Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 35 (1894)
- Issue
- Heft 1-2 (3.1.1894)
- Date
- 1894-01-03
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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3 Erziehung, Erhebung der Zeit zur Thauroh! — nicht aber Nivellirung der Thauroh nach der Zeit, Abtragung des Gipfels zu der Flachheit unseres Lebens. — Wir Juden bedürfen der Reform durch's wiedererkannte, geistig erfaßte, mit aller Thatkraft verwirllichte Judenthum. Es gibt kein besseres, bewährteres Mittel gegen alle uns bedrohenden, äußeren Gefahren als d ies e Reform unseres eigenen, innersten Lebens und Strebens. So lange wir von einer äußeren Bekämpfung unserer Feinde eine Wendung zum Besseren erhoffen, sind wir schon deßhalb weit von ihr entfernt, weil damst unsere Aufmerksamkeit von uns selbst abgelenkt wird. Nicht in ihrer Umgebung, bei sich selbst suchten in allen schweren Zeiten unsere großen Ahnen die Ursache jedes Uebels. Wir lesen in diesen Wochen die ersten Kapitel des zweiten Buches der Thora, welche von der ersten Verfolgung Israels und der Erlösung aus ihr handeln. Am Eingang des Wochenabschnittes kini wird uns erzählt, wie Moscheh in der Verzweiflung über das Verfehlte seiner bisherigen Sendung an Pharao zuerst von Gott an Israel und dann in zweiter Reihe mit einer Mahnung an Pharao gewiesen wird. Ski»' '52 onn prw nro *n wi . d'isd p»o *» n« N'jrtn1? onso "po njns So redet Gott zu Moicheh und Aharon und gab ihnen Aufträge Betriff der Kinder Israels und Pharaos des Königs von Mizrajim die Kinder Israels aus dem Lande Mizrajim zu führen." (II. B. M., VI. 13.) Da es sich darum handelte, Pharao für die Freigebung Israels zu gewinnen, so hätten wir glauben sollen, daß die Mission Moscheh's und Aharons zu allernächst Pharao gegenüber Härte gelten müssen und erst in zweiter Reihe an Israel. Wir ff -den aber hier die umgekehrte R ihenfolge. Als dann Moscht h bet dem Volke wegen Kürze des Geistes und wegen der schweren Arbeit kein Gehör fand, sprach Moscheh vor Gott: „Stehe bte Kinder vA^t auf mich, wie wird mich dann Pharao hören, bin ich doch ungefügiger Lippen." (ibiä. V. 12.) Raschi zur Stelle bezeichnet diesen Schluß als eine logische, in sich begründete Folgerung, vom Geringeren auf das Größere (io*m fp), wie sie sich öfter in der jThora findet. Wenn schon die Kmder Israel, die doch ein naheliegendes Interesse an ihrer Befreiung haben, mir kein Gehör schenken, so wird cs doch Pharao, der ein Interesse am Gegentheil hat, gewiß nicht thun. Nach der gewöhnlichen Auffassung ist jedoch dieser Schluß falsch, weil die Voraussetzungen bei beiden nicht gleich sind. Israel hat ja wegen Geisteskürze und harter Arbeit kein Gehör geschenkt, ein Umstand, der doch bei Pharao weqfällt. Wenn deßhalb Israel nicht aus Moscheh hört, so muß dies deßhalb doch noch nicht von Pharao gelten. Folgende Erwägungen dürfte die erwähnten Schwierigkeiten beseitigen. — Das thränenreiche Sclavenloos unserer Väter in Egypten war kein unverdientes. Wohl war iynen ein 400jähriger Aufenthalt als Fremde vorher verkündet. Aber die Bedrückung und Knechtung hatten sie durch ihr sittliches Verhalten verschuldet, auf welches unsere Ueberlieferung wiederholt hinweist. Deßhalb lag der Schwerpunkt ihrer Erlösung nicht bet Pharao, sondern bet ihnen selbst und deßhalb hatte sich Moscheh im Aufträge Gottes zuerst an sie zu wenden. Hätten sie nicht die Kürze des Geistes bekundet, die sich von der Last des Lebens zu Boden drücken läßt und sie für die Mahnung ihres gottgesandten Führers taub macht, so wäre ihre Erlösung sofort erfolgt. Den Trotz des egypttschen Tyrannen zu brechen, wäre für Gottes Allmacht gewiß nicht schwer gewesen. Das Herz der Könige ruht ja in Gottes Hand, der es für die göttlichen Ziele schon zu leiten weiß. Aber der seinerBesttmmung entfremdete Sinn des Gottesvolks kann von Gott nicht erzwungen werden, dieser mußte durch den Dmck der Zeit erst freiwillig die rechte, die Erlösung verdienende Richtung finden. Deßhalb wendet sich Moscheh auf Gottes Geheiß erst an das Volk. Aber als er dort kein Gehör findet, frägt er verzweifelnd, wie wird mir Pharao Gehör schenken können, wenn Israel es nicht zuvor gethan hat? Unsere Lage ist in allen Ziten schweren, äußeren Drucks ganz dieselbe. Die Pharaonen, die mächtigen Judenfeinde aller Zeiten, die geklönten und die nicht gekrönten, sind lediglich Werkzeug und Mittel, deren sich Gottes Allmacht bedienr, um uns unserem entfremdeten Berufe wieder zuzuführen. Aber nicht bei ihnen, bei uns ist die Ursache des Drucks zu suchen, der so schwer auf uns lastet. — Wird diese Wahrheit von uns erkannt und anerkannt, so bleibt uns auch in den betrübenden Erfahrungen T&Ttfmt kvr TXafi.r DiT2'lN BJ/D2 'oVrP '2112 '7 PQV 'vp .T 2’ffN D.T1» bp JTJ2N „Möchte mein Volk auf mich hören, Israel in meinen Wegen wandeln, wie leicht würde ich ihre Feinde demüthigen und gegen ihre Dränger meine Hand wenden." (Ps. 81, V. 14. 15.) Zeitirrrg-rrachrichte« nud Eorrefpottde»zeu. Deutschland. Berlin, 29. Dez. In den russisch-jüdischen Kreisen hegt man auf Grund verschiedener Anzeichen