger kann meine Worte anders, als dahin deuten, daß ich ein vornehmes Jgnoriren meiner Eingabe erwartete. — Ad. 4. Ich verweise wiederum auf meine Bemerkung zu Punkt 2, daß der „Centralverein" alle religiösen Anschauungen zusammenfassen will, ist nicht bestritten worden, sondern gerade umgekehrt auf den Widersinn hingcwiesen worden, der einerseits in dem Bekenntnisse zur Schutzjudenbroscküre, anderseits in dem Streben nach Zusammenfassung aller freien Kräfte zur Abwehr liegt. Daß endlich der letzte Satz keine „Berichtigung" enthält, ist klar; mag er immerhin mitlaufen!