Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 102-103 (28.12.1893)
- Date
- 1893-12-28
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448411--37700-2485776- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
1985 und Zeugengebühren, die jWE auf mehrere hundert Rubel belaufen. Daß die Strafe so ganz verdientermaßen ausgefallen ist, kann man wohl einem neultchen Ereignisse in Krosche, Gouvernement Kowno, zuschreiben. In diesem Städtchen befindet sich ein römisch-katholisches Kloster, und dieses sollte auf höhere Anordnung hin in eine griechisch-katholische Kirche umgewandelt werden. Die dortige Bevölkerung, die zum größten Theile der römisch-katholischen Kirche angehört, widersetzte sich aber der Ausführung dieses Ukases, indem sie zu Hunderten das Kloster Tag und Nacht besetzt hielten. Die konzentrirte Polizeimacht des ganzen Kreises vermochte gegen eine solche Menge nichts auszurichten. Es mußte daher der Gouverneur von Kowno, der selbst herbeigeeilt war, Kosaken requiriren, denen es erst unter recht ausgiebigem Gebrauch ihrer Knuten gelang, die Leute auseinander zu treiben. Die Szameiten, wie die littauischsprechende russische Grenzbevölkerung genannt wird, haben es nun mit der russischen Regierung gänzlich verdorben. Der Gouverneur von Kowno ermahnte sie, sich an ihren jüdischen Mitbürgern ein Beispiel zu nehmen, wie man sich den Ukasen zu fügen hat. Offenburg. Letzten Samstag fand Hier im Saale „Zur alten Pfalz" eine Versammlung statt, in der der Vorsitzende des „Vereins zur Förderung des Handwerks und der technischen Berussarten unter den Israeliten des Großherzogthums Baden (Abtheilung Freiburg)", Professor Dr. Rosin in Freiburg einen Vortrag über die Entstehung und die Ziele des Vereins hielt. Mit nur wenigen Mitgliedern der Synagogengemeinde Freiburg ist der Verein im Jahre 1886 ins Leben getreten und zählt jetzt 340 zahlende Mitglieder. In klarer, übersichtlicher Weise legte er dar, von welcher Wichtigkeit und von wie großem Nutzen es ist, wenn wir Juden uns nach anderen Erwerbszweigen umsehen und wenn wir von dem Handel, der uns in früheren Jahrhunderten aufgezwungen war, um unser Brod zu verdienen, ablassen. Wenn wir das thun, wird wenigstens einem angeblichen Hauptgrund der antisemitischen Agitation, die immer und immer wieder betont, der Jude wolle und könne nicht durch seiner Hände Arbeit sich ernähren, der Boden entzogen werden. Zeigen wir, daß wir das können, indem wir recht zahlreich uns dem Verein, der nicht blos ein Unterstützungsverein ist, sondern der wesentlich soziale Aufgaben verfolgt, anschließen, damit er die Mittel zu seinem edlen Zwecke besitzt! Frankreich. Paris, 4. December. Die Neuwahlen für das Central Comite der „Alliance Israelin Universelle" sind nunmehr beendet. Die folgenden Herren sind in das Central-Comitö neugewählt: Felix Alcan, Verlagsbuchhändler, Grand-Rabbin I. G. Dreh fuß, Jacques Machiels, Rentier, I. Wolfs, Generaltnspector der Brücken und Straßen, sämmtlich in Parts. Ferner Dr. Heinrich Meyer Cohn in Berlin, Daniels Polak in Amsterdam, Salomo Fernande; in Konstantinopel, Charles Hallgarten in Frankfurt a. M., Doctor Jastrow in Philadelpha, Dr. I. Löw in Szegedin, Doctor I. S. Moses in Chicago, F. Philippfohn in Brüssel Rabbiner Dr. S. Rosenthal in Breslau, Dr. Simonsen in Kopenhagen, E. de Sola in Curayao, A. S. Salomon in New-Jork, O. A. Strauß in New- Aork. — Im Ganzen sind 17 Herren neu- und 18 wiedergewählt. Das Gesammte Central Comits besteht aus 63 Mitgliedern. Rußland. Riga, 14. Dezember. Wie die „Nov. Wr." erfährt, bezieht sich der Vergünstigungs-Tarif für jüdische Auswanderer, der unter der Mitwirkung der jüdischen Colonisations-Gesellschaft zu Stande gekommen ist, auf die Fahrt von allen russischen Eisenbahn-Stationen bis zu folgenden Grenzpunkten; St. Petersburg, Reval, Riga, Libau, Wershbolowo, Grajewo, Mlawa, Alexandrowo, Ssossnowice, Graniza, Radziwilow. Wolokschisk, Nowoffelizy, Ungenyi, Reni, Odessa, Nikolajew, Ssewastopol, Mariupol, Taganrog, Rostow, Noworossijik, Poti und Batum. Wer den Vergünstigungstarif genießen will, muß dem Chef der Anfangs-Station ein besonderes Zeugmß vorstellen; das Gepäck der Auswanderer kann mit dem Auswandererzuge und auch besonders befördert werden, wobei jedoch im letzteren Falle gleichfalls ein Zeugniß vorzustellen ist. Auch für den Transport des Gepäcks treten die Vergünstigungen ein. Die Waggons, in denen die Auswanderer befördert werden, sind nach Art der Militärwaggons eingerichtet. Für die Rückfahrt von den genannten Grenzpunkten gelten die Vergünstigungen nicht. Afrika. Algier, 18. Dezember. Auch hier wurde die Einwanderung der Juden verboten. Dieses Verbot richtet sich jedoch nicht gegen die russischen Juden, die nur selten hier zu landen pflegen und die dann auch weiterfahren, um theils nach Marseille, theils nach Barcelona zu gehen, um sich dort nach Argentinien einzuschiffen. Dagegen trifft dieses Verbot sehr hart die Juden in der spanisch-marokkanischen Colonie Malilla, die von dort auswandern müssen und von denen viele hierherkommen, um sich hier anzustedeln. Diesen Juden wurde die Einwanderung