Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 100 (18.12.1893)
- Date
- 1893-12-18
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1894 Schweiz. Zürich, 13. Dezember. In Nr. 98 Ihres geschätzten Blattes bringen Sie eine Korrespondenz ä. Zürich, 5. Dez. die Chanukka-Feier der Philharmonie betreffend. Zur Berichtigung bitte ich Sie nun in der nächsten Nummer Ihres geschätzten Blattes nachstehende Erklärung der Expedition des Tagblattes der Stadt Zürich erscheinen zu lassen. Hochachtend Leo Dreyfus, Präsid. d. Philharmonie Zürich. Erklärung. Im Tagblatt vom 5. Dezember 93 erschien in Folge eines Fehlers in der Druckerei die Bezeichnung Chanukkabaum-Feier, anstatt, wie in dem betreffenden Manuscriptangegeben „Chanukka-Feier". Expedition Tagblatt derZStadt Zürich, 9. Dez. 1893. Amerika. F New Orleans, im Dezember. In einer Anzahl Partshes in Louisiana ist eine richtige Judenhetze zum Ausbruch gekommen, und eine große Anzahl jüdischer Geschäftsleute hat in Folge von Bedrohung mit Gewaltakten den Staat verlassen. Dabei gewinnt die Bewegung noch immer an Umfang. In Franklin, der Hauptstadt von St. Maryks Parish, begab sich eine Anzahl angesehener Geschäftsleute zu ihren jüdischen Konkurrenten und forderte dieselben unter heftigen Drohungen auf, binnen zehn Tagen die Gegend zu verlassen, da sie angeblich auf unehrliche Weise erworbene Waare unter dem wirklichen Kostenpreise verkauften und so das ganze Geschäft ruinirten. Die Bedrohten wurden dadurch so eingeschüchtert, das sie theilwetse bereits abgereist waren, als der Distriktsrtchter von dem Vorfall hörte und die Angelegenheit den Großgeschworenen unterbreitete. Diese erklärten nach eingehender Untersuchung, daß sie nichts in der Sache thun könnten, sprachen sich aber energisch gegen die Verfolgungen aus und verlangten vom Distriktsanwalt Schutzmaßregeln für die Juden. In einer ganzen Anzahl anderer Parishes sind gleiche Bewegungen im Gange, und die Juden, welche zu dem obrigkeitlichen Schutze kein besonderes Vertrauen haben, packen ihre Koffer. Es ist tief traurig, daß die Schmach des Jahrhunderts auch hier solche Früchte zeitigen konnte. M a r o c c o. Tetuan, im November. Die Spanier sind bekanntlich sehr unduldsam gegen Ntchtkatholiken und Juden, nichtsdestoweniger haben sie es bisher gerne gesehen, wenn sich Letztere in den ihnen ge-! hörenden Küstenstädten an der marokkanischen Küste ansiedelten. Ja, sie begünstigten sogar auch mehrfach die jüdischen Niederlassungen in diesen Hafenorten, indem sie ihnen manche Erleichterungen gewährten. So entstand in der spanisch-marokkanischen Hafenstadt Melilla sogar eine kleine jüdische Gemeinde, die auch eine kleine Synagoge besaß. Jetzt auf einmal, da die Spanier sich im Kriege mit den Marokkanern (Kabylen) befinden, sind sie auch mißgestimmt gegen die Juden geworden und befahlen sie denselben unter dem Vorwände, oaß der Typhus in den jüdischen Häusern wüthe, Melilla binnen wenigen Tagen zu verlassen. Diese modernen np-vn msD kommen nun theils hieher, theils nach Tanger oder gar nach dem jenseits der Meerenge gelegenen englischen Gibraltar, wo ihnen die duldsamen, englischen Behörden keine Schwierigkeiten bei ihrer Ansiedelung daselbst machen. Egypten. Alexandrien, 5. Dezember. Die egyptische Regierung hat offiziell an die Schiffsgesellschaften, die die Häfen von Salonichi und Smyrna passiren, das Ansuchen gestellt, den dort in Masse weilenden russischen Emigranten (Juden) die Aufnahme nach hier zu verweigern, und ist der hiesige Gouverneur gehalten, ihnen das Betreten des egyptischen Territoriums zu verbieten. Rußland. Petersburg. Fürst Meschtscherslij bringt im „Graschdanin" den Brief eines Großrussen über die Chicagoer Weltausstellung zur Veröffentlichung, in welchem es heißt: „Ihre Leser werden mißtrauisch den Kopf schütteln und das Nachfolgende nur schwer glauben wollen. Ich selbst war erstaunt, als ich die großartige Erscheinung zum ersten Male wahrgenommcn hatte, und ich verhielt mich lange ebenfalls sehr skeptisch, bis ich mich endlich von der unverfälschten Echtheit überzeugt habe. Die Juden in den Vereinigten Staaten sind — glühende russische Patrioten! Ich spreche selbstredend nur von den aus Rußland eingewanderteu Juden. Aber das genügt, und das ist lehrreich genug. Aeußerlich ganz ein Aankee geworden, mit glatt rasirtem Gesicht und kurz zugestutzten Haaren, hat der russische Jude in seiner Seele tiefsten Tiefen die wärmsten und aufrichtigsten Sympathien für die alte Heimat bewahrt. In dichten Schaaren wallfahrten die Juden aus den entlegensten Winkeln der großen Union — Sie glauben wohl nach der Chicagoer Weltausstellung? nein, so ureigentlich nach der russischen Abtheilung derselben und zu dem ausgesprochenen Zweck, dort den ihnen noch immer lieben Lauten der russischen Sprache zu lauschen!