Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 101 (21.12.1893)
- Date
- 1893-12-21
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1010 trotz des liefen Elends nichts entäußert. num naa ist ihnen das Höchste. — Der heutige Abend sollte nun Aufklärung bringen über das geheimnitzvolle Walten innerhalb der ->-iv"rw ’brvo, man sollte etwas aus dem Leben und Denken innerhalb dieser Räume zu Tage fördern. — Mit einer berechtigten Spannung harrte darum die illustre Versammlung der Dinae, die da kommen sollten. — Zur festgesetzten Stunde betrat der hochwürdige Rabbiner Dr. I. Hildesheimer das Podium, um nach der Introduktion des Chores die Versammlung im Namen des Vorstandes und des Rabbinates zu begrüßen. Redner zeichnet die Heiligkeit des Bet-Hamidrasch, welchem Gott der Herr seine besondere allväterliche Liebe zuwendet und den Vorrang vor den Bethäusern einräumt. Der Psalmist schmückt es mit dem Ehrennamen ]vx nyr; dieser Auszeichnung sei es stets würdig geblieben, denn in ihm entspringe der Quell unseres Denkens. An der Tafel des B. H. prangen die unsterblichen Namen der Begründer dieser wohlthätigen Institution; seit jener Zeit seien — allerdings nur recht matte — Wellen hinangestiegen und haben die Erschütterung des Gottesgebäudes angedroht; doch es ist in unserer Zeit besser geworden. Es arbeiten strebsame Jünger, die akademischen Fächer nicht vernachlässigend, am AusbauderThora. Das alte, fröhlich-fromme Leben sei wiedererstanden. Wenn die Außenwelt Veranlassung nahm von der Religiosität innerhalb des Berliner Lebens verächtlich zu sprechen, so verweise man aus die grotze Reihe der würdigen Jünger, welche vom Beth-Hamidrasch auszogen, um das Gottcswort ln seiner Reinheit und Lauterkeit zu lehren. Diese Jünger standen unter dem Einflüsse des Berliner Lebens; sie waren Zeugen der Kämpfe, welche durch das widererstandene Interesse am väterlichen Glauben angefacht wurden und stählten sich für ihren heiligen Beruf. Doch nicht um den Streit hinauszutragen in die Gemeinden, sondern um nach den Worten der mi»n den Friedensbund zu stiften innerhalb des zerklüfteten Israel, nna □ nb ttdi nbm. Ein solcher Friedensbund von wohl gerüsteten, überzeugungstreuen Jüngern gestiftet, werde ein rro ein dauernder, ein ewiger Bund. Mit dem Wunsche, daß dieser unauflösliche Friedensbund auch ferner vom Beth - Hamidrasch seinen Ausgang nehme und seine Wanderung nach den Gemeinden Israels antrete, stets Segen stifte, Heil verbreiten möge und im Dienste der Wahrheit verharre, schloß der Nestor unserer Gelehrten seine feierliche Ansprache, welche einen tiefen Eindruck auf das Gemüth der andächtig lauschenden Festversammlung übte. Hierauf nahm Herr Rabb. Dr. S. Cohn, * ] welchen die Verwaltung mit der officiellen Festrede betraut hatte, das Wort. „Eine seltene Feier vereinigt uns," Hub Redner an. „Wir blicken auf 150 Jahre zurück, die seit der Entstehung unseres Lehrhauses dahinrauschten. Es war eine Zeit, da unsere Väter aus dem gesellschaftlichen Verkehr ausgeschlossen waren; eingeengt von den Schranken bürgerlicher Gesetze war es ihnen versagt, ihre Geisteskräfte zu entsprechender Thatäußerung gelangen zu lassen. Allein dennoch verharrten Jung und Alt in Treue zum Beruf. Alles erglühte in heiliger Sehnsucht dem Gotteswort eine Stätte zu gründen, wo eine neue Jüngerschaft zu erneutem Wirken herangebildct werden sollte zur Verbreitung des Gotteswortes. Denn *7 tjd ^37, die 'imb "7, die Gottesgelehrten verdienen nur dann Kinder Gottes genannt zu werden, wenn sie zugleich •pia das Judenthum emp 0 rrtchten, erh alten. Sie verdienen aber auch nur dann das Vorrecht sich zu nennen, wenn sie '*7 mob sind. Unwissenheit wurde im alten Israel bei allen Vorzügen des Herzens nicht verziehen. Armuth des Geistes wurde mit Aufbietung der bestenKraft zu überwinden gesucht. Im mona zu wurde erörtert, ob das Studium der Gotteslehre oder das fromme Werk höher stehe. Für Beides erhoben sich gar gewichtige Stimmen, beide Ansichten fanden sprachgewaltige Vertheidiger. Der Streit tobte hin und her; die Mehrheit entschied sich für die religiöse Theorie, ohne welche eine fromme That nicht denkbar sei. Unsere crosn mit scharfem Blick ausgerüstet, waren zur Ueberzeugung gelangt, daß der Geist von der Gottesnahrung gesättigt fein müsse, da sonst die rechte Scheu vor der Sünde nicht gefunden werde. Nur wem der heilige Strom der Offenbarung durch die Seele geflossen, der wird die sittigende Macht des Judenthums an sich erfahren. Wer das Himmelsmanna nicht gekostet, deffen Schwungkraft erlahmt, ihm gebricht der Quell, an dem der Wissende mit jedem Morgen sich verjüngt. — Es genügt nicht, sich in den heiligen Kreis eingebannt süblen, der das Judenthum um giebt, darin die Normen sehen, nach denen wir unser 1 Dasein richten, vielmehr sei unser ernstes Mühen darauf gerichtet, uns von der beseligenden Macht der Thora immer tiefer durchdringen zu lassen. Der Boden, den wir von den Vätern ererbt, muß bearbeitet werden. : 'icvu niKD rro rai< b rrjn»' v,djw Es genügt nicht Jude zu sein und den Namen als Vermächtniß der Väter hinzunehmen, wir müssen es von allen Fasern des Geistes umgeben lassen. Das Judenrhum gleicht nicht den auf Grabhügeln vergangener Geschlechter versunkenen Denkmälern, deren Schriftzeichen wir kaum entziffern