Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 99 (14.12.1893)
- Date
- 1893-12-14
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1881 hässig, vernichtend für Juden und Judenthum ist, darf dort getrost berichtet werden und sei es noch so närrisch und widersprechend und habe es auch nicht die geringste Basts für sich. Hiefür Beweise anführen zu wollen, wäre ein thörichtes Beginnen; jede Seite jener dem Hasse und der Verleumdung dienenden Tagesliteratur bietet sie in Hülle und Fülle. Trotzdem thut es Noth, hie und da ein Beispiel herauszugreifen und wäre es auch nur, um zu zeigen, bis zu welchem Grade der Bornirtheit der mit Haß verbundene Unverstand zu sinken vermag. In Nr. 96 dieser Blätter war ein ausführlicher Bericht über die Israelitische Präparandenschule in Burgpreppach veröffentlicht. Eine Schule, deren Wirksamkeit der „Israelit" in so ausgedehntem Maße gerecht wird, muß zweifellos der Ehre und dem Bestände unsres Bekenntniffes nicht nachträglich sein und man weiß ja, in welchem Maße dieses von der israelitischen Präparandenschule in Burgpreppach zutrifft. Das Zutrauen der höchsten Behörde zeichnet sie aus; auch die christlichen Lehrers¬ und Beamtensöhne des Umkreises suchten und suchen in ihr ihre Ausbildung. Grund genug für antisemitische Mannesseelen, ihr Eins anzuhängen. Irgend ein Fant der „Staatsbürgerzeitung" erhielt nun den Auftrag, dies edle Werk zu vollbringen. Die Arbeit war nicht leicht, aber immerhin nicht so schwer, als ste dem trägen Geiste jenes Mannes vorgekommen zu sein scheint. Manch anderer Gesinnungsgenosse hätte sich leicht zu helfen gewußt. Einige markirte Verzerrungen an dem veröffentlichten Berichte, einige geschickte Covclustonen — und er hätte das gehabt, was er brauchte. Der Umstand beispielsweise, daß neben der intellektuellen auch die Förderung der religiössittlichen Bildung in dem Berichte besonders hervorgehoben ist, würde einem richtig geschulten Antisemiten die Folgerung nahegelegt haben, die Neigung und Eignung zu dieser Art moralischer Ausbildung müsse bei der israelitischen Jugend in besonders geringem Maße vorhanden sein, sonst würde die Schulleitung sie nicht mit solchem Nachdrucke betonen. Man kennt ja die bekannte Conclusion, die zur antisemitischen These geworden, wonach es als Beweis für den unmoralischen Volkscharakter der Juden gelten könne, daß die Propheten — nebenbei bemerkt, auch Juden — ste so sehr zu Moral und Sitte mahnten. Doch hiezu gehört schon ein gewisser Syllogismus, der unser« Scribenten gefehlt hat. So leistet er sich denn in erbärmlicher Verstandesarmuth oder im Vertrauen auf die Urtheilslosigkeit seiner Leser in der Nr. vom 6. Dezember folgenden Satz, der niedriger gehängt zu werden verdient, damit auch dem blödesten Auge klar werde, wie elend die Mittel sind, mit welchen von dieser Seite gegen Juden und Judenthum gekämpft wird: „Für den jüdischen Geschäftssinn spricht folgende Stelle aus einem Bericht in der Wochenschrift der „Israelit* über die Israelitische Präparandenschule Talmud Thora zu Burgpreppach. Da heißt es unter anderm: „Wiederholt bereits ist an dieser Stelle hingewiesen worden, daß unsere Unterrichtsökonomik, wiewohl ste mit den für Präparandenschulen gegebenen Normen und Satzungen zu rechnen hat, dennoch stets darauf gerichtet war, auch solchen Echülercategorien Rechnung zu tragen, die für einen kaufmännischen Beruf vorgebildet sein und die für diesen Zweck nothwendigen Kenntnisse und moralischen Fähigkeiten stch aneignen wollen.* — Und da sage noch einer, daß der Schacher den Juden nicht im Blute liegt.* Ja, da sage noch einer, logisches Denken und Antisemitismus paßten noch zusammen, oder: der Haß verwirre nicht die einfachsten Begriffe! Weil also Herr Dr. Deutsch die richtige Ansicht vieler Schulmänner theilt, wonach die Präparandenschulen nichts als gehobene Volksschulen mit ausgesprochener Pflege der nothwendigen Musik sind, weil er den Unterricht in diesen Schulen gleichwie den in den Mittelschulen für geeignet hält, auch für's praktische Leben vorzubereiten, in dem derselbe der in der Volksschule gewonnenen bürgerlichen Allgemeinbildung die nothwendige Erweiterung und Vertiefung gibt, weil er endlich armen Kindern, die seine Schule besuchen, die Vortheile der Vorbildung auch für den kaufmännischen Beruf dadurch zu bieten versucht, daß er für Kinder, die diesen Berus zu ergreifen Vorhaben, einige Abendstunden für den Unterricht in kaufmännischem Rechnen und Aufsatz eingesetzt — wie ja dies alles in jenem im „JSraelit" veröffentlichten Bericht ausführlich dargelegt ist — daraus folgt — man höre und staune! — daß das Schachern den Juden im Blute liegt. *) Solcher Art ist die Kost beschaffen, womit antisemitische Blätter ihre Leser speisen und gegen die *) Die neueste Nummer der „Bayerischen Lehrerzeitung" (Nr. 49 vom 8. Dez.) enthält einen „zum Gedächtniß Fr. Wilh. Dörpfelds* überschriebenen Artikel. In demselben heißt es: „Mit 16 Jahren trat er (Dörpfeld) in die vom Seminardirektor Zahn in Fild bei MorS eingerichtete private Präparandenschule, eine Anstalt, die den Namen verdiente. Im Lehrplane fehlte auch der fremdsprachliche Unterricht nicht. Auch daS war ein gesunder Gedanke, daß von vornherein auch solche Zöglinge ausgenommen wurden, die sich für andere Berufsarten vorbilden wollten, und sonach die Schulamtsaspiranten im bildenden Verkehr mit andern Standen blieben." Wir bitten den edlen Kumpan der „Staatsbürgerzeitung* Untersuchungen darüber anzustellen, ob Seminardirektor Zahn nicht in irgend einem Grade von Juden abstammte, um alsdann an obigen Sätzen die Folgerung anzuknüpfen: man steht ..... Ja, man sieht — vr.