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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 7)
Language
German
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193? Festzuge zu ganz besonderem Glanze verhelfen. Hagenbek, der sich mit einer Truppe dieser Tbiere gerade in der Stadt befand, hatte gern die Mitwirkung seiner Zöglinge zugestanden. Handelte es sich doch diesmal um die Verherrlichung eines vaterländischen Festtages und Niemand wollte zmückbleiben, wenn es galt, den geliebten Landessürsten zu ehren. Es war noch früh am Tage, noch wann die einzelnen Theile des Festzuges nicht geordnet und aufgestellt. Besonders nach der Thercsienwiese hin drängte die Menschenmenge, dort konnte man zuerst die Wunder anstaunen, die dem Auge dargeboten werden sollten. Die Schwanthalcrstraße, die in der Nähe der Festwiese liegt, war so angefüllt mit Menschen, daß man nur ganz langsam, Schritt für Schritt vorwärts gelangen konnte. Aus dem Fenster des ersten Stockwerkes eines hübschen, neu erbauten Hauses sab ein fein gekleideter Herr mit lächelnder Miene auf die dort unten wogende Masse hernieder. „Sonderbar, Max!" rief er in das Zimmer zurück, „sieht es doch fast aus, als ob das ein Trauerzug wäre, was sich da so langsam durch die Straßen fortschleppt." Max hatte diese Worte offenbar überhört. Er stand vor einem großen Ankleidespiegel in dem hübsch ausgestatteten Maler-Atelier und war bemüht die letzten Kleinigkeiten feines altdeutschen Costüms in Ordnung zu bringen. Als er keine Antwort erhielt, wendete sich der Herr, der vorher am Fenster gestanden, in das Zimmer zurück und wollte seine ebengemachte Bemerkung wiederholen. Aber, wie geblendet haftete sein Auge an der herrlichen Gestalt seines Freundes, die durch das geschmackvolle Cosiüm weit mehr hervorgehoben wurde, als dies in der schmucklosen Alltagstracht der Fall war. Lange blickte er ihn an und fuhr sich mit der rechten Hand durch den wohlgepflegten hellbraunen Vollbart. „Mein Gott!" rief er endlich, „wie schön bist Du, Max!" Es war in der That ein Meisterwerk der Schöpfung, das da sich lächelnd vor dem Spiegel beschaute. Eine hohe, edle Gestalt, durchaus ebenmäßig und harmonisch in allen ihren Theilen. Die eng anliegende Tracht ließ die weichen Linien dieser Formen augenfällig hervortreten. Und doch hatte man das Bewußtsein, daß gewaltige, männliche Kraft in diesen schwellenden Muskeln schlummerte. Nur das Antlitz des jungen Mannes schien nicht zu harmoniren mit dieser bunten auffälligen Kleidung. Eine prächtige Lockenfülle umrahmte das edel geschnittene Haupt und unter einer vielleicht etwas zu hohen Stirne blickten zwei große schwarze Augen melancholisch träumend in die Welt hinaus. Sehr ernst, weit über feine Jahre hinaus, war der Ausdruck dieses Gesichtes und man sah wohl diesem weichen Munde an, daß er auch kühne und entschloffene Worte reden konnte. „Bin ich nicht ein rechter Thor, Adolph?" fragte er nun den Herrn, der mittlerweile ganz in das Zimmer getreten und auf einem Sessel Platz genommen hatte. „Ich finde in der That kein Vergnügen an diesen Harlekingspoffen. Man kann seinen Fürsten lieben und ehren, auch ohne sich mit solch bunten Federn zu schmücken." Der Angeredete, Professor Adolph Südländer blickte auf. Seine Stirne verdüsterte sich ein wenig. „Ich liebe es nicht", Max, entgegnete er, „wenn man über Dinge noch weiter grübelt, die man einmal zu thun sich entschlossen hat. Als Du mich fragtest, ob Du den ehrenvollen Antrag, bet diesem patriotischen Feste mitzuwirken, annehmen solltest, so rieth ich Dir hierzu." „Was würden meine Eltern in Rußland dazu sagen, wenn sie mich in diesem Aufzuge sähen. A propos, Adolph, Haft Du denn schon das Allerneueste gehört. Ich bin nicht ich!" Der junge Mann lachte aus vollem Halse, wahrend der Professor erstaunt zu ihm emporsah. „Du weißt doch, daß ich mich zum Examen gemeldet habe. Ich schrieb also nach Hause, damit man mir die hiezu nöthigen Papiere schicken sollte. Aus denselben ersehe ich nun zu meinem größten Staunen, daß ich nicht, wie ich bisher meinte, Möir Jove heiße, sondern M«?r Landau!" „Wie ist das möglich?" fragte mit lachendem Erstaunen der Professor. „In Rußland ist Alles möglich", erwiederte der Andere ebenfalls lachend, „mein Vater nennt sich Jove, aber der Behörde hat es beliebt, ihn Landau einzuschreiben. Das mag die Laune irgend eines Beamten gewesen sein, vielleicht ein Jrrthum oder Zufall, kurzum, ich heiße nun so und muß mich in Zukunft so nennen." „Das ist in der That sonderbar. In Deutschland ist man stolz auf seinen angestammten Namen! Nun, mir ist es einerlei, wie Du heißt, wenn Du nur immer derselbe bleibst, der Du bist. Hast Du Deine Namensänderung schon auf der Academie angemeldet?" „Und auf der Polizei! Herr Jove existirt nicht mehr, seit gestern bin ich für meine Mitwelt der Maler Landau, der es hoffentlich auch noch zu et» was Großem bringen wird."

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