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Der Israelit · 1894-01-08 · Heft 3 (8.1.1894) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 3 (8.1.1894)
Date
1894-01-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
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30" wurden zerschmettert. Dr. Wolf, seine Frau und zwei Töchter fand man ohmächtig. aber glücklicherweise unbeschL^ digt in der Wohnung. Die mit Fackeln herbeigeeilte Feuerwehr räumte Schutt und Trümmer weg und hielt die ganze Nacht Wache. Dr. Wolf erzählte, daß er nach dem Nachtmahl einen Brandgeruch verspürte, und kaum habe er dies feiner Frau mitgetheilt, so hörte er die donnerähliche Detonation, welche ihn zu Boden warf. A«S Neiffe erhalten wir folgende Zuschrift: Die Garnison Neisse, welche ca. 5000 Mann umfaßt, zählt auch viele israelitische Soldaten. Da ich selbst ein alter Soldat bin und dieserhalb Interesse an der Sache habe, freut es mich doppelt, Ihnen Folgendes «us dieser Garnison mitzutheilen: Unsere israelitischen Soldaten haben sich stets einer guten Behandlung zu erfreuen gehabt, doch folgendes Vorkommniß verdient besonders hervorgehoben zu werden. Bei der 3. Kompagnie des 23. Jnf.-Rgls. dienen auch israelitische Soldaten. Vor Kurzem hat ihr Hauptmann, v. K., denselben erklärt, daß jedes auf ihre Religion bezügliche Wort ihm sofort gemeldet werden solle, ferner hat er strenge Bestrafung denjenigen Soldaten zugesagt, die sich eine solche Beleidigung der jüdischen Soldaten zu Schulden kommen laßen. Wie«. Man schreibt dem „Fr. Bl.": Ein Consortium von Fleischhauern, Selchern und einigen Beamten der Vieh- und Fle-scheaffe befaßt sich seit circa zwei Jahren damit, finniges Schweinefleisch der behördlichen Beschau zu entziehen. Die Mitglieder dieses Consortrums befaßen das „Recht", das verdorbene Fleisch entweder selbst zu verwerthen oder an ein anderes Mitglied zu verkaufen; die Hauptabnehmer waren der Selchermeister Oswald Wagner, Favoriten, Wielandplatz 3, wohnhaft, und der sehr wohlhabende Fleischhauermeister Anton Hallama in Jnzerdorf. Oswald Wagner, der Jahr für Jahr tausende von Gulden auf den Wettrennplätzen der Monarchie verspielt, hatte sich bereits vor einigen Tagen bei dem Bezirksgerichte Landstraße zu verantworten, und wurde ihm eine Strafe von 250 fl. zuerkannt. August Schreiber, der ehemalige Liquidator der Vieh- und Fleischcafie, erhielt eine Geldstrafe von 300 fl.; die Mitangeklagten Selcher Josef Ziegler, Engelbert Hatsinger und Johann Schindler, sowie Schleiffelder, Beamter der Vieh- und Fleischcaffe, mußten wegen bereits eingetretener Verjährung freigesprochen werden. Hallama, der das finnige Fleisch an die Cantineure der Zietzelöfen und der Maffenquartiere lieferte, wird sich demnächst mit noch circa 30 anderen Selchern vor Gericht zu verantworten haben. Die meisten dieser Gewerbsleute sind sehr wohlhabende Männer und Christen, und gehören bis auf wenige Ausnahmen der antisemitischen Partei an. Budapest, 20. Dezember. Im Spitale der israelitischen Gemeinde hier werden »wei ganz neue Abtheilungen geschaffen, eine für Hals- und Kehltovfkrankheiten und die andere wieder für Frauenleiden. Eine Abrheilung für Ohren- und Nasenkrankheiten besteht bekanntlich schon seit Längerem in diesem mustergtltigen Krankenbause, das nicht nur eine Zierde unserer Stadt, sondern des ganzen Landes ist. — Unter dem Vorsitze des Präsidenten-Stellverireters Herrn Ludwig Adler hielt gestern das Execmiv-Coinite des Ungarisch-Israelitischen Handwerks- und Ackerbauvereins die letzte Sitzung in diesem Jahre. Es wurden 26 hiesige Petenten und 28 aus der Provinz, zusammen also 54, ausgenommen. Dte Gesammtzahl der Vereins,oglinge beläuft sich jetzt auf dreihundert. <Eiu neues antisemitisches Tagblatt in Krakau.) Ein polnischer Romanschriftsteller, Namens Josef R o g o s z, läßt, wie antisemitischer Seite triumphirend verkündigt wird, vom 1. Dezember d. I. an in Krakau ein antisemitisches Tagblatt, betitelt „Oloce Narodu“ („Volksstimme") erscheinen. An judenfeindlichen AuSlaffungen haben es sich die älteren Krakauer Journale nicht fehlen laßen. Die Spielart des unverschämten Antisemitismus war allerdings in der polnischen Königsstadt bisher vublicistisch nicht vertreten. Feuilleton. Im Wahne des Glücks. (2. Fortsetzung.) Sehr bald war der greise Gelehrte zur Stelle. Das wrr er immer, wenn es galt seinen Mitmenschen za helfen. Ehe er die Untersuchung begann, hatte er eine kurze Besprechung mit dem jungen Arzte im Nebenzimmer. Dann untersuchte er. Nicht lange. Die Merkmale waren zu augenscheinlich. Er ordnete an, daß die mittlerweile gebrachte Medizin dem Kranken gegeben würde. „Der Menschen Leben steht in Gottes Hand", sagte er zu Südländer. „Er kann auch dann noch helfen, wenn menschliche Hilfe unmöglich scheint. Der Herr Kollege hat dem Kranken ein Mittel gegeben, das ihn in kurzer Zeit zur Besinnung bringen wird. Jedenfalls wiro der Arme noch einige Bestimmungen treffen wollen. Verlassen Sie in den nächsten Stunden sein Lager nicht." Südländer schüttelte heftig mit dem Kopfe. Er bat den jungen Arzt zu bleiben. „Es hat keinen Zweck, Herr Professor! Ich will nach dem Unglücksplatz hinüber. Dann komme ich wieder hierher." Die Beiden gingen. Professor Südländer blieb allein am Lager seines Freundes. II. Das Geheimnitz des Freundes. Es war ja nicht möglich! Es konnte ja nicht sein! Er würde nicht sterben! Nein! Mit ängstlichem Blicke schaute Südländer nach dem Freunde hinüber. Dieser schlummerte noch immer. Aber nicht mehr so ruhig, wie vorhin. Zuweilen entrang sich ein leichtes Stöhnen seiner Brust. Südländer mutzte ruhig warten, bis der Freund von selbst erwachte; so wollte es der Arzt. Während der Professor so in sich gesunken dasaß. zog sein ganzes früheres Leben an seinem geistigen Auge vorüber. Es war jetzt drei Jahre her, daß er diesen klugen, herzensguten Jüngling gefunden, der in seiner kindlichen Art dem jungen Professor ein so reiches Maß von Liebe und Freundschaft bot, daß dieser zeitweilig vergessen konnte, daß er kein Heim besaß und fast allein und verlassen auf der Welt stand.

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