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Der Israelit · 1893-12-14 · Heft 99 (14.12.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 99 (14.12.1893)
Date
1893-12-14
Page
– (sequence 10)
Language
German
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1666 geführt wurde, um den theuren Tobten nicht im Zinksarg, welcher bei Bahnbeförderungen vorgeschrteben, begraben zu müssen. Damit recht viele Leute an der rv£n in Pressburg theilnehmen könnten, wurde laut Beschluß deS Vorstandes der Schiffschulsynagoge und deS Beth Hamidrasch ein Scperatzug gemiethet, mit welchem Jeder, der wolle, mitfahren könne. Für diesen schönen Akt von nvn rv&’tM gebührt dem Vorstand der Dank Aller, die dadurch in die Lage versetzt wurden, dem verehrten und geliebten Dahtngeschiedenen das letzte Geleite in Preßburg zu geben. Nun zur n'H.n in Preßburg. Ungefähr 300 Mitglieder der Schiffschulsynagoge und des iva «mon hatten den Seperatzug, welcher am Mittwoch um 1/212 Uhr Vormittags von Wien abging und um 1 Uhr in Preßburg anlangte, benützt. Es erregte in Preßburg Aufsehen, als sämmt- Uche 300 Trauergäste in corpore von der Bahn in die Judengasse gingen. Von dort wurde die Bahre nach dem jenseitigen Donauufer, von wo der Wiener Leichenwagen kommen sollte, ausgesendet. Als um 2 Uhr die Nachricht eintraf, daß derselbe bereits angelangt, verfügten sich alle Mitglieder der Wiener Schiffschul und des Beth Hamidrasch, mit ihren Vorständen den Herren Markus Bondi, M. Hirschler, Philipp Back. Ahron Weil, Singer Goldstein, Austerlitz, Aron Bondi, Back jun., der Preßburger Gemeindevorstande, die Herren Joel Wolf, Moritz Bettelheim, L. Gestättner, mit einem großen Theil der Gemeindemitglieder, den sämmt- Uchen Bachnrim der Preßburger Jeschtba zur Donaubrücke, wo mittlerweile der Preßburger Leichenwagen den lota schon übernommen hatte. Nun setzte sich der Zug in Bewegung. Es war ein imposanter, ergreifender Anblick. Voran der vierspännige Leichenwagen, mit einem Vorreiter, dem eine unübersehbare Menschenmenge, beinahe die ganze große Brücke in ihrer Länge und Brette füllend, im langsamen Schritte folgte. Der Zug nahm seinen Weg über den grünen Marktplatz, Kapuzinerstraße, nach der Judengasse, wo Sr. Ehrwürden, Oberrabbiner B. Schreiber mit den Rabbinatsassessoren Rabb. David Neumann, Friedmann und ein großer Theil der Preßburger Gemeinde denselben erwarteten und sich derrr6n anschlossen. In allen Straßen, welche der Zug passirte, waren die Geschästsläden geschlossen und besonders feierlich sah es in der Judengusse aus, welche schwarz von der dichtgedrängten Menschenmaffe war. Am jüdischen Spitale wurde der new vom Wagen gehoben und eine schöne Strecke Weges getragen. Ungefähr um 3*/* Uhr erreichte der Trauerzug das D’*n n'2. Da die Leichenhalle die große Menge von Leidtragenden nicht fassen konnte, hielt der Oberrabbtner B. Schreiber unter dem freien Himmel, anspielend auf die nsun w mit dem Vers novfc roönj nnow beginnend , vom Schmerze gänzlich aufgelöst, einen höchst ergreifenden, die Versammlung tief erschütternden E>p>O!i. Er entwarf ein getreues Bild von der Größe des Dahingeschiedenen auf dem Gebiete der Halacha und Agada, schilderte seine Herzensgüte, seinen Edelmuth, feine Weisheit und rief dann mit thränender Stimme den Vers in tp Dn’tpn benützend nn nean bramt, worauf der Talmud sagt 12 i>2nr t^’N. — Auch von Rabbi Salomo Spitzer könne man mit Recht sagen vra 12 ton», er war ein Mann, der alle Tugenden vereinigte, -©«n sein Tod ist eine Versöhnung, wie jede pns nrvö für seine Gemeinde und £2 und stolz könne er von ihm sagen *nn, daß er sein Onkel war. Nach ihm hielten noch die Rabbiner B. Ehrenfeld aus Mattersdorf, Rabbiner Friedmann aus Deutsch-Kreuz und der Vereinsrabbiner des Wiener Beth-Hamidrasch H. Baumgarten sehr ergreifende, die Versammlung zu Thränen rührende onevr,. Während des Letzteren Trauerrede war schon die Sonne untergegangen und es wurden auf Anordnung des Vorstandes der Preßburger *n2n Nipnp Fakeln angezündet. Es war ein phantastischer Anblick, als die Fackelträger sich rings um die Versammlung aufstellten und der düstere Fackelschein die Trauerversammlung beleuchtete. Da durch die grimmige Kälte der Aufenthalt im Freien ein peinlicher wurde, verzichteten die ebenfalls als Trauerredner vorgemerkten Rabbiner Schreiber aus Miava und Rabbiner Fm st aus Tyrnau aufs Wort. Nun wurde der Sarg gehoben und unter Fackelbegleitung zum Grabe getragen. Scholle aus Scholle häufte sich und bald bedeckte ein Grabeshügel das theuerste Kleinod, das jetzt zur ewigen Ruhe gebettet. Ein kalter Nordwind streifte über die Gräber und stumm nickten die kahlen Aeste der Weiden dem Dahtngeschiedenen gleichsam ein Lebewohl zurufend. Die Fackeln verlöschten, ein Symbol für die große Leuchte, die in dem Dahingeschiedenen erloschen. H. Lö.r. Zeitungsnachrichten und t^orrespondeuzeu. Deutschland. Aus Frauken, 10. Dezember. Nichts ist bezeichnender für den Geist der Zersetzung und Urteilslosigkeit, der die antisemitischen Kreise beherrscht, als die geistige Kost, an welcher dieselben Gefallen finden. Man lese nur einmal eine antisemitische Zeitung! Da dürfen die barocksten und lächerlichsten Behauptungen aufgestellt werden, ohne Furcht zurückgewiesen zu werden. Alles, was ge-

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