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Der Israelit · 1894-01-03 · Heft 1-2 (3.1.1894) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 1-2 (3.1.1894)
Date
1894-01-03
Page
– (sequence 20)
Language
German
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/ 20verfolge, die jüdischen Kinder von den öffentlichen Schulen fernzuhalten, sondern auch ihnen jeglichen Unterricht zu entziehen. ES ist fast selbstredend, daß der Minister dieser Ansicht beipfltchtete und die Lotterte verbot. > Vermischtes. < Der Präsident der südafrikanischen Republik Transvaal, Mr. Krüger, hat den armen Juden von Jerusalem den Betrag von 60 Pfd. St. zukommen lassen. Rabbiner Galant hat für diese hochherzige Spende dem Präsidenten Krüger den Dank der Gemeinde ausgedrückt. Feuilleton. Der Hohepriester. Novelle von Jakob Frankfurter. V. Der BersöhnungStag nahte heran, das größte Fest deS Jahres, der wichtigste Tag in derBerufsthättgkeit des Hohepriesters. Da mußte Eleasar sich ganz dem Dienste Gottes widmen, dem er sein Leben geweiht hatte. Dem Gesetze gemäß mußte er sich wieder verheirathen und er nahm Rahel, eine Base Leah's, sich zum Weibe. Die sieben Tage, die dem Feste vorangingen, mußte er in stiller Abgeschiedenheit zubringen, da kamen die Aeltefien des Volkes zu ihm und lasen mit ihm die Gesetzesstellen, welche die Ordnung deS OpferdiensteS enthielten, damit er alle Gebräuche und Vorschriften genau aussühre. Als der Morgen des festlichen Tages anbrach, da vollbrachte er daS tägliche Opfer, dann wusch und badete er sich, legte anstatt der prächtigen, reich mit Gold besetzten Kleider, ein weißes Gewand, aus feinstem Leinen an, das eigens für den Dienst am Versöhnungstage angefertigt war und nur ein einziges Mal verwendet wurde. Nun trat er zu dem bereitstehenden Opferstiere, legte seine Hand ihm auf die Stirne und sprach: „Herr, ich habe mich versündigt, verschuldet und vergangen gegen Dich, ich und mein Haus." Mit wehmüthiger Stimme sprach er dies heute, wie ein mit schwerer Schuld beladener und war doch so vollkommen schuldlos und rein, wie in seinen früheren Jahren. „Ich und mein Haus!" Was war ihm nun sein Haus! Seitdem ihn das Weib seiner Jugend für immer verlassen hatte. Wieder berührte seine Hand das Haupt des Stieres, er legte das Südenbekennlniß ab für die Priester, dann schlachtete er das Thier, fing sein Blut in einem Becken auf, nahm eine goldene Pfanne mit Räucherwerk und trat in das Allerheiligste. Es war ein feierlicher, ernster Augenblick; außer ihm durste die Stätte Niemand betreten, er selbst auch nur dies eine Mal im Jahre, sonst wäre es sein Tod. Mit dem Blute des Opferstieres besprengte er die Bundeslade einmal nach oben und siebenmal nach unten, that hierauf dasselbe mit dem Blute des Bockes, den er inzwischen als Sündopfer geschlachtet hatte und zählte bet den Sprengungen. eins, eins und eins, ein und zwei bis sieben: DaS waren die einzigen Worte, die er im Allerheiligsten sprach, doch waren sie sehr bedeutsam. Die Zahl eins, mit der er jedesmal die andere verband, versinnlichte die Einheit Gottes, die Zahlen von eins bis sieben bedeuteten die sieben Jahrzehnte, die dem Menschen für sein Dasein bestimmt waren. Mit Gott solle er es beginnen, mit Gottes Beistand es weiter führen, Gottergeben es beschließen. Seine ganze Zeit sollte Gott gehören, der am heutigen Tage entschied, ob er im kommenden Jahre sich weiter seines Lebens freuen, oder aus ihm scheiden sollte. Eins und drei zählte Eleasar, da seufzte er tief, im dritten Jahrzehnte ihres Lebens hatte der Tod ihm sein geliebtes Weib entrissen. Eins und vier; das war das Alter, in dem er stand; wie wird er es vermögen ohne sie noch weiter sein Dasein fortzuführen! Nun trat er zu dem zweiten, mit einem Bande gekennzeichneten Bock, legte seine Hand ihm auf die Stirne und bekannte die Schuld des Volkes, nachdem er vorher durch das Opfer des Stieres sich und die Priester entsündigt hatte. Hieraus wurde der Bock hinweggeführt bis in die Wüste, wo man ihn von einem schroffen Felsen hinabstürzte, so daß er mit zerschmetterten Gliedern bald verendete. Was war das in früheren Jahren für ein Jubeln und Jauchzen, wenn der Hohepriester heimkehrte, nachdem er ohne Mißgeschick das Allerheiltgste verlassen und das Versöhnungswerk vollbracht hatte! Gottes Recht war sein Gewand, Heil und Friede war ihm Schmuck und Krone. Aus den Höhen rieselte des Himmels Thau, aus den Furchen quoll der Erde Frucht. Die die Saaten streuten, brachten ihm Dank, die die Garben banden sangen frohe Lieder zu Gottes Preis. In den Thälern und Niederungen erschallet Sang und Klang und die Wanderer auf den Straßen stimmen an des Herrn Lob. Nicht täuschet sie ihre Hoffnung, wie Kühlung in des Sommers Hitze erfrischt der Glaube alle Herzen. Jeder Makel ist getilgt, der Sündenfleck ist ausgelöscht, gesühnt und geläutert heben sie die reine Hand empor und preisen Gott, den Quell des Lebens, Israels Born, der nie

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