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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 21

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 21)
Language
German
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1951 schneller zurück, ihr Rückzug wurde endlich zur wilden Flucht, auf der die meisten von ihnen von den Verfolgern erschlagen wurden. Einen glänzenden Steg hatten die Krieger Judas erfochten, das ganze feindliche Lager mit reichen Schätzen fiel 'in ihre Hände, auch mehrere Götzenbilder, die verbrannt wurden. Der König besichtigte die Wahlstatt, die so mancher seiner Tapferen mit seinem Blute gefärbt hatte, und fragte nach dem Jünglinge, dessen Heldenthat die günstige Entscheidung herbeigeführt hatte. Doch dieser konnte sich des Steges nickt mehr freuen, ein Pfeil hatte seine Brust getroffen, todeswund hatte mau ihn aus dem Getümmel der Schlacht getragen, nur wenige Stunden schienen ihm noch beschicken zu sein. Beutebeladen suchten die vertriebenen Bewohner ihre Heimath wieder auf, um das Zerstörte wieder aufzubauen, im Triumphzuge zog an der Spitze seines Heeres der König in die Hauptstadt ein. Mit Jubel wurde er empfangen, Frauen und Jungfrauen streuten Blumen auf seinen Weg, verkündeten laut den Ruhm seiner Kriegsthaten und sangen frohe Stegeslieder, die von den Klängen der Schalmeien und Pauken begleitet wurden. Reiche Dankopfer brachte er im Heiligthume dar und beschenkte die Priester und Leviten mit einem Theil der erbeuteten Schätze. Ueberall herrschte Freude und Jubel. Doch Freude und Leid, Frohlocken und Wehklagen, Glück und Unglück, wie sind sie einander oft so nah! Wenige Stunden nach dem glänzenden Einzuge der siegreichen Krieger brachte eine Anzahl Wagen zahlreiche mehr oder minder Verwundete. Groß war der Jammer, wenn Eltern den Sohn, die Gattin den Mann, der sie gesund und kräftig verlassen hatte, nun bleich und Hilfslos, verstümmelt oder dem Tode nahe wieder fanden. Auf einem großen, freien Platze hatte man den Bemitleidenswerihen Lagerstätten bereitet, um wo es noch möglich war, ihnen zu helfen. Wo es galt, ein gutes Werk zu thun, Gebeugte aufzurichten, Hungernde zu speisen. Nackte zu kleiden, da waren der Hohepriester Eleasar und sein Weib immer die ersten. Auch jetzt eilte das edle Paar sogleich herbei um hilfebereit einzugreifen, hier wo Hilfe dringend Noth that. In der vordersten Reihe lag der tapfere Jüngling, dem der günstige Ausgang des Kampfes zu danken war. Voll Bewunderung und Theilnahme betrachtete man ihn, doch Niemand schien ihn zu kennen, weder eine besorgte Mutter noch eine liebende Gattin beobachtete ängstlich seine Athemzüge, die nur schwach noch bemerkbar waren. Jetzt kam Leah auf ihn zu, doch was war das! Als er sie erblickte, stemmte er mit furchtbarer Anstrengung den linken Arm gegen sein Lager, erhob sich langsam mit dem Oberkörper und streckte ihr die Rechte entgegen. Ein schmerzvolles Lächeln lag aus seinem bleichen Angesichte, er wollte sprechen, da entquoll ein Blutström seinem Munde, er sank zurück, nur noch ein kurzes Röcheln, ein letztes krampfhaftes Zucken, und er hatte ausgerungen. Mit lautem Aufschrei brach Leah zusammen, als sie dies alles sah, ohnmächtig brachte man sie in ihr Haus. Der Jüngling, besten letzten Seufzer sie gehört hatte, war Simeon, derselbe, den sie einst so heiß geliebt hatte, den sie vor Jahren zum letztenmale gesehen hatte im Prangen der Jugendkraft, und den sie nun so wieder finden mußte. Seitdem er das Haus ihres Vaters verlassen hatte, war er ruhelos umhergeirrt, an keinem Orte litt es ihn lange, immer wieder trieb es ihn fort. Ueberall trat Leahs Bits ihm vor die Augen, der Gedanke an sie ließ ihn nicht ruhen. Eine Last war ihm sein Leben, sich von ihr zu befreien folgte er dem Rufe des Königs von Juda und da wurde ihnr Erlösung von seinem qualvollen Dasein, nachdem er eine so ruhmwürdige That vollbracht hatte und es ihm noch einmal gegönnt war Leah zu sehen. Diese lag schwer krank darnieder, das grauenvolle Ereigniß, das sie mit angesehen, hatte sie tief erschüttert, ein heftiges Fieber begann ihre Kräfte langsam zu verzehren. Die vollen, rothen Wangen waren nun blaß und eingefallen, die glänzenden Augen schimmerten nur noch matt und eines Morgens, da segnete sie ihre beiden Knaben, reichte j dem schluchzenden Gatten die Hand und entschlummerte sanft zum besseren Leben. Grenzenlos war der Schmerz Eleasars. Er, der makellos reine Mann, der niemals Jemanden beleidigt oder gekränkt hatte, war die, wenn auch vollkommen schuldlose Ursache des Todes zweier Menschen, seines heißgeliebten Weibes nnd eines wackeren Jünglings. Das genügte, seiner edlen Seele die schwersten Qualen zu bereiten. Doch so groß auch seine Betrübniß war, so fürchterlich er auch litt, mit männlicher Kraft mußte er sich beherrschen. Er der Hohepriester durfte sich nicht dem wilden Ausbruche des Schmerzes überlassen, ruhig und gefaßt mußte er sich zeigen und den Tod der Theueren für das nehmen, was er war, eine Fügung Gottes, die er demüthig über sich ergehen lassen mußte. Große Klage herrschte in der Zionsstadt. Jung und Alt hatte die Verblichene geliebt, so Manchem war sie tröstend und helfend zur Seite gestanden, und eine große Menschenmenge gab ihr das Geleite zur letzten Ruhestätte. - (Fortsetzung folgt.)

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