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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 20

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 20)
Language
German
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Aerrilletor». •>- Der Hohepriester. Novelle von Jakob Frankfurter. IV. Schlimme Tage brachen über Juda herein. Ein kriegerisches Volk im Süden des Reiches, deffen Angriffe wiederholt zurückgeschlagen worden waren, hatte sich wieder erhoben und drang zu neuem Kampfe vor, um die Schmach der früheren Niederlagen durch entscheidenden Sieg auszulöschen. Ein zahlreiches Herr von einem tapferen Feidherrn geführt, drang in die Gebirgspäffe ein, die erschreckten Bewohner flohen und suchten Schutz in den festen Städten. Groß war die Muth der Feinde. Sie plünderten die verlassenen Dörfer, was sie nicht mitnehmen konnten, wurde vernichtet; ihre schweren Roffe zermalmten die reifen Aehren der Getreideäcker, die vordem so blühenden Fluren glichen bald öden Wüsteneien, die menschlichen Wohnsitze waren nur noch rauchende Trümmerhaufen. Jammer und Klagen herrschten in der Hauptstadt, als die ersten Flüchtlinge ankamen und von den Gräueln erzählten, welche die beutegierigen Scharen in ihrer Heimath verübt hatten. Schrecken bemächtigte sich aller Bewohner Jerusalems, doch der König verlor keinen Augenblick den Muth und ging schnell ans Werk, seinem bedrängten Volke zu helfen. Er bot alle waffenfähigen Männer zum Heerbann auf, und sie strömten von allen Seiten herbei und sammelten sich unter seinen Fahnen. Der Landmann verließ seine Felder, der Hirte seine Herden, der Handwerker seine Arbeitsstätte und so mancher, der noch gestern die Sichel, den Hirtenstab oder den Hammer gehandhabt hatte, umgürtete sich heute mit dem Schwerte und hielt den Spieß in der kraftvollen Rechten. Bald war ein stattliches Kriegsheer aufgebracht und die kampfesmuthigen Männer und Jünglinge zogen aus, dem Feinde kühn die Stirn zu bieten. Sie trafen ihn in einer kleinen Ebene, wo er ein Lager aufgeschlagen hatte. Hier wollte ihm der König eine Schlacht liefern, ordnete die Rethen der Seinigen und forderte sie mit lauter Stimme auf, sich muthvoll und tapfer zu erweisen, da von dem Ausgange der Schlacht vielleicht das Schicksal des ganzen Reiches abhänge. Nachdem im Gebet der Herr der Heerscharen um Steg angefleht worden war, gaben Hörnerstgnale das Zeichen zum Angriff. Todesmuthig stürzten sich die Krieger Judas auf die Feinde, doch die Gegner, die ihnen heute gegenüberstanden, leisteten mannhaft Gegenwehr. Waren sie auch an einzelnen Stellen durch .'die Gewalt des Ansturmes zurückgedrängt worden, immer wieder brachen sie hervor, immer neue Scharen sandten sie in's Feld, um durch gewaltige Uebermacht die Feinde zu erdrücken. Es schien, als sollte ihr Vorhaben ihnen gelingen. Vergebens feuerte der König die Seinen an und gab ihnen durch eigene Unerschrockenheit und Tapferkeit ein nachahmenswertes Beispiel; bald hier, bald dort war er zu sehen, ermuthigte die Schwachen, lobte die Unverzagten und theilte überall seine Befehle aus. Umsonst versuchten seine Streiter Stand zu halten, sie mußten endlich weichen und begannen auf einzelnen Punkten sich langsam zurückzuziehen. Jetzt entsank das mit dem goldgestickten Schilde Davids geschmückte Panter den Händen seines Trägers und fiel zur Erde; bald darauf flatterte es hoch über den Kämpfenden, doch es befand sich in Händen eines Feindes. Es war ihr Heerführer, der das Feldzeichen erobert hatte, ein Mann von riesenhafter Gestalt und tollkühner Tapferkeit. Er hatte unter den Vordersten gefochten, alles war vor ihm gewichen und nun hielt er das erbeutete Banner hoch in der starken Faust und begann zu jubeln, der Sieg schien gewiß, doch er jubelte zu früh. Ein jüdischer Jüngling sprang plötzlich aus den Reihen der sich Zurückziehenden vor, machte sich mit kräftigen Schwertstreichen Bahn, drang auf ihn ein und während er ihm mit der linken Hand die Fahne entriß, stieß er ihm mit der rechten das blutige Eisen in den Leib. Entsetzt sahen die Feinde den Fall ihres Führers, doch der kühne Jüngling ließ ihnen keine Zeit. Mit ermuntendem Zurufe wandte er sich an die Männer seines Volkes, die seine That zu erneuerter Anstrengung anspornte. Der gewaltige Heerführer war entseelt zurückgesunken, schnell verbreitete sich die Nachricht von seinem Tode unter den Seinigen und erregte überall Bestürzung und Trauer. Eine Verwirrung entstand in ihren Reihen, welche der König, der alles überschaute, sofort bemerkte und zu seinem Voriheile auszunützen beschloß. Rasch sammelte er eine Reiterschar, an deren Spitze er sich nochmals dem Feinde entgegenwarf, an dem Punkte, wo er sein Banner fallen und wieder erheben gesehen. Jetzt begann das Blatt sich bald zu wenden. Der getödtete Feldherr war ebenso verständig und geschickt als tapfer gewesen, der Mangel an einer klugen, einheitlichen Führung machte sich bald bemerkbar, unter seinen Hauptlcuten herrschte Uneinigkeit und Rathlosigkeit. Schrecken hatte sich seiner Krieger bemächtigt, sie ließen den Muth sinken. Es bedurfte nur noch geringer Anstrengung seitens des jüdischen Heeres, um wieder die Oberhand zu gewinnen. Die Feinde zogen sich erst langsam, dann immer

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