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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 11)
Language
German
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1941 Landsberger, Nachfolger seines Vaters (Nr. 8.), (1886). 11. B. Bomber (1871). Gegenwärtig fungiren außer dem Redner Herr Rabbiner Dr. I- Hildesheimer (1869). Letzterer zählte auch s. Z. zu den Hörern des Beth- Hamidrasch, von denen noch Dr. Lehmann ^"s-Matnz, Dr. Holländer ^"--Trier. Dr. Carleb ach '"^Lübeck, Geheimrath Dr. Ktrstein, Dr. Apolant u. A. hervorgehoben wurden. Redner gedenkt hierauf einer Veröffentlichung des D F. Leb recht („Nationalzeitung" 1852), der das ^eth-Hamidrasch den eigentlichen Boden, ja den lebhaftesten Ausdruck des Judenthums nennt: „Das B.-H. barg seit Jahrtausenden den unerschöpflichen Geist, die unvergleichlichen Aufopferungen, Tugenden, Wissenschaften und Gesetzgebungen des Judenthums, ja die Geschichte der Judenheit selbst ist in den Mauern des Beth- Hamidrasch mit Flammenzügen und Blutschrift eingegraben." Vierzig Jahre seien seit dem Erscheinen dieses schönen Aufsatzes erfloffen, Jahre kräftigen Fortschritts, emsigster Arbeit. Die Verwaltung ist unablässig bemüht, die Lehrmittel zu erweitern, die Bibliothek ist von 1000 auf 1800 Bände gestiegen. Der Eifer ist nicht erlahmt, die Vorsteher arbeiten mit Hintansetzung ihres Berufes an der Fortentwickelung des von den Ahnen Begonnenen. — Abermaliger Chorgesang unter Leitung des Herrn Mustkoirektors William Wolfs, meisterhaft ausgeführt, beendete den religiösen Theil der Feier. An dieselbe schloß sich das Festmahl, dessen glänzender Verlauf den Arrangements des Festcomitee's, vor Allem seines Vorsitzenden, Herrn Julius Bodenstein, alle Ehre malte. Die künstlerich vollendete Tischkarte, welche ein Bild des Beth-Hamidrasch- Beetsaales gab, verrieth die Meisterhand des Herrn Bodenstein. Den Reigen der Trinkfprüche eröffnete der Vorsitzende des Vorstandes, Herr Max R o s e nb erg mit einem schwungvollen Toaste auf den Landesherrn, in welchen die Versammelten begeistert einstimmten. Herr Prof. Barth feierte unter Zugrundelegung von Pirke Aboth 1,10 die Rabbiner des Beth-Hamidrasch. Der Gegensatz zwischen arbeitendem Volke und Gelehrtenkaste stand dem Judenthum fern. Die Tendenz in jener schönen, alten Zeit war, den Meister der Lehre mitten im praktische Berufe wirken zu sehen; das Studium der Torah sollte keiner Berufsrichtung überantwortet werden. In unserer Zeit ist diese Verbindung immer seltener geworden. Jedoch das Beth-Hamidrasch mahnt uns an die Verpflichtung, daß wir selbst an die Gedankenarbeit gehen müssen. Herr Alexander Breslauer widmete seinen Trinkspruch dem anwesenden Vorsitzenden des Vorstandes der jüdischen Gemeinde, Herrn Justizrath S. Meyer,! und den Repräsentanten und feierte den Frieden, I der gegenwärtig innerhalb der Parteien herrscht und zu gemeinsamem Schaffen verbindet. Herr Justizrath Meyer gab gleichfalls dem Wunsche Ausdruck, daß alle religiösen Richtungen innerhalb der Gemeinde sich friedlich neben einander entwickeln mögen. Er betrachte es als seine Lebensaufgabe, diesen Friedensbau innerhalb der Gemeinde Berlin zu vollenden, und sei erfreut, daß das altehrwürdige Beth-Hamidrasch diesen Pfad gleichfalls betreten. Wie der Grund und Boden, auf welchem das Beth- Hamidrasch errichtet ist, der Gemeinde gehöre, so solle stets das Fundament der Gotteswissenfchaft im Volke ruhen. Darum sei das B.- H. keine veraltete Institution, die zu den Ruinen geworfen werden müßte, sondern bestehe in unveränderter Lebensfrische, weil es seine Wurzel im Volke, in der Gemeinde habe. Herr Dr. Hirsch Hildesheimer begann mit der Frage: Ist die traurige Gegenwart geeignet zu rauschenden Jubiläen? Müßte auch vor den mancherlei trüben Erscheinungen der traurig-ernsten Gegenwart die rauschende Festfreude verstummen, die hohe Bedeutung des heutigen Jubeltages gestatte, ja gebiete diese Festfreude. Was ist die Grundmelodte in dem widerlichen Concert der Judenfeinde? — Die Lüge! Der verunglimpfte Talmud ist das „bevorzugte" Angriffsobject, und eben deshalb sei es gerade heute an der Zeit, uns zusammenzuschlteßen, um das vielgeschmähte Palladium, das unsere Ahnen gestählt gegen alle Stürme der Zeiten, sie sittlich rein erhalten innerhalb einer verrohten, verwilderten Umgebung. Daß sich heute eine illustre Gesellschaft, welche die Intelligenz der jüdischen Gemeinde Berlin's in sich birgt, zusammengefunden habe, um einem Institut ihre Huldigungen darzubringen, welches der Pflege des Talmudstudiums gewidmet ist. sei ein herzerhebender Protest gegen die Verunglimpfungen, welche heute frecher denn je an unsere religiösen Heiligthümer sich heranwagen. Eine Gesellschaft, die seit 150 Jahren dem Studium des Talmuds Leistungen ohne Zahl widmet, bietet sie nicht einen Beleg für die Idealität des Judenthums, das seine theuersten Lebensgüter, seine höchsten Lebensfreuden in dem heiligen Streben und Ringen nach wissenschaftlicher Wahrheit findet? Darum Segen dem Andenken der Männer, welche diese Stätte errichtet. Dank und Ruhm den Männern, welche ste getteu dem Vermächtniß der Begründer erhalten! Hieraus erhob sich Herr Docent Dr. M ü l l e r, um Namens der Talmudlehrer an den hiesigen Hochschulen das Mutter-Institut zu feiern. Seminar und Hochschule wandeln ihre getrennten Pfade das Beth-Hamidrasch bilde für Alle den erwünschten Einigungspunkt. Alle aber schöpfen ihre Kraft aus dem Herzen des Judenthums, denn das Wohlthun er-

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