Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1893)
- Date
- 1893-12-21
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Geschäfte zu machen und Hatz und Verfolgung gegen die Juden wach zu rufen, wird der Kommissionsantrag mit allen gegen eine Stimme angenommen. Aeit»«gS»achrichterr «ud Correfporrdeirze« Deutschland. Mainz. 20. Dez. Aus Bingen geht uns soeben die erfreuliche Nachricht zu, daß Herr Dr. Salomon Bamberger aus Frankfurt a. M., Sohn des früheren Frankfurter Dajans, Rabbi Seckel Bamberger Vxi, einstimmig zum Rabbiner der Israelitischen Religionsgesellschaft daselbst erwählt wurde. Wir wünschen der Gemeinde in Bingen von ganzem Herzen dazu Glück, daß es ihr gelungen ist, einen in jeder Beziehung so würdigen Nachfolger für Herrn Rabbiner Dr. Sänger zu finden. Dem jungen Herrn Rabbinen aber möge es vergönnt sein, in gleich erfolgreicher Weise wie sein Herr Vorgänger zu wirken. Aus dem Rabbinatsbezirk Fulda, 10. Dezember. Zu einer zwar bescheidenen, aber dennoch sehr erhebenden Feier versammelten sich heute die Mitglieder unseres seit länger als vier Jahren bestehenden „Lernvereins", ca. 20 Lehrer, thetls dem hiesigen Rabbinats-Bezirk, theils benachbarten Bezirken angehörig. um unserem allseitig hochverehrten und verdienstvollen Leiter und Vorsitzenden unseres Vereins, Sr. Ehrwürden, Herr Prov.-Rabhiner Dr. Cahn ein kleines Zeichen der Dankbarkeit und Verehrung, in Gestalt eines auch äußerlich schön geschmückten, von dem bewährten iwo Herrn Grünebaum-Fulda herrührend, mm isv zu zollen. Die Ueberraschung, wie wir sie lange vorher geplant, gelang vollständig. — Mit einem vierstimmig gesungenen „Boruch habboh“ wurde Herr Dr. Cahn empfangen und ihm dann das neo mm unter entsprechender Anrede seitens des Herrn S p t r o-Schenklengsfeld, namens des Vereins übergeben. — Nach Verlesung einer in rnpn abgefaßten und mit dem Namensverzeichntß der Theilnehmer versehenen, kunstvoll ausgeführten Adreffe ergriff Herr Dr. Cahn thränenden Auges das Wort, um mit bewegtem Herzen seinem Dank für die freudige Ueberraschung Ausdruck zu geben. — Ein mit manch' schönem Toast gewürztes Mahl vereinigte hiernach noch alle Theilnehmer im „Hotel Birkenruth". Gewiß werden die schönen, nur allzurasch verlaufenen Stunden jedem unvergeßlich bleiben; zum Schluffe noch der Wunsch, daß überall ein so herzliches Einvernehmen zwischen Rabbinern und Lehrern bestehen möge, wie im Rabbinatsbezirk Fulda. . . .u. Oester.-Ungar. Monarchie. Wie«, 18. Dezember. Nach Verlauf der nyar* Tage, welche verflossenen Mittwoch zu Ende gegangen, hat gestern Abend, am Vorabend des Fasttages nar» nrntnf, an welchem Tage wir nebst dem Beginne der Belagerung der heiligen Stadt Jerusalem durch den Feind, auch den Tod Esras Hasofer zu beklagen haben, in der „Schiffschul", der Stätte, wo nysö'Dttf i»i>i n mo pwn am 22 Jahre so segensreich gewirkt, eine Trauerfeter stattgefunden, bei der Oberrabbiner Kuttna aus Eisenstadt und der Schwiegersohn des Verewigten, Herr Rabbiner I. B. Kohn, unter überaus großer Bethetligung aller htestgen jüdischen Kreise, insbesondere der vollzählig erschienenen Mitglieder und Besucher der Schiffsynagoge und des Beth Hamidrasch sammt deren Vorstände onvon hielten. Die Synagoge war zum Erdrücken voll, selbst die Zwischengänge waren mit andächtigen Zuhörern und Verehrern des Verblichenen gefüllt. Nachdem das Minchagebet verrichtet war, bestieg Rabbiner I. B. Cohn die schwarz drapirte Kanzel. Ausgehend von dem Verse in ^xpirr: cnm nwsron non moyn hielt er einen alle Zuhörer tief ergreifenden, ja Viele zu Thränen rührenden -tson, in welchem er ein getreues Bild von der Größe des Betrauerten auf dem weiten Meere des Talmud, dessen Frömmigkeit, Weisheit, Bescheidenheit und große Wohlthättgkett entwarf und in welchem er der andächtig lauschenden Versammlung den großen Verlust, den die orthodoxe Schtffschulgemeinde, ja die strenggläubige Judenheit überhaupt erlitten, in beredten Worten und unter geistreicher Auslegung vieler Midraschstellen, zu Gemüthe führte. Rabbiner Kohn, der zum erstenmal in der „Schiffschul" vor einer so großen Zahl von Zuhörern gesprochen, hat mit feinem gestrigen tödh einen tiefen und nachhaltigen Eindruck erzielt und sich viele Sympathie bei den Mitgliedern der Schiffsynagoge errungen. Daß der hierauf von Oberrabbiner Kuttna mit rednerischem Schwünge und mit hinreißender Beredt« samkeit vorgetragene ivon eine mächtige Wirkung hervorbrachte und die Trauerversammlung auf daS Tiefste erschütterte, wird jeder, der den berühmten Redner nur einmal gehört, als selbstverständlich finden. Es war ein ergreifender Moment, alS bei den Worten des Redners man pi6 arj man sich aus Trauer um den Dahingefchiedenen auf die Erde setzte und vom Cantor in rührender Weise daS nnua 7M2)-Gebet angestimmt und allseitiges lautes Schluchzen gehört wurde. Nach einem Schlußworte des Rabbiners Cohn, welches mit einem Gebete für die andächtige Versammlung und mit dem Vers j6a rwa nycn nna man ausklang, war die Trauerfeier beendet. H. L ö.r.