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Der Israelit · 1893-12-14 · Heft 99 (14.12.1893) · page 12

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 99 (14.12.1893)
Date
1893-12-14
Page
– (sequence 12)
Language
German
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1882 Juden eknzunehmen suchen. Der Geschmack ist dort so ekel geworden, daß keiner an derartigen albernen, inhaltslosen Bemerkungen Anstoß nimmt. Es soll den Juden etwas am Zeug geflickt werden und dazu ist eben alles recht. Dr. Schrimm Am 1. April wurde dahier ein Landarmenhaus eröffnet und von diesem Tage an erhalten auf Veranlaffunq des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger die 3 gegenwärtig in demselben sich befindlichen israel. Landarmen Koscher- Kost, wozu der frühere Landeshauptmann Graf Pofadowski in Posen die Erlaubntß gegeben hat. Auf wiederholte Verwendung, unterstützt von Herrn Rabbiner Dr. Feilchenfeld in Polen und Provinzial Landtagsabgeordneter Adolf Kantrowitz leistet die Provinzialkasse einen Beitrag von 100 Mark pro Kopf und Jahr. Für die Mehrkosten, welche gegenwärtig jährlich 420 Mark betragen, muß Herr Dr. Bamberger aufkommen. Außer der hiesigen Gemeinde geben auch noch mehrere Gemeinden dieser Provinz Beiträge zur rituellen Verpflegung. Der Fehlbetrag muß durch Privatwohlthättgkeit aufgebracht werden, was indeß nur durch große Mühe zu erlangen ist. Es wäre daher zu wünschen, daß viele Gemeinden durch — wenn auch kleine — jährliche Beiträge diese hochwichtige Sache unterstützen und so die Ausführung derselben für die Dauer ermöglichen. > Vermischtes, Rybuik (Oberschlesien). Der Groß-Industrielle Herr Ferdinand Haase, durch die hochherzige Stiftung des oberschlesischen Waisenhauses als Philantröp in weiten Kreisen unserer Provinz bekannt, ist im Alter von 76 Jahren ge^ storben und am 8. Dezember von einem überaus großen Trauergefolge zur letzten Ruhe begleitet worden. Laut letztwi Niger Bestimmung des Entschlafenen wurde Herr Dr. Münz aus Gleiwitz zur Abhaltung der Trauerfeier hierher berufen. Brieq, Bez Breslau. Unserem allverehrten Prediger und Religionslehrer Herrn S. Pionkowski ist seit Mitte Oktober d. I. von dem Herrn Oberst Graf v. d. Schulenburg der ehrenvolle Auftrag geworden, dem hiesigen OffizierkorpS des 51. Niederschlesischen Infanterie-Regiments Unterricht in der russischen Sprache zu ertheilen. Wie wir erfahren, waltet Herr Pionkowski seines Amtes im hiesigen Oifizierskasino mit ebenso großer Geschicklichkeit wie erfreulichem Erfolge. — Diese Thalsache, gleich ehrend für unsere Gemeinde wie für unseren nicht nur im Kreise seiner Glaubensgenossen, sondern auch bei den übrigen Mitbürgern unserer Stadtgeehrten und geachteten Prediger verdient umso mehr Erwähnung, als das hiesige Offizierkorps in seiner eigenen Mitte der russischen Sprache kundige Offiziere besitzt und auf Herrn PionkowS'i nicht angewiesen war. In unserer vom Antisemitismus durchtränkten Zeit gewiß ein wohtihuender Lichtschimmer. C . . . München, 3. Dez. Verschiedene antisemitische Geschäftsleute machten sich in letzter Zeit den Spaß, kleine gedruckte Zettel mit der Aufschrift „Kaust nicht bei Juden" an den Straßenecken anzukleben. Ein Kaufmann Dirscherl ging aber noch weiter und klebte solche Zettel als Ulk, wie er sagte, gleich an die Läden israelitischer Geschäftsleute. Das Schöffengericht erkannte gegen Dirscherl „wegen unbefugten Plakatirens" auf 20 Mk. Geldstrafe. Der Herr Amtsanwalt beantragte außerdem noch eine Haftstrafe wegen Aufreizung zum Klassenhaß, welchem Antrag das Gericht nicht stattgab. Wie«. Am letzten Sonntag ist im Währinger Greisenasyl Dr. Sebastian Brunner, im Alter von 79 Jahren vernarben. Das goloene Zeitalter der deutschen Literatur vermochte er bloß durch die schwarze Brille eines unbändigen Judenhasses zu betrahlen. Daher auf die Juden besonders schlecht zu sprechen war, lag in seiner ganzen intoleranten Natur begründet. Das Schmählichste verbrach Brunner'S Judenhaß und religiöse Intoleranz, indem er das sonnenblanke Ehrenbildniß Lessing's in seiner Weise beschmutzte und allen Ernstes den wahnwitzigen Satz aufstellte, Lesfing habe seinen „Nathan" im Dienste der Berliner Judenschast geschrieben, damit diese seine Schulden bezahle. Brunner hatte Recht, wenn er sich rühmte, der älteste Antisemit Wiens zu sein. Ob dies gerade eine Ehre für ihn bedeutete, sei dahingestellt. Jedesfalls müffen wir dem Manne die eine Gerechtigkeit erweisen, daß er mit unvergleichlich mehr Talent und Muth seinen Judenhaß bethätigte, als eS heute so Mancher thut, und daß ihm sein Antisemitismus keine nutzbringende Geschäftsspeculation war. Nicht nur, daß ihm das Stigma des feilen Renegatenthums nicht anhaftete, er hat es auch nicht verstanden, sich aus seinem Antisemitismus wie so viele werthe Zeitgenossen ein behaglich Leben zu zimmern. Seine Shriften, die alles antisemitische Geschreibsel von heute an Talent weit hinter sich lassen, wurden von den wackeren Parteigenossen nicht gekauft, und Brunner mußte als ein einsamer, verlassener Mann im Greisenasyle sterben. So lohnt diese Partei ihren Männern. Aercara. 20. November. Auch hier hat der Antisemitismus begonnen sich zu regen, derselbe wurde aber von den Behörden sogleich im Keime erstickt. i-N3 UTiy Herr Antoni o Draghetti, der Herausgeber eines dunkeln Wochenblättchens hier, wollte dasselbe piquant und interessant machen, und er begann daher seinen Lesern gruselige Geschichten von den Mafsacren, welchdie Juden immer UM die Osterzeit herum unter den Christenkindern anrichten, um nur recht viel Christenblut zu ihren Mazzoth zu haben, zu erzählen. Der Staatsanwalt stellte jedoch Herrn Draghetti vor den Richterstuhl, weil er zum Hasse gegen Staatsbürger aufgereizt hatte. Der Angeklagte berief sich nun aus eine Reihe christlicher Gelehrten, darunter auch auf einen bekannten öfterreichtschen Universitäts-Professoren, die alle Stein und Bein darauf schworen, daß die Juden Christenblut zu ihren Osterbroten verwenden. Der Richter erklärte jedoch, daß alle diese Gelehrten für Italien nicht maßgebend seien, der Angeklagte solle concrete Beweise für seine furchtbaren Beschuldigungen Vorbringen. Herr Draghetti wurde daher zu einer Kerkerstrafe von 105 Tagen verurtheilt. Hoffentlich wird ihm von nun an die Lust vergehen, sich des Ritualmärchens als Köder für Abonnenten zu bedienen. Auflösung des Arers-AätHsets in M. 95: n;y \pp rp'ö# Geschenk Oel Acht Unter den Einsendern von richtigen Lösungen wurde geloosi und erhielt die Gewiunerin, Frl. Rifka Herz in Schwäb. Hall ein Werk a«S «nferem Berlage gratis zugesandt.

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