Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1893)
- Date
- 1893-12-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1803 Christengeld je als unrein galten. ES lagen und liegen also keine religiösen Bedenken vor, über die sich der Jude im Laufe der Jahrhunderte hinweg gesetzt hätte. Diese Bedenken und ihre Außerachtlassung sind eine ganz neue Entdeckung des Herrn Dr. Krohm. Dagegen ist es richtig, daß, wenn man auch alles, was vom Schweine stammt, wegläßt, die Speisen deßhalb doch noch nicht rituell zulässig sind. Aber das Mehl, die Erbsen, die Butter des Christen (wenn sie nicht durch thierische Fette verfälscht ist), sino uns vollständig gestattet, sie sind und waren nie verboten, mochten sie von Christen oder von Juden herstammen. Dagegen ist uns z. B. der Genuß alles Fleisches nicht geschächteter Thiere untersagt. Selbst das Fleisch geschächteter Thiere ist uns verboten, wenn demselben nicht durch Einwässern und Salzen das Blut entzogen wurde, wenn dasselbe ferner nicht von Jemanden gehandhabt und zubereitet wird, der alle einschlägigen gesetzlichen Bestimmungen kennt und die Garantie bietet, daß er sie auch beobachtet. Wir erkennen daher an, daß es eine ganze spezielle Fürsorge erforderte den Ansprüchen unseres Religionsgesetzes bet der Verköstigung jüdischer Sträflinge gerecht zu werden, und daß es durchaus nicht böser Wille zu fein braucht, wenn ihm nicht allenthalben Rechnung getragen wird. Man muß aber schon die antisemitische Vergrößerungsbrille aufsetzen, um, wie die Dinge heute liegen, von einer staatlichen Zärtlichkeit sogar gegen die Strafgefangenen „dieser Rasse" etwas deklamiren zu können! ZeitrrugSuachrichte« und Gorrefpoudeuzeu. Deutschland. Frankfurt a. M., im Dezember. Der Verein Mekor - Chajim entfaltet diesen Winter eine sehr lebhafte Thätigkeit. Außer den regelmäßigen Vorträgen vom Vereinsdocenten werden sporadisch geschichtliche und kulturgeschichtliche Themata auch noch von anderer Seite behandelt werden. Zunächst wird Herr Rabbiner Dr. B o n d i aus Mainz kommenden Montag, (im Saal des Palais-Restaurant) über Samuel Hannagtd sprechen. Auch ist es dem Vereine gelungen, die in weiten Kreisen und speziell auch den Lesern dieses Bluttes wohlbekannte Frau Nahtda Remy für einen Vortrag zu gewinnen. Frau Nahtda Remy, bekanntlich Nichtjüdtn, besitzt eine staunenswerthe Kenntniß der jüdischen Literatur und Geschichte, von der ihre Werke (s. Zt. in diesen Blättern besprochen) und ihre glänzenden Vorträge, die sie an verschiedenen Plätzen Deutschlands hielt, lautes Zeugntß ablegen. Das fesselnde Thema des Vortrages, der am 1. Januar, in den Räumen des Kaufmännischen Vereines stattfinden wird, lautet: „Das Weib im Talmud." Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wie«. Der Vorstand der Synagoge in der Schiffgasse veröffentlicht folgende Danksagung: Der gefertigte Vorstand spricht hiemit tn seinem Namen, sowie im Namen der schmerzgebeugten Wittwe seinen tiefgefühlten Dank 'aus für die zahlreiche Bethetligung bei dem Leichenbegängniffe seines unvergeßlichen Herrn Rabbiners Salomon Spitzer s. A., sowie für die vielen von Nah und Fern erhaltenen Zuschriften des Beileids. Besonderen Dank sagen wir dem löblichen Vorstande der Wiener CultuSgemeinde, den ehrw. Herren Rabbinern und geehrten Herren Vorstehern der Wiener Bethäuser. Die allgemeine Theilnahme hat uns tief gerührt und Trost gewährt in unserer tiefen Trauer. Das Andenken des theuren Verstorbenen sei für alle Zeit gesegnet. Wien, 8. Dezember 1893. Der Vorstand des israelitischen Vethauses: H., Gr. Schiffgaffe 8. Batorketzi. Herr Moritz Tauber nvv mo “i:hü, Besitzer der Batorkeßier Bierbrauerei und vieljähriger Präses der jüdischen Cultusgemeinde ist leider noum 'i gestorben! Der Verblichene war ein pmio votn beS ehrw. Oberrabbiners Hildesh eimer »"j, derzeit in Berlin und stand bis an sein Lebensende mit Letzterem in Briefwechsel. In dem Verewigten, der kaum 59 Jahre alt geworden, verliert das ungarländische Judenthum, insbesondere die Cultusgemeinde Batorkeßi den begeisterten Kämpfer für alles Edle und Schöne und den uneigennützigen, hingebungsvollen Förderer von pN Dy min. Rastlos war sein Beheben, die Institutionen in unserer Gemeinde bestmöglichst vervollkommnen, das Schulwesen auf das höchste Niveau bringen und die Gefühle zum allgemeinen Wähle wecken zu können und sind ihm auch seine diesbezüglichen Bestrebungen in solcher Weise gelungen, daß die hies. Cultusgemeinde eine Mustergemeinde geworden und unter den Kleineren im Lande den ersten Platz einnimmt. Freitag wurde dieser seltene Sohn Israels unter imposanter Betheiligung aller Schichten der Bevölkerung zu Grabe getragen. Der hiesige Ober-Rabbi, Ober-Rabbi von Gran, Ober-Rabbi von O Gyalla und Ober-Rabbi von Homonna, Herr B. Goldberger hier und Jg. Binetter, Schwiegersohn des Verewigten haben ergreifende D’ison gehalten. Möge p"n dieser edlen hdim gnädig sein! n"D*jn