Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1893)
- Date
- 1893-12-11
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1865 gelten, als „veraltete Sophistik," als „verschimmelte Gesetze" bezeichnet werden. — Verfasser der anonym publizirten Schrift ist der Schrtfsteller, Herr Dr. R. Löwenfeld in Berlin. (Vgl. „Bericht über die erste Versammlung des Centralvereins" d. 29. Juni 1893. S. 2. Col. 2 Zeile 20. 21. v. o.) - Ich führe Klage gegen den gen. Herrn und erlaube mir das ergebne Ersuchen: Ein wohll. Vorstand wolle Mir die Mittel und Wege weisen, wie ich für die durch die oben angeführten Mate mir als Juden um meines Judenthums willen zugefügten Rechtskränkungen die gebührende Genugthuung erlangen kann. Hochachtungsvollft u. s. w." Auf dieses Schreiben, das spätestens am 23. November in Händen der Adreffaten war, ist mir bis heute (Dienstag, 5. Dezember) keine Antwort zugegangen. Es hieße heucheln, wollte ich vorgeben eine solche erwartet zu haben° Lediglich vielmehr aus Courtoiste, um die Herren auf das Kommende vorzuberciten, sandte ich das Schreiben ab, dessen Beantwortung, wie ich wußte, um so mehr unterbleiben mußte, als diese ja dem Schriftführer, Herrn Dr. R. Löwenfeld, dem Verfasser der angegriffenen Schrift abgelegen hätte! Daß der Herr mir nichts zu sagen haben würde, war mir nicht unerwartet. Aber dieses Schweigen ist beredt genug und es ist wohl nicht zu bezweifeln, daß es auch von den Lesern d. Bl. richtig aufgefaßt wird. Es behebt auch den letzten Zweifel darüber, ob der Verein in seinen Häuptern sich mit den Ausführungen der Löwenfeld'schen Broschüre einverstanden und identisch erklärt und zeigt, was wir von dem „Rechtsschutz" des Vereins zu erwarten haben. Wir wollen für diese Klarheit uns den Herren dadurch dankbar erweisen, daß wir sie ganz unter sich lassen. Stören wir in Zukunft ihre Zirkel nicht mehr! Zeitungsnachrichten and Vorrefpoudeuzeu. Bulgarien. Sophia. Frau Gräfin Hartenau, Gemahlin des Fürsten Alexander von Battenberg, hat folgendes Dankschreiben an Herrn Dr. M. Grünwald, Großrabbiner von Bulgarien, gerichtet: „Wollen Euer Hochwohlgeboren meinen innigsten, tiefgefühlten Dank für Ihre freundlichen Zeilen, mit denen Sie Ihrer und Ihrer Glaubensgenossen aufrichtige Theilnahme anläßlich des Hinschetdens meines unvergeßlichen Gatten, Generalmajor Graf von Hartenau, so warmen Ausdruck verliehen, entgegennehmen. Gleichzeitig bitte ich Euer Hochwohlgeboren, meinen Dank Ihren Glaubensgenossen güttgst zu übermitteln. Graz, am 28. November 1893. Gräfin Hartenau. Fe« Ule ton. Verloren und Miedergefunden. Erzählung von Jakob Frankfurter. (Schluß aus dem Hauptblatt) Der Tag der Entscheidung rückte immer näher, mit fieberhafter Spanung hatte er ihn erwartet, doch er brachte nur bittere Enttäuschung. Niemand in der Stadt kannte ihn, seine Jugend und die bisherige Beschäftigung ließen ihn für die Stelle eines Cultusbeamten nicht besonders geeignet erscheinen, und da er außer seinen, wenn auch glänzenden Studienzeugnissen keinerlei Referenzen vorwetsen konnte, so wurde sein Gesuch, wie so viele andere, einfach bei Seite gelegt. Ein schwerer, vernichtender Schlag! Trotzdem hielt er sich aufrecht und gab noch nicht Alles verloren. Wie, wenn er den Vorstehern seine traurige Lage schilderte und sie bat, doch wenigstens seine künstlerischen Fähigkeiten prüfen zu lassen? Doch nein, von den kalten, nüchternen Geschäftsleuten war nichts zu erwarten, der Schritt wäre unnütz. Nur ein Hoffnungsstrahl blinkte ihm noch. Er kannte den alten Kantor von früher her als seelenguten Mann, der schon manche Thräne getrocknet, manchen Kummer gestillt hatte, zu ihm ging er; mit beredten Worten erzählte er von seinem Mißgeschick, rührend flehte er ihn um Beistand an. Es bedurfte nicht vieler Mühe das Herz des Greises zu bewegen, er fand bald Wohlgefallen an dem schmucken Jünglinge und ließ ihn einige bekannte Melodien singen. Seine Stimme stellte ihn vollkommen zufrieden, er fand ste kräftig und wohlklingend, ja ganz besonders geeignet für gottesdienstliche Gesänge und versprach sich für ihn zu verwenden, damit er zur Ablegung der öffentlichen Prüfung vor der versammelten Gemeinde zugelaffen werde. Joseph dankte thränenden Auges, er hatte sich nicht getäuscht, er hatte einen warmen, väterlichen Freund gefunden. Dieser hielt getreulich Wort. Die Vorsteher oppontrten ihm zwar heftig, aber schließlich gaben sie doch nach, nm den alten Mann nicht zu kränken und gestatteten, daß sein Schützling sich als dritter am Probeskngen betheilige. All' das zog an seinem geistigen Auge vorüber, als nach so vielen, schweren Kämpfen, Qualen und Leiden der Tag endlich gekommen war, der der wichtigste seines Lebens sein sollte. Die nächste Stunde sollte entscheiden über Sein oder Nichtsein; sie konnte ihn hoch emporheben zu nie geahnter Größe, nie geahntem Glück, oder ihn zurückschleudern in den tiefen Abgrund der Verzweiflung, in's Nichts. Er zitterte vor Erregung, kaum vermochte er seine