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Der Israelit · 1894-01-03 · Heft 1-2 (3.1.1894) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
35 (1894)
Issue
Heft 1-2 (3.1.1894)
Date
1894-01-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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11 einholen. — Dieser Tage wurden hier mehrere jüdische Leichen, die während der Drangperiode auf dem allgemeinen Fricqhof bestattet worden find, exumtrt und zu up gebracht. Die Medizinal- Behörde hatte, nachdem 15 Monate verflossen waren waren, die Erlaubniß dazu ertheilt. Auch viele christliche Leichen wurden auf Antrag der Angehörigen ausgegraben, um in Familiengräber beigesetzt zu werden. Posen, 14. Dez. Im israelitischen Schlacht- Hause fand am 6. d. Mts., Nachmittags in Gegenwart des Departementsthierarztes Heyne und des jüdischen Korporationsvorftandes das Schächten von Rindern statt, um festzustellen, ob damit eine Thierquälerei verbunden sei. Herr Heyne erklärte, daß seiner Meinung nach eine Thierqnäleret namentlich auch beim Werfen der Thtere ausgeschlossen sei. Vom Schnitt bis zur letzten Muskelzuckung vergingen 3 Minuten. Hannover, 27. Dezember. Gestern tagten hier die Vertreter jüdischer Literaturvereine, welche einen Vortragsverdand für ganz Deutschland gründeten, und außerdem gemeinsame Werke der jüd. Literatur herausgeben wollen. Zum Vorstande gehören Dr. Gustav Karpeles (Vorsitzender), Dr. H. Hildesheimer (Schriftführer), Julius Isaak (Cassierer), sämmtlich in Berlin. Außerdem Rabbiner Dr. Frank-Cöln (stellvertretender Vorsitzender) Rabbiner Dr. Rosenthal-Rogasen, Dr. Fink-Hamburg, Dr. Brüll-Frankfurt a. M. Freund-Dortmund. Die Vereinsvertreter traten z. Th. definitiv, z. Th. vorbehaltlich der Zustimmung ihrer Vereine dem Verbände bei. Oe st e r.-Ungar. Monarchie. Wie«, 28. Dezember. Heute Abends ist nach kurzer Krankheit der langjährige Prediger der Wiener israelitischen Cultusgemeinde, Herr Adolph Jellinek, welcher seit 36 Jahren^tm Amte war, im Alter von 72 Jahren gestorben. Mil ihm ist einer der vormals heftigsten Feinde des!altüberlieferten gesetzestreuen Judenthums aus der Welt geschieden. Eine Reihe von Jahren führte er im Amte, Rede und Schrift einen überaus gehässigen Kampf gegen^Vieles, was uns theuer, heilig und unverletzlich ist. Jetzt bei der Mitthetlung seiner Todesnachricht wollen wir diese schwarzen Schatten und trüben Erinnerungen schon dcßhalb nicht weiter heraufbeschwören, weil er in der letzten Zeit im Allgemeinen den Kampf gegen die Glaubensgenossen ruhen ließ und seine Polemik fast nur gegen den Antisemitismus richtete. Gemäß seiner unstreitig großen Begabung hat er hier gar Man« ches ausgerichtet. Wir, die wir auch an dem Feinde das Gute zu schätzen wissen, rechnen ihm bei all seinen Verirrungen das besonders zum Lobe, daß er an seinem Lebensabend in seinen Predigten in erster Linie darauf hinarbeitete, das jüdische Selbstbewußtsein und den Stolz Jude, zu sein, bei seinen Zuhörern zu wecken und zu erhalten. Daß der alte Geist der Feindseligkeit nicht mehr in ihm lebte, zeigte er erst vor wenigen Wochen in seinem schönen Nachrufe auf Rabbi Salomon Spitzer in welchem er die Verdienste dieses 1 großen Führers der Wiener Gesetzestreuen zu würdigen verstand. Dr. Jellinek hatte noch vorigen Freitag Abends eine Exhorte für Herren und Damen im Tempel in der Seitenstettergaffe gelesen und sollte Sonntag Mittags eine Trauung vornehmen, fühlte sich jedoch schon zu schwach und ließ in letzter Stunde absagen. Montag Abends mußte er auf Anrathen der Aerzte sich zu Bette begeben; feine Krankheit, eine Rippenfellentzündung, verschlimmerte sich von Stunde zu Stunde, und heute Abends trat dre Auflösung ein; er starb im Lehnsessel fitzend. Der Verstorbene, dessen Gattin ihm vorangegangen, hinterläßt drei Söhne; ein Sohn, Professor Georg Jellinek, bekleidet eine Lehrkanzel für Staatsrecht an der Universttät in Heidelberg. Der Verblichene genoß nicht nur als glänzender Kanzelredner, sondern auch als Orientalist einen weitverbreiteten Ruf. Als Prediger gewann er die Zuhörer durch seine geistreiche Behandlung religiöser Themen; sowohl seine offiziellen Festreden, wie seine Gelegenheitsansprachen zahlten nach Form und Inhalt zu den hervorragendsten Leistungen der Homiletik. Jellinek besaß nicht nur dichterische Phantasie, sondern wußte auch die Waffe feiner Satire zu handhaben, und bei seinen Polemiken gegen die modernen Raffentheoretiker wirkte er oft durch Einflechtung einer witzigen Anekdote lebhafter als Andere durch lange Abhandlungen. Seine Stellung in Wissenschaft als Orientalist setzte ihn mit den bedeutendsten Gelehrten der Gegenwart in Verbindung; er stand mit Renan, Delitzsch und besonders mit englischen Gelehrten in lebhafter Correspondenz. Seine internationalen wissenschaftlichen Beziehungen documentirten sich insbesondere, als er vor zwei Jahren seinen siebzigsten Geburtstag festlich beging und aus diesem Anlässe von gelehrten Corporationen des In- und Auslandes mannigfache Ovationen, an welchen sich auch Männer der Wissenschaft jenseits des Oceans betheiltgten, erhielt. Dr. Adolph Jellinek war am 26. Juni 1821 zu Drslawitz bet Ungarisch-Brod geboren; er betrieb zuerst wissenschaftliche Studien in Prag und besuchte später die Universttät in Leipzig. Er beschäftigte sich durch Decennien vorwiegend mit Spinoza, Schelling und Hegel, mit der arabischen und persischen Sprache, mit exegetischen und literarischen Studien; zuletzt zeichnete er sich besonders als Bibliograph aus. Als Prediger

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