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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 19)
Language
German
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1949 gefaßt werde. Die antisemitischen Blätter machten laute Reclame für dieses Werk, da jetzt alle die Schändlichkeiten der jüdischen Geheimlehre ans Tageslicht kommen würden. Das Werk erschien nicht und der Prof, de Pavly soll unterdeß verschwunden sein. Daß ich von dieser Vorgeschichte nichts wußte, freut mich, denn so konnte ich unbefangen urtheilen, und jetzt, nachdem die Entstehungsgeschichte des Buches, den Verdacht auskommen läßt, als wäre durch nicht gehaltene Abmachungen die ursprünglich geplante Gestalt des Werkes geändert worden, ein Verdacht, der durch die von mir bereits beanstandete Versicherung in der Vorrede, daß der Vers, kein unlauteres Motiv leite, bestärkt wird, ist es mir eine Genugthuung zu constatircn, daß ich an dem Urtheil nachträglich kein Jota zu ändern habe. Die Antisemiten scheinen hier die Dupirten zu sein, das Buch enthüllt nichts, weil eben nichts zu enthüllen ist; es entspricht der Wahrheit, kleidet nur seine Sätze bisweilen in ein ungeschicktes Deutsch. Wenn der Herr Graf v. K. dennoch etwas gefunden zu haben glaubt und mtt seinem Funde sich vor aller Welt blamirt, so ist das ein besonderes Mißgeschick für die Antisemiten, das an die Existenz dieses mtt so großem Lärm ihrerseits einstmals empfohlenen Werkes geknüpft zu sein scheint. Zeitnugsuachrichte« nud Gorrespouderrzerr. Deutschland. Breslau, 20 Dccember. Ein erfreuliches Resultat ergaben die am Montag in hiesiger Gemeinde vollzogenen Repräsentantenwahlen. Während die konservative Partei als solche aus bestimmten Gründen von einer allgemeinen Agitation Abstand nahm und lediglich ihre Unterstützung einigen, um das Gemeindewohl außerordentlich verdienten, dem bisherigen Cliquenwesen abholden Männern lieh, fand es die herrschende Partei für angezeigt, unter schweren unerwiesenen Verdächtigungen gegen die gesetzestreuen Gemeindemitglieder eine lebhafte Wahlbewegung zu insceniren, um ihren Kandidaten die Majorität zu sichern. Selten ist eine mit solchem Apparat, durch strengste Clubdisciplin geleitete Bewegung so kläglich verlaufen wie diese und ist der Beweis erbracht, daß unsere Gemeinde es satt ist, sich ihre Repräsentanz von einem Club, dessen Zusammenhang mit dem Judenthum nur dem Namen nach besteht, octroyiren zu lassen. Es ist zu erhoffen, daß die nunmehrige Repräsentanz diejenige Energie, gepaart mit der nöthtgen Klugheit, entfalten werde, um die Alleinherrschaft der bts jetzt dominirenden Partei in der jüdischen Gemeinde zu Breslau, die den Anschauungen Andersdenkender nur zum geringsten Thetle Rechnung getragen hat, zu brechen. Au unsere Gemeindemitglieder aber, denen die Erhaltung eines reinen Judenthums, die gediegene Erziehung ihrer Kinder in der heiligen Lehre, Herzenssache ist, ergeht hierdurch die dringende Mahnung, den Gemetndeangelegenhetten das Interesse entgegenzubringen, durch welches sie im Stande find einen Einfluß auf dieselben in ihrem Sinne auszuführen. Oester.-Ungar. Monarchie. Meran. Ein freundliches Gebäude, umgeben von einem zierlichen Garten, wurde vor Kurzem hier in feierlicher Weise eröffnet. Es ist dies ein von dem hiesigen israelitischen Wohlthätigkeits- Vereine gegründetes Kranken-Ashl, das mit geringen Mitteln in Angriff genommen wurde, aber durch durch die Opserfreudigkeit und Schaffenskraft von Menschenfreunden vollendet werden konnte. Bis jetzt können darin allerdings nur neun mittellose Kranke Aufnahme finden. Doch hofft man, daß fernere Unterstützungen die Erweiterung des humanen Werkes ermöglichen werden. Der Eröffnungsfeier wohnten alle Gemeinderäthe und Beamte Merans, an deren Spitze der Bezirkshauptmann Graf Wolkenftetn, sowie die Aerzte und viele andere Bewohner des Eurortes bet. Der Obmann des Vereins, Bankier Stransky, und der Secretär, Herr Vogel, begrüßten die Gäste in würdigen Ansprachen, welche die Ziele des mildthätigen Unternehmens darlegten. Za bedauern ist nur, daß der hiesige, wie andere Curorte, von so manchen Prosesstonsbettlern heimgesucht werden, die, wenn auch nur leicht krank, durch jammervolle Bettelbriefe die Barmherzigkeit der wohlthäügen Glaubensbrüder des In- und Auslandes anrufen. So wird von einem unserer Abonnenten aus Württemberg vor einem A. M. Propper aas Krakau gewarnt, der das Bettelgeschäfr von hier aus betreibt. Dermischtes. Vukovar. Vor wenigen Wochen erst wurde unser Oberrabbiner Dr. Julius Diamant vom Obergespan unseres Comitates Sr. Hochgeboren Erwin von Cs eh zum Mitgliede des Comitats-Schulrathes ernannt. Am 30. v. M. gab der Obergespan zu Ehren des erwähnten Ausschusses, sowie der Bezirksvorstände ein Diner, bei welchem unserem Oberrabbiner ein Platz an der Rechten des Obergespans angewiesen wurde. Am 1. d. M. fand im Prunksaale des Comitatshaufes die feierliche Enthüllung des Bildes Sr. Exceüenz unseres Banns Graf Kuen-Hedervary statt. Sowohl bei dieser imposanten Feier, als auch bei dem vom Obergespan am Nachmittage gegebenen Festdiner, zu welchem sämmtliche Mitglieder der Comitats-Congregation, sowie die Honoratioren des ganzen Comitates geladen waren, ist unserem Vertreter, dem Oberrabbiner, ein Ehrenplatz neben der hohen Geistlichkeit anderer Confessionen angewiesen worden.

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