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Der Israelit · 1893-12-21 · Heft 101 (21.12.1893) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 101 (21.12.1893)
Date
1893-12-21
Page
– (sequence 5)
Language
German
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1911 können. inneg^ -jMbai y&z Gedanke, Gefühl und That bilden vereint das jüdische Leben, und die Gedankenarbeit muß Gemeingut, Eigenthum der Gesammtheit werden. Das wäre ein Fluch, der die Bekenner träfe, wenn ihr Bekenntnitz nur von einer gelehrten Kaste gepflegt, von der Oeffentlichkett abgeschlossen werden müßte. Wo wären die leuchtenden Sterne am Himmel der jüdischen Geschichte, Maimonides, Jehuda Halevt u. A-, wo die Früchte ihres mühevollen Wirkens?- Der Jndifferentismus und der Weltstnn wären die gerechten Strafen für die Abgeschlossenheit. Um dagegen mächtig anzukämpfen entstanden unsere Lehrhäuser. Im Beth Hamtdrasch sollten Meister und Jünger an die Gedankenschätze der Alten anknüpfen und den Faden fortspinnen, der vom Sinai ausgegangen. Der Ausspruch rfrm nvnw '2 row njn sollte der Matzstab sein für das jüdische Denken, daß es aus den Lichtquellen des Geistes Nahrung schöpfe, daß jedoch die göttliche Offenbarung den Rahmen bilde, damit Jrrthum vermieden werde. Die Offenbarungslehre war auch der feste Grund, über welche das sich erhob. Aber das Institut hatte noch eine andere Aufgabe. Es gab nämlich Religionen, die ihre Prinzipien in ein nächtliches Dunkel hüllten, sie in undurchdringlichen Mysterien niedergelegt. Es gehört aber zur Natur des menschlichen Geistes sich Klarheit zu verschaffen; wird diese ihm verkümmert, dann verliert sich der menschliche Geist in verschlungene Abwege, in grübelnden Mysticismus. Das Judenthum aber ist eine Religion des Lichtes, welche über die Nacht der Geschichte das Gotteslicht ausgegoffen. Das Judenthum hat zu seinem Grundpfeiler Erkenntnitz. Wem aber im Herzen das Streben nach Erkenntnitz abgestorben ist, der verdient aus der Mitte der Menschheit ausgeschlossen zu werden. Darum bleibe uns fern die finstere Absperrung vom Lebensgewoge! Darum hinein mit der Lehre ins Leben! Das Judenthum hat Frohfinnigkett als Angebinde mitgegeben, das selbst in t r ü b e n Zeiten vor stumpfsinnigem Brüten bewahrte. Nicht unsere Vorfahren hatten sich vom Leben losgesagt. Ein hartes Gesetz hatte ihnen die Pforten der Gesellschaft verschlossen gehalten. Aber in seinem Hause durfte der jüdische Geist seine Fitttge entfalten, um zu herrlicher Blüthe zu gelangen. Das Judenthum in seiner urwüchsigen Gestalt will seinen Bekennern die Vereinsamung ftrnhalten. — Wer hat dem Judenthum diese Eigenart eingehaucht, das Leben in seiner Wirklichkeit zu schauen? Das ist das unsterbliche Verdienst des Talmud, der Israel vor schwärmerischer Ueberschwänglichkeit gehütet. Er drang auf Klarheit des religiösen Bewußtseins. Wo der jüdische Geist seine Fittige regt, da blüht Leben, da weht uns ein Frühltngsodem an. Darum Ehre und Ruhm den Männern, die vor 150 Jahren das -nvn"2 gegründet. Sie hatten erkannt, datz alle Begeisterung und alle Andacht schwinden müsse, wenn die Quellen der Erkenntniß versiegen, wenn die Leuchten der Thora erlöschen. Darum p’*w '»rr gehört das Andenken dieser Gerechten der Ewigkeit an. Darum rüsten wir uns durch unsere Theilnahme an dieser Feier zu bekunden, nvzw »t^ *vu, daß köstlich der Werth der Gotteswiffenschaft; denn ste allein ebnet den Pfad durch die Windungen und Krümmungen des Lebens; sie verklärt unser irdisches Dasein und schasst eine feste unerschütterliche Ueberzeugung von der Wahrheit unserer stnaitischen Lehre. Brausender Beifall der Versammlung folgte der eleganten oratorischen Leistung des bewährten Meisters. In meinem nächsten Briefe werde ich Ihnen noch Weiteres über diese erhebende Feier mittheilen. In Schueidewiihl haben, wie die ^Breslauer Ztg." schreibt, zahlreiche geachtete Bürger der Stadt, darunter Landgerichtsprasident Ltndner, Landgerichtsdirektor Pensky, Landgerichtsrath Banmm, die Professoren Baumm und Nieländer, Töchterschuldirektor Ernst, sowie die beiden Bürgermeister Wolff und Redwig Folgendes veröffentlicht: „Sämmtliche Einwohner unserer Stadt ohne Unterschied der Konfession und des Standes ersuchen wir hierdurch, sich von den antisemitischen Bestrebungen fern zu halten, welche in den letzten Wochen sich in unserer Stadt geltend gemacht und welche sogar zur Bildung eines antisemitischen Vereins Hierselbst geführt haben. Diese, namentlich von auswärtigen, unberufenen Leuten erzeugten Agitationen stören den religiösen Frieden, untergraben die Eintracht und tragen somit am allerwenigsten dazu bei, das Gedeihen unserer in letzter Zeit schwer genug hetmgefuchten Stadt zu fördern. Möge daher ein jeder beitragen, daß wie bisher, so auch ferner der religiöse Friede in unserer Stadt erhalten bleibe." Karlsruhe, 16. Dez. (14. öffentliche Sitzung der Zweiten Kammer unter Vorsitz des Präsidenten Gönner.) Vor Eintritt in die Tagesordnung kommt der Präsident noch einmal auf die Vorgänge der gestrigen Sitzung zu sprechen. Er habe sich bei seiner Entscheidung von der Annahme leiten lassen, daß der Abg. Rüdt die Absicht gehabt habe, in objektiver Weise die Behauptung aufzustellen, daß in der Bibel Unstttlichkeiten Vorkommen und daß er

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