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Der Israelit · 1893-12-28 · Heft 102-103 (28.12.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 102-103 (28.12.1893)
Date
1893-12-28
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1933 Nicht-Trinken d. i. Fasten, das bewährte Mittel ist. um die verlorene Richtung zu Gott wieder aufzufinden. Ist es das Haschen und Jagen nach Lebensgenüssen, welches uns von Gott ablenkt, so ist das Einstellen des Lebensgenusses, wie es der Fasttag vorschreibt, das Mittel den Gedanken an Gott wieder zu beleben. Der Fasttag stellt unsere nächsten, persönlichen Bedürfnisse und Anliegen in den Hintergrund und macht dadurch Geist und Herz frei für das höchste Gut des Lebens, für Gott und unsere Beziehungen zu ihm, um auch über die kurze Dauer des Fasttags hinaus unserem ganzen Denken und Beten diese Richtung aufzuprägen. So lehren es uns die großen Vorbilder unseres Lebens, aus deren Beispiel wir auf Gott blicken und auf Ihn hoffen und vertrauen lernen. Sie stellten Gottes Sache überall in den Vordergrund und ihre eigenen Anliegen ließen sie erst in zweiter und dritter Reihe folgen. Wir dagegen haben das enge Herz von unseren eigenen Sächelchen so voll, daß für Gottes Sache uns kein Raum und oft nicht einmal ein Wort, ein Wunsch übrig bleibt. Das ist nicht der Adel der Gesinnung, der aus den Psalmen und Gebeten, der aus allen Aeußerungen unserer großen Gottesmänner zu uns spricht. — Wenn die Koraiden der Sehnsucht Israels nach seinem Gott inmitten der Verbannung Ausdruck geben, dann legen sie es ihm als Selbstanklage in den Mund, wenn neben dieser Sehnsucht, auch die Noth des Lebens ihre Rechte geltend macht, wenn die Sorge ums Brod ihnen die Thräne erpreßt in Zeiten, welche uns höhnend unseren Gott absprechen möchten, □vn bi »tw lofo r6^i oor ar6 ’nj/D"i nrrn ."pp*N N'X „Mir galt meine Thräne, dem Brod, Tag und Nacht, als die ganze Zeit zu mir sprach: Wo ist denn dein Gott?" (Psalm 42, V. 4.) — Während wir in der Sorge um das Brod einen Dispens und Freibrief für alle höheren Anforderungen erblicke«, rechnet sich diese Thräne, die dem eigenen Interesse, die dem Brod geweint wird, als Sünde an, so lang es noch eine Zeit gibt, welche die Frage, wo ist denn dein Gott, im Munde führt! Diese Hintansetzung der materiellen, irdischen persönlichen Interessen und die hingebende Pflege der höheren, geistigen, göttlichen Anliegen, die das ganze jüdische Pfitchtenleben charakterisirt, ist eine Frucht des Lebensregimes, welches unsere Fasttage praktisch lehren. Diese Verklärung und Vergeistigung deS ganz gewöhnlichen, werktägigen Lebens vom ersten Athemzuge bis zum letzten findet in den Fasttagen ihren verkörperten Ausdruck. Wie bei ihnen die Ansprüche des Körpers zurücktreten, um den Idealen unseres Lebens unverkürzten Raum zu gewähren, so macht sich dieselbe ideale Anschauung im jüdischen Pflichtleben überall geltend. Von ihr durchdrungen lautet der erste Wunsch, den die Freude eines neugeborenen Kindes den Eltern entgegenbringen, daß sie daffelbe für die Thora erziehen mögen und dann erst kommt der Gedanke an die einstige Hausesgründung und an die anderen wackeren, guten Thaten des menschlichen Lebens zu seinem Recht. Vor allem min* und erst in zweiter und dritter Reihe: d’öio o'wj/ö*! noin^. Während alle Welt ihre Kinder für das praktische L^ben und seine Bedürfnisse erzieht und ausbildet, ist das erste Wort, welches dem lallenden Kinde, aus dem Geistesschatz seines Volkes eingeprägt wird: ipv' r6np n*niD nro uV rm min, „die Thora, zu der uns Moscheh verpflichtet, ist das zu vererbende Gut der Gemeinde Jakobs." Das Volk, dem man den Schachersinn und den Krämergeist vorwirft, lernt seine Kinder mit der Thora eine Wissenschaft, mit welcher irdische, praktische Vortheile nicht zu erreichen sind, mit welchen es nur den Hohn und Spott einer ganzen Welt auf sich zieht. Es lehrt seine Kinder die Pflichten und Gebote, deren Erfüllung ohne Verzicht auf viele zeitliche Güter und Genüffe nicht möglich ist. — Dieses Entbehren und Versagen, das alle üben, die treu zur heiligen Gottessache stehen, kommt nirgends so prägnant und greifbar zum Ausdruck als durch gewiffenhafte Beobachtung derFasttage. Sie sind die Retter unserer Ideale in der materiellen Zeitströmung des Tages. Eine solche Rettung aber war uns noch nie so von Nöthen, als gerade in unseren Tagen. — Wer daher wirklich auf der Höhe der Zeit steht, wird dieses gegen ihre Auswüchse von Gottes Gnade uns gereichte Mittel nicht geringschätzig von der Hand weisen, sondern es um so inniger aufgreisin, je leichtsinniger ihm heute so viele den Rücken kehren. Zeituugsuachrichte« nnb Eorresporrdeuzerr. Deutschland. Berlin. 22. Dec. Aus bestimmtem Anlaß hat der preußische Minister des Innern den in Betracht kommenden Behörden die für die Zulassung fremdländischer Auswanderer zum preußischen Staatsgebiete maßgebenden Bestimmungen erneut in Erinnerung gebracht. Russische Auswanderer sollen nach diesen Vorschriften vom Eintritte in das preußische Staatsgebiet unbedingt ausgeschlossen werden, wenn sie nicht einen ordnungsmäßigen Paß, eine Kajütenfahrkarte nach Amerika und soviel Baarmittel vorweisen können, daß dadurch ihre Reise bis nach Amerika und ihre Annahme daselbst unter Berücksichtigung der sogenannten Paupers-Gesetze gesichert erscheint. Hierzu ist bei gesunden und nicht gebrech-

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