Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1894)
- Date
- 1894-01-08
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Gottesgedanken dienen und in diesem Dienst den Beruf ihres ganzen Lebens erblicken. Sie stoßen überall auf Gegensatz, der in Gehässigkeit und offene Feindschaft ausartet und schon ungezäblte Male durch Blut und Mord besiegelt wurde. Soweit hat Pharao richtig das Schicksal seiner Sklaven auf ihrem Wüstenzuge aus den Sternen zu lesen gewußt. Nach den Naturgesetzen, nach welchen die Sterne ihre Bahnen über den Häuptern der Sterblichen ziehen, war das blutige Unterliegen Israels von vornherein besiegelt. Was aber Pharao nicht gewußt hat, ist, daß höher als die Sphären der rollenden Himmelskörper das Gesetz desjenigen waltet, das alle menschliche Berechnungen zu Schanden macht, welche sich gegen feine Weltordnung auflehnt. Nach den stetigen, ehernen Gesetzen der Natur hätte der erste Ahn des israelitischen Volkes nicht leben, hätte er sein Geschlecht nicht erhalten und jedenfalls nicht Stammvater seines Volkes werden können. Pharao wußte nicht, daß schon der Ahn des Volkes, dem er den Tod aus den Sternen las, vom Vater der Menschheit hoch über die Gesetze, welche den Lauf der Sterne regeln, emporgehoben wurde mit den Worten -\bv rw'HDXKc rw: Tritt heraus aus dem Bannkreis menschlichen Calcüls, das unwiderleglich beweist, ein Abram wird keine Zukunft haben. Abram nicht; aber ein Hauch des Gottesnamens genügt, um alle diese Berechnungen umzustoßen; Abraham erreicht, was Abram nach menschlicher Auffassung für alle Zeit unerreichbar scheint. Freilich warten dem Gottesvolke schwere Kämpfe von allen Seiten, die ihre blutigen Opfer fordern. Das ganze Leben des Abrahamvolkcs ist ein fortgesetztes toi pip, ein beständiges Opfer an Gut und Blut. Es hat diese Opfer unzähligemale gebrachtes bringt sie noch heule und bleibt Sieger in dem Kampfe, den die rohe Gewalt gegen die Träger des Gottesgeistes kämpft. Was hat sie gefeit gegen diese Kämpfe, was hat sie ausgestattet mit dieser Hingebung, die leichthin ihr Blut verspritzt, um ihren Idealen nicht untreu zu werden? Das ist Mizwas Mtla, der Abrahamsbund, dessen äußeres Zeichen seine Söhne tragen. An dieser Mtzwa allein zerschellt die bluttriefende Gewalt einer ganzen Welt. Wenn sie alle Bosheit, Feindseligkeit und Gehässigkeit angewendet hat und das Gottesvolk nicht von der Gotteserde wegzulügen, fortzuverleumden und sonstwie abzudekrettren vermag, dann bleibt der brutal zutappenden Hand nichts übrig, als unser Blut. Das ist die ultimo ratio, das ist das letzte, äußerste Mittel. Mehr vermögen sie nicht. Ihr letztes, verzweifeltes Mittel ist bereits durch die erste Mizwa paralystrt, welche an jedem jüdischen Neugeborenen freiwillig von Seiten der Eltern vollzogen wird. Wie könnte auch eine ganze Welt uns zum Abfall durch blutige Drohung zwingen, so lange wir aus freien Stücken unser Blut, nein noch mehr, das Blut unserer Liebespfänder im zartesten Alter Gott hingeben?! Auch nur äußerlich betrachtet, drängt sich somit dem aufmerksamen Beobachter sofort die Wahrheit auf r6»o nn*? tnn nK njnn Vy *1 omn, wie der Unstern, der blutigroth über Israels Lebensgeschick waltet, durch die erste Mzwa, durch Mizwas Mila, abgewendet wird. Diese Wahrheit erscheint aber noch einleuchtender, wenn wir auf Wesen und Bedeutung von Mizwas Mila tiefer eingehen, was wir zum Gegenstand der folgenden Betrachtung machen wollen. (Schluß folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspoudenzeu. Deutschland. Frankfurt a. M. Für Ihre das Schächten betr. stauftlschen Erhebungen dürfte eme Mittheilung des vor einigen Tagen veröffentlichten Frankfurter Schlachthofetats pro 92/93 von Interesse sein, wonach hier 14,801 Stück Hornvieh geschlagen und 10,805 Stück geschachtet wurden. Diese Zahlen sind ungemein beredt. Sie konstatiren, daß ..uch ein großer Prozentsatz der christlichen Metzger das Schächten der Tödtung durch Betäubungsschläge vorziehen. — Jllustriit wird diese Thatsache durch eine Erklärung des Vorstandes der Fleischer-Innung aus dem Jahre 1885, als eben das neue städtische Schlachthaus dem Betrieb übergeben worden, und die heute von besonders acutem Interesse ist. Dieselbe lautet: Nachdem verschiedene Zeitungen über dieThätigkeit des im städtischen Schlachrhause angestellten Schlägers Berichte enthalten, die der Wahrheit nicht entsprechen, unsere dagegen eingesandten Berichtigungen aber aus uns unbekannten Gründen nicht ausgenommen wurden, sehen wir uns genöthigt, Nachstehendes zu veröffentlichen, indem wir uns jeden Kommentars dazu vorläufig enthalten. Die meisten Thtere wurden, inFolge der Abneigung, sich des angestellten Schlägers zu bedienen, geschächtet. Um nun die Thätigkeit des Schlägers bei denjenigen Thieren, welche vor Oeffnen der Halsader durch das Beil betäubt wurden, zu illustriren, diene nachfolgende, den thatsächlichen Verhältnissen entsprechende Tabelle. Es erhielten bis zum Sturz und vollständiger Betäubung: