Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 102-103 (28.12.1893)
- Date
- 1893-12-28
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1942 WM möglichte die Begründung mb bie Haltung der Institute. Herr Wilhelm Goldschmidt brachte alS Vorsitzender des Talmud-Vereines in schwungvollen Worten der älteren Schwester-Vereinigung Glückwünsche und Huldigung dar. Herr W. Bamb u S gab der freudigen Antheilnahme des „Vereins für jüdische Geschichte und Litteratur" Ausdruck, welcher seine vornehmste Aufgabe darin erblicke, Interesse für die jüdische Wissenschaft zu wecken und hierdurch auch Instituten wie das Beth-Hamidrasch Jünger zu erziehen. Herr stuck. Weil, Hörer des Rabbiner-Seminars, sprach Namens der Schüler des Beth-Hamidrasch der Verwaltung und den Lehrern Dank aus und schloß mit einer Huldigung für die Herren Rabbiner Dr. Hildesheimer und Biberfeld. Nachdem Herr D. Struck dem wohlverdienten Dank für das Fest-Comitee, namentlich für seinen unermüdlichen Vorsitzenden, Herrn I. Boden st ein Ausdruck gegeben, wurde von dem Cantor der Beth-Hamidrasch-Synagoge, Herrn Katz, Schir Hamaalaus und dann von Herrn Cantor Marksohn das Tischgebet gesprochen. In später Stunde trennte man sich, alle erfüllt von dem herzerhebenden Bewußtsein, Zeugen eines Festes gewesen zu sein, wie es herrlicher nicht gedacht, wie es würdiger nicht gestaltet werden kann, und allesammt durchdrungen von dem sehnsüchtigen Wunsche, daß das altehrwürdige Institut, dem alle diese Huldigungen galten, in stets sich verjüngender Kraft, wie bisher, blühen und gedeihen möge! Oester.-Ungar. Monarchie. Prag, 22. Dezember. In Nepomuk sind in der letzten Zeit wiederholt antisemitische Kundgebungen vorgekommen. Dieselben haben sich derart gesteigert, daß zwei dortigen Kaufleuten bei Nacht in die Fenster geschossen wurde. Bisher gelang es nicht, die Thäter zu ermitteln. Die Bezirkshauptmannschaft hat in Folge dessen an den Stadtrath die Aufforderung ergehen lassen, besser für die Sicherheits-Polizei in der Stadt Sorge zu tragen. Die politische Behörde hat die Hausbesitzer aufgefordert, abwechselnd die Nachtwache zu versehen. England. London, 22. Dez. Zu unserer Freude berichtet der AI Alogchred al Aska von Tanger in seiner Ausgabe vom 9. d. M. auf Grund sicherer Quellen, daß die Deputation der Juden, welche von der Stadt Marokko kam, um beim Sultan über die barbarische Ungerechtigkeit seiner Beamten in dieser Stadt Klage zu führen, eine Audienz bei seiner Majestät hatte, in welcher sie auf's Gnädigste ausgenommen wurden. Er hörte mit großer Theilnahme ihre Beschwerden an und versprach, sofort die nöthigen Schritte zu thun, um Einhalt zu gebieten. Die Deputation hat bezüglich der Juden in der Stadt Marokko Scherksianische Briefe an Kaid Widah und seinen Genossen erhalten M a r o c c o. J.W. Mogador, 28.Nov. Der Scheikh der Juden-, schaft in Mogador starb letzte Woche. Er war ein Mann, der seine Pflichten mit bemerkenswerter Geschicklichkeit erfüllte und allenthalben sehr geachtet war. Sein Verlust wird sehr beklagt. Der Nachfolger ist Herr Salomon Tibony, ein Mitglied des Mellah, der verspricht ein würdiger Nachfolger des verstorbenen Scheikh zu werden. Zum Posten des Scheikh in diesem Lande gehört etn liebenswürdiges Wesen, großer Takt und Klugheit. Bei säst jedem Streit im Judenviertel hat der Scheikh zu interveniren und kommt hierdurch fast täglich mir den Lokalbehördeu in Berührung. Damit nun die meisten Fälle zu einem befriedigenden Abschluß gebracht werden, so ist wie leicht einzusehen, etn Mann von nicht geringen Fähigkeiten zum Ausfällen dieses Postens erforderlich. Die persönlichen Eigenschaften und der Stand des Scheikh sowie der Einfluß, den er ausübt, können das Ansehen der marokkanischen Judenschaften entweder heben oder erniedrigen. Unsere Brüder in der Stadt Marokko schreien wieder laut auf unter erneuter Unterdrückung. Die Prügelstrafe, so schrecklich wie sie von dem jetzigen Kaid Widah wieder eingeführt ist, wird als etwas Selbstverständliches betrachtet. Fast täglich hört man von neuen Fällen. Doch jetzt klagen die Juden von Marokko über eine andere Form der Unterdrückung, welche dem einzelnen Opfer wohl keine körperlichen Schmerzen bereitet, jedoch nicht weniger peinigend für den Geist einer ganzen Gemeinde ist. Diese neue Unterdrückung strebt darnach, geradezu die Religion zu treffen. Erst kürzlich hat sie begonnen, und ist es ernstlich zu wünschen, daß dem Anfänge bald das Ende folgen möge. Es würde zuviel Raum erfordern, wollte ich ausführlich schildern, was Alles vorgekommen ist. Genug mit Folgendem: Wenn ein Jude seine Religion mit dem Islam vertauscht — entweder (was sehr selten der Fall ist) aus persönlicher Neigung, oder (was beinahe unterschiedslos so ist) um den Klauen des Kaid Widah zu entgehen, so wird seine Frau gezwungen ihre Religion ebenfalls zu verlassen, ob sie will oder nicht. Hier ein Beispiel: Ein Jude trat vor einigen Wochen zum Islam über. Aus einmal forderte der Kaid, seine Frau solle dasselbe thun. Das wackere Weib jedoch weigerte sich dieses zu thun und rief aus, sie sei Jüdin und Jüdin wolle sie bleiben. Ungeachtet ihrer Betheuerungen und Bitten, welche jeden zu Thränen