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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1936 hierher strengstens verboten, da man befürchtet, es könnte dadurch zu Unannehmlichkeiten mit der spanischen Regierung kommen. ■> Vermischtes. Wilhelm Marr, einstmals trotz seiner jüdischen Abstammung eine antisemitische Autorität ersten Ranges, wird von den Antisemitenführern verleugnet, seitdem er sie als „Erzschelmenbande" charakterisirt hat. In der Hamburger antisemitischen „Abwehr" vom 17. Dezember finden wir einen Beitrag von dem „Judensprößling" Marr. Die — Biedermänner scheinen sich also wieder vertragen zu haben. Berlin, 19. Dezember. In der Strafsache wider Glöß und Genossen wegen Beleidigung des Reichskanzlers Grafen Caprivi ist ein neuer Termin jetzt auf den 5. Januar n. I. festgesetzt worden. Da gegen die Angeklagten (außer dem Buchhändler Glöß in Leipzig noch Buchhändler G. A. Dewald in Berlin, Struppe und Winkler in Charlottenburg) noch eine zweite Anklage wegen Herstellung und Verbreitung der antisemitischen Bilderbogen „Bismarck in Berlin" und „Juden in Deutschland" erhoben ist, in denen die Anklagebehörde gleichfalls eine Beleidigung des Reichskanzlers erblickt, hat der Gerichtshof eine Zusammenziehung der beiden Sachen vorgenommen. Die zweite Anklage richtet sich insgesammt gegen zwölf Personen, außer den bereits Genannten sind angeklagt die Buchhänder: Schützler, Toerlitz, Doerge, Hartmann (Berlin), Sesselmann (Breslau), RÜhe (Friedenau), Beyer (Leipzig) und Reinhard (Dresden). Unter den von der Verteidigung beantr gten Zeugen befindet sich auch Fürst Bismarck. Das Verbot der Beförderung russischer Auswanderer über Hamburg wurde durch Senatsbeschluß fstr diejenigen Auswanderer aufgehoben, welche bie Untersuchung und Desinfektion in der Auswandererstation Ruhleben bei Berlin durchgemacht haben und vollbezahlte Fahrscheine der Paketfahrt-Gesellschast besitzen. Hamburg» 20. Dezember. 38 mittellose jüdische Auswanderer trafen am Dienstag Abend mit Dampfer „Capella", von New-Aork kommend, über London hier ein und wurden von dem jüdischen Hilfskomitö in einem Logirhause untergebracht. Rauten, 19. Dezember. In Sachen des hiesigen KnabenmordeS wurden gestern, wie der „Xantn. Bote" meldet, abermals einige Zeugen von Amtsrichter Weiling Hierselbst vernommen. AuS Sachsen, 19. Dezember. (Die Sperre der jüdischen Geschäfte.) Eine Entscheidung des Stadtraths in Zittau spricht sich dahin aus, daß eine von antisemitischer Seite erfolgte Aufforderung, zu Weihnachten nur in christlichen Geschäften zu kaufen, unzulässig sei. Nach Beschluß des StadtrathS sollen derartige die jüdischen Geschäfte sperrende Anzeigen im Amstblatt des Stadtraths künftig keine Aufnahme finden. Dresden, 23. December. Ein eifriges Mitglied des deutschsozialen (antisemitischen) Vereins, Leiutnant a. D. Winter in Görlitz, ist unter dem Verdacht ein Sittlichkeilsverbrechen begangen zu haben, verhaftet worden. Belastend für ihn sind, wie der „Neue Görl. Anz." hört, die Aussagen mehrerer Schulmädchen, auf deren Anzeige hin die Kriminalpolizei vorgegangen ist. AuS Oldenburg wird uns geschrieben: In der heutigen Sitzung des Schöffengerichts wurde der Führer der hiesigen Antisemiten, der Lehrer a. D. AlberS, wegen Beleidigung des jüdischen Kaufmanns Hermann Wallheimer zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt. Der Berurtheilte hatte im September d. I. an dessen Schaufenster ein kleines Plakat geklebt, worauf gedruckt stand: „Kauft nicht bei Juden!" Wien. Der berichtigte Paulus Meyer, der erst wegen Ehrenbeleidigung zu vier Monaten Arrest und bald nachher wegen einer Reihe von Delicten zu acht Monaten Kerker verurtheilt wurde, hat vor einiger Zeit ein Gnadengesuch eingebracht, das bereits zurückgewiesen worden ist. Im kommenden Monat, wenn seine Arreststrafe abgelaufen sein wird, wird er zur Verbüßung seiner Kerkerstrafe in eine auswärtige Strafanstalt gebracht, dann erfolgt seine Auslieferung nach Leipzig, von wo aus er, wie bekannt, gleichfalls verfolgt wird. Prag, 20. Dec. In Kolin findet Excesse gegen die Juden statt. Dieselben entstehen auf das absurde Gerücht von einem an der Dienstmagd Havlin begangenen Ritualmord. Prag, 20 Dezember. In Kolin dauern trotz des militärischen Aufgebots die Beschimpfungen der jüdischen Ein^ wohner fort. Für die Familien der verhafteten Excedenten werden von den antisemitischen Agitatoren Geldsammlungen eingeleitet. Saborgard. Der hiesige ^p-Verein hielt am 2. Tage Chanucka seine erste Jahresversammlung ab. Der Sitzung folgte ein mit einem OVO auf nmro verbundenes Festmahl. Die Hauptwürze bildeten geistreiche min H31 unseres ehrw. Herrn Oberrabbiners Auch die Rede des wackeren Vereinsvorstandes Herrn Wilhelm Löwy *"i war wohlgelungen. Er sprach begeisternd über Sinn und Zweck des Thorastudiums. Feuilleton. Am Mahne des Glücks. Erzählung aus der Gegenwart. I. Der Festzug. Die ganze große Stadt befand sich in Aufregung. Immer neue und neueSchaaren von Menschen warfen die langen Häuserreihen aus und wie eine endlose schwarze Schlange wälzte sich der Zug durch die Straßen fort. Der große Strom schien nur eine Richtung zu haben und doch dieses tolle Durcheinander, dieses Hin- und Herdrängen» dieses Schreien und Toben, als ob irgend etwas Aufregendes geschehen wäre, das die Menschen, die sich da umherstietzen, in solche Erregung versetzte. Nein, es war noch nichts geschehen. Spannung und Erwartung war es allein, was die Massen bewegte. Ein Festzug sollte zu Ehren des Tags stattfinden, wie ihn die große Kunststadt noch nicht gesehen. Nicht allein, daß die geschmackvollsten Gruppen auf hohen Prunkwagen von Künstleraugen zusammengestellt waren, nicht allein, daß jeder Einzelne der Mitwirkenden sein Möglichstes gethan, um sich besonders schön und prunkvoll herauszustafsiren, wie dies auch früher bei allen Künstlerzügen der Fall gewesen, nein, heute war es noch eine ganz besondere Ueberraschung, die der schaulustigen Menge bevorstand. Wirkliche, lebendige Elephanten, geschmückt und abgertchtet zu ihrer Ausgabe, sollten diesmal dem

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