Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 3 (8.1.1894)
- Date
- 1894-01-08
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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26 Alten, die Söhne und die Töchter seines Volkes für seinen Wüstenzug reklamirt. Sie wollen ein Fest ihrem Gotte feiern, deßhalb sind für sie die Schrecken der Wüste nicht vorhanden. ijto rtaarn rrem ra-y bin) ri'Li. „Ihnen jubelt Wüste und Einöde entgegen, jauchzt die Stcpp und blüht wie eine Lilie auf!" (Jesaja, C. 35, V. 1.) Von Gottes Wort getragen, erhielten später ihre flüchtigen Wanderzelte in der That den Charakter fester, wohlqezimmerter Wohnungen. t-»3 mowp "izno »kn idi urr ’n »» by ins s’nzn. (Talmud Erubin, fol. 55.) Dieser höheren, über gewöhnliches, menschliches Hoffen und Fürchten hoch erhabenen Lebensanschauung gegenüber, erweisen sich die Bedenken, welche die hausbackene, alltägliche Schulweisheit ins Treffen führt, als unzulänglich. Wenn ihr Pharao mit Erfolg entgegentreten will, so muß auch er sich zu einem höheren Standpunkt verstehen. Er schwingt sich zu der höchsten für egyptische Wissenschaft denkbaren Höhe, den Sternen empor und liest aus ihnen das blutige Verhängniß, dem Israel auf seinem Wüstenzuge entgegengeht. Und er hat richtig gelesen, wenn er Blut und Mord an den Zug dieses Volkes durch die Wüste sich heften steht, auch wenn man die Schrecken und Gefahren jeder Wüstenwanderung ganz außer Betracht läßt. Diesem Volke wird mit der Wahrheit, die es in seinem Schooße birgt und die es durch die Welt zu tragen berufen ist, diese Welt selbst mit ihren paradiesischsten Gefilden so zu Gefahr und Tod bringenden Wüste, daß seine Propheten das spätere Exil dieses Volkes, eine Wanderung in die Wüste der Völker — irayn izno — nennen. Gibt es doch kaum einen grelleren Gegensatz als denjenigen, der zwischen der Verachtung altts Höheren, Göttlichen, zwischen der Leidenschaft. Genußsucht und Selbstsucht bestand, wie sie in Egypten bei Volk und König herrschten und zwischen dem Adel der Gesinnung, welcher sich in den Worten kundgibt 'n1? jrv. Wir feiern ein F st Goltes. Diese Worte ausgesprochen vor den Machthabern eines Staates, in welchem Sinnlichkeit und rohe Gewalt ihre Orgien feiern, ausgesprochen von den Vertretern eines Volkes, das unter einem unerhörten Sklavenloos seufzt, und dennoch kein Fest für sich, sondern seinem Gott ein solches feiern will, diese Worte zeichnen den ganzen Abstand zwischen Israel und seiner Umgebung. In Einöden und Wüsteneim mit Wüb und Kind zu ziehen und mit jedem Schritt in die Wildniß Gott ein Fest zu feiern, das ist dieselbe Gesinnung, welche eine spätere Zeit forderte und erreichte, wenn sie als Zweck und Ziel alles Lebens und Strebens die Absicht zeichnet, Gott unserem Schöpfer eine Befriedigung zu gewähren insn^ nn nnj nwyk Wir haben es erfahren und ein nach Jahrtausenden zählendes Märtyrium sondergleichen zeugt für die Thränen und das Blut, für den tausendfältigen Tod verkündenden Unstern, welcher über der Verwirklichung solcher Gesinnung waltet. Als Israel beim goldenen Kalb sich versündigte, hat es zum ersten Male den Einfluß dieses bösen Sterns erfahren. Der Vorsatz, mit jedem Schritt, jedem Wort, jedem Gedanken und jeder Regung Gott ein Fest und eine Befriedigung zu bereiten, ist nicht nur mit Rücksicht auf die außerjüdische Welt verhängntßvoll, Gott selbst gegenüber erwachsen aus der Verleugnung dieses einmal übernommenen Berufs verantwortungsschwere Folgen. Was Millionen sonst ungeahndet gegen Gottes Sittengesetz sündigen, wird an Israel hart geahndet. Dieser Hochberuf 'r6 jn mryk so zu leben, daß Gott seine Freude an uns hat, bringt uns in zu nahe, innige Beziehungen zu Ihm, als daß wir sie ungestraft vernachlässigen könnten. Nicht umsonst hat uns Gott zu seinem Dienste von alttn Völkern auserwählt und hat nicht umsonst sich als eop 'n, als ein Gott uns offenbart, der eifersüchtig über jeden Schritt wacht, der uns ihm entfremden könnte. Wie der Freund gerade vom Freunde die größere Rücksicht erwartet und ihre Versagung schmerzlicher als die Rücksichtslosigkeit eines ihm ferner Stehend-n empfindet, so vztsdi hmd mytsM werden die ihm nahe Stehenden am schwersten vom Sturme seines Unwillens betroffen, so nimmt cs Gott gerade mit seinen Erprobten haarscharf. Ist es ja gerade das unmittelbare Eingreifen Gottes in das Lebensgeschick Israels gelegentlich des Wegzuges aus Egypten, womit ein späteres Prophetenwort die Thatsache begründet, daß Gott einen Anspruch auf Israels vollendete Hingebung hat, der jede Verirrung zur Verantwortung zieht, die an Anderen ungeahndet bleibt. »js O2'dy *n "npn rnn -cnn ritt iyotr O^litt pi Dnso pxo ’n^yn -wtt nnstpon bj by bi ™ uyby ipstt p by nonxn nneffB Ssd ’ryt . D3»n* Jiy „Hört dieses Wort, das Gott über euch gesprochen, Kinder Israels, über die ganze Familie, die ich aus dem Lande Mzrajim gehoben habe': Nur euch bin ich liebend nahe getreten, mehr als allen Familien der Erde, deßhalb suche ich an euch alle euere Verirrungen heim." (Amos, Cap. III, V. 1, 2.) Mitten in eine Welt gestreut, die am sinnlich greifbaren und tastbaren festhält, waltet aber auch mit Rücksicht auf ihre Umgebung kein günstiger Stern über denjenigen, die mit ihrem ganzen Sein und Haben, mit Gut und Blut dem