Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1893)
- Date
- 1893-12-11
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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1866 Fassung zu behalten. Doch er wußte, daß es ein Herz gab, das mit ihm fühlte, mit ihm in arger Pein zwischen Furcht und Hoffnung schwebte. Gewiß war Roia hier anwesend, auf einer der letzten Bänke der Frauengallerie in banger Erwartung der nächsten Minuten; ihr Schicksal war ja gewissermaßen eng an das seinige geknüpft. Es stand jetzt alles auf dem Spiele; verlor er, dann war auch sie verloren. Das fühlte er, das gab ihm seine ganze Kraft wieder, seine Besonnenheit, seine Zuversicht, Der heutige Sabbat war zugleich ein Neumondstag. das war ein großer Vortheil seinen beiden Mitbewerbern gegenüber, denn das Hallel- Gebct, diese herrlichen Lob- und Danklieder, bot ihm günstige Gelegenheit zur Entfaltung seiner reichen Stimmittel. Jetzt trat er vor. festen Schrittes, verneigte sich tief vor der heiligen Lade und begann zu singen. Und wie sang er! Das klang ganz anders als früher, wo er mit innerlichem Widerstreben, mißmuthig und von beständigen Sorgen g> quält inmitten des EhorPersonals stand, das gleichsam als lebendes Decorationsftnck zur Staffage einer Operette diente. Er übertraf sich selbst, den ganzen Enthusiasmus, das heftige Feuer einer reinen, lauteren, jugendlichen Seele strömten diese Töne aus, wie sie noch nie diese prächtigen Räume erfüllt hatten. Wie die lü blichen Klänge himmlischer Engelschöre hallte cs durch das Gotteshaus, bald leise bittend, bald wieder laut jubelnd, bald zur höchsten Klangfülle sich steigernd, bald sanft und melodisch abfallend. Me frohlockend stimmte er das Hallelujah an! Wie schön erklangen die allbekannten Weisen der ehrwürdigen, pocsicvollen Gebete! Wie inbrünstig flehte er aus der Tiefe des Herzens: „Ono adonaj hazlichono“ Herr, laß es doch gelingen! Und es gelang ihm, vollkommen gelang cs ihm. Entzückt lauschten die zahlreichen Zuhörer den schönen Melodien, welche der junge Mann so wohlklingend durch das Haus schmetterte. Es war ganz still geworden, alle waren lies ergriffen. Die spöttisch lrttisirenden Mienen so mancher Anwesenden verschwanden bald, manche zarte Frauenhand trocknete verstohlen die Thränen, 'welches Rührung und theilnehmendes Mitgefühl hervorgebrachtchatten. Er hatte gesiegt. Ein Murmeln des Beifalls lohnte ihm, als er geendet hatte, alles drängte an ihn, wollte ihn sehen, ihn beglückwünschen. Raffen Auges dankte er dem biedern Greise, dem er ja eigentlich sein Glück verdankte, beschämt kamen auch die Vorsteher, ihm die Hand zu drücken, seine Wahl war gesichert. Was hatte diese einzige Stunde Alles geändert! Aus öder, tiefer Finsterniß war er emporgesttegen an's Licht, das höchste Ziel, das er kaum gewagt hatte sich zu setzen, es war erreicht, seine herrlichsten Träume, sie hatten sich verwirklicht. Einer frohen, sorgenfreien Zukunft sah er jetzt entgegen, die ihn reichlich entschädigen sollte für die Leiden und Drangsale der Vergangenheit.^ Er vermochte das Glück, das so plötzlich gekommen, gar nicht zu fassen, er mußte es theilen — mit ihr. Sie hatte seinem Vortrage beigewohnt, sie konnte ihn von ihrem Platze aus zwar nicht sehen, aber sie fühlte mit ihm all die Qualen dieser bedeutungsvollen Stunde, ihr Herz pochte vielleicht noch heftiger als das seinige, als sie seine Stimme hörte, sie wagte kaum zu athmen und tief bewegt horchte sie den Klängen, die zu ihr drangen. Ein Thränenstrom quoll über die vor Aufregung gerölheteu Wangen, als sie mit ihrer Mutter nun wieder im ärmlichen Stübchen saß, Thränen der Freude, die ersten nach langer, langer Zeit. Die Mutter mißdeutete das Weinen ihrer Tochter, sie hielt cs für den Ausbruch des Schmerzes. Ihre p aktische Natur sträubte sich gegen den Gedanken, der junge Kantor würde sich des armen Mädchens jetzt noch erinnern, wo so manches, mit Töchtern gesegnete Elternpaar aus den angesehensten Kreisen aus ihn rechnete. Doch sie täuschte sich. Es wurden hastige Tritte auf den schmalen Holzstufen vernehmlich, die zu ihrer Wohnung führten. Freudig erregt lauschte Rosa, die Tritte waren ihr bekannt Da wurde die Thür aufgeriffen und Joseph stand vor ihr, und streckte ihr freudig erregt die Hände entgegen. — Sie hatten sich wieder gefunden. Enj« tge Für den folgenden Theil rft die Stedaetrorr nicht verantwortlich. Mädchen vom Lande, welches bürgxilich kochen kann und etwas Hausen beit versteht, wird zur selbstständigen Führung des Haushaltes bei einem einzelnen, älteren Herrn zum sofortigen Eintritt gesucht. (7232 I. Katzenberg, Kreisvorsteher, W o l f h a g e n (Reg. - Bez. Cassel.) C2ür das Haus eines Rabbiners (zwei ö Personen) wird ein gewandtes Mädchen, welches sich allen Arbeiten unterzieht, sofort gesucht. Offerten mit Gehaltsansprüchen unter Nr. 7235 an die Exped. d. Bl. erb. OOOCXXXXXXXXSOOQOOOaOOOO Slyüdlhkil gesucht. Offerten unter J. 8. 1681 an die Annoncen-Exped. Emil Scheümau«, M.-Gladbach erbeten. (7230 ooaocxxxxxxsooooooooooao