Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1894)
- Date
- 1894-01-08
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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irgend ein Mißverständniß sich etnschletchen. Man kennt sich zu genau, als daß dies möglich wäre; man würde für jeden Jrrthum sofort die Lösung finden oder die Unmöglichkeit einer falschen Voraussetzung einsehen. Das Glück der Freundschaft vergoldete die Tage des Professors mit sonnigem Glanze. Und jetzt sollte dies ihm geraubt werden? Ihm, der so arm an Lebensfreuden, wollte ein grausames Geschick auch diese rauben? Nein, das konnte nicht möglich sein. Der Kranke regte sich, er schlug die Augen auf, seine lieben, treuen Augen. Gott Lob! Gewiß! Er würde ihm wieder genesen. „Adolph", rief Mir mit matter Stimme. Der Professor faßte seine Hand und streichelte ste sanft. „Wie fühltst Du Dich, Lieber?" fragte er. „O gut, recht gut, nur ein wenig matt. Es ist lieb von Dir, daß Du da bist, bei mir. Ich möchte mit Dir plaudern, viel, viel!" „Strenge Dich nicht an, das hat später Zeit, wenn Du erst wieder gesund bist." Der Kranke lächelte vor sich hin. Es war ein so eigenthümltches, sonderbares Lächeln. „Lache mich aus, Adolph. Aber weißt Du, was ich glaube? Ich habe ein so sonderbares Gefühl, so ganz unbeschreiblich!" Er stockte. Dann sah er den Freund bittend an. „Nicht wahr, Du zürnst mir? Ich war ein rechter Leichtsinn, daß ich Deinem Rathe nicht folgte." „Sprich doch nicht davon." „Nein, ich wollte auch über Anderes mit Dir reden. Draußen auf der Straße, da sagte ich es einem jungen Arzte, daß ich noch unbedingt mit Dir reden müßte. Weißt Du, man kann doch nicht wissen. —" „Tbue Deinen Mund nicht zum Bösen auf, Max", fiel ihm der Professor erschreckt in's Wort. „Nun ja, für alle Fälle. Es kann ja nichts schaden, wenn Du es erfährst. Ich habe zwar versprochen, es nie einem Menschen anzuvertrauen, mein kleines Geheimniß. Aber Du und ich, das ist ja kein Unterschied. Und wenn ich wieder gesund werde, Du wirst es Niemandem ausplaudern, nicht wahr?" Der Kranke lächelte wieder. Dieses Lächeln ging Südländer durch Mark und Bein. „So rede denn, wenn es sein muß!" stieß er endlich hervor. „Nimm dort aus meiner Börse den kleinen Schlüssel," sagte der Kranke und hob matt die Hand ein wenig, um zu deuten. Südländer folgte der Weisung. „Nun — hier — an meinen Schreibtisch, die zweite Schieblade, rechts oben." Der Professor schloß auf. „Sie ist leer," sagte er. „Du mußt ste ganz herausziehen, es ist ein Geheimfach dahinter." Der kleine Schlüssel paßte auch zu dem Geheimfache; der Proftssor schloß auf. Es war ein Packet mit Papieren darin und zwei kleine, winzige Kästchen. Der Professor trug alles herbei und legte es auf das Bett des Kranken; die Züge desselben erheiterten sich sichtlich bei diesem Anblick. (Fortsetzung folgt.) Der Schluß der Erzählung „Der Hohepriester" kommt in nächster Nummer zum Abdruck. Wochen - Kalender. Freitag, 12. Januar, 5. Schebat. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 30 Min. (bl. E. Z.) Samstag, 13. Januar, 6. Schebat. N3 Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 40 Min. (M. E. Z.) Der „Israelit'' erscheint wöchentlich zweimal, MontagS und Donnerstags, jedeSmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deutschland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für's Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Durch den Buchhandel jtt bestehen bei E. $. Kteinarkrr, Leipstg, Dohplah 16. — nferate 25 Pfennig die viergespaltene Petitzeile oder deren Raum. — Oesterreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Streifband pro Jahrgang für Deutschland und Oesterreich 14 Reichs-Mark oder 8 fl. österr., für's Ausland 16 Reichs-Mark, an die Expedition franco einzusenden. Eine Rücksendung von an die Redaction eingesaudten Manuscripten findet nicht statt, man bittet deshalb sich von allen Einsendungen eine Copie zurückzubehalten. Inhalt (Hauptblatt): Leitender Artikel: Was unseren Unstern abwendet. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Frankfurt a. M. München. Aus Mergentheim. Crefeld. — Oesterr.-Ungar. Monarchie: Prag. — Vermischtes. — Feuilleton: Im Wahne des Glücks (Fortsetzung) Inhalt der Beilage: Leitender Artikel: Eine „jüdische" Zeitung und die Jesuitensrage. — Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Berlin. AuS Altona. — Oesterr.-Ungarische Monarchie: Wien. — Vermischtes. — Räthsel. — Briefkasten. Verantwortliche Redaction: OScar Lehmann in Mainz. Expedition des „JSraelit", .Schottstraße Rr. 2, Mainz. Druck und Verlag der Joh. Wirth'fchen Hofbuchdruckerei-Actien-Gefellfchaft in Mainz. Hierzu eine Beilage.