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Der Israelit · 1893-12-11 · Heft 98 (11.12.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 98 (11.12.1893)
Date
1893-12-11
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1857 an dem sie etntraten als göttlicher Wunderwalten gekennzeichnet. Als diese Blätter vor nun vier und dreißig Jahre an die Oeffentlichkett traten, standen unsere heiligen, jüdischen Anliegen unter dem Zeichen tiefster, dunkelster Nacht. Ganze Gemeinden mit ihren Führern hatten sich von dem alten, historischen Judenthum abgewendet und hatten diese Fahnenflucht als einen Fortschritt, als einen Akt der Bildung und Aufklärung in die Welt hinausgerufen. Wer noch treu zu dem überkommenen Vätererbe stand, wurde als Heuchler, Dunkelmann, als hyper-ultra-, alt- oder neu-orthodox öffentlich verfehmt. Das überlieferte einzige, wahre Judenthum und das treue Festhalten an seinen Satzungen wurde als lichtscheues Muckerthum bezeichnet und damit der öffentlichen Berächtung preisgegeben. Da trat der Begründer dieser Blätter auf den Plan und nahm den Handschuh auf, den die Berkleinerer des Judenthums ihrer geistigen Mutter hingeworfen hatten. Es gehörte nach allen Seiten hin kein kleiner Muth dazu, einen solchen Schritt in solcher Zeit zu wagen. Der „Israelit" hat den Schritt gewagt und Gottes Beistand hat das Unternehmen gesegnet. Während sich heute kein einziges Blatt mehr offen als Organ des Reformjudenthums bekennt, hat das orthodoxe Judenthum von Tag zu Tag, von Jahr zu Jahr ein großes Stück des verlorenen Terrains wieder zurückerobert und die Geister und Gemüther der Söhne und Töchter Israels in zahllosen Fällen für das alte Judenthum der Väter wiedergewonnen. Die Entwicklung, die Ausbreitung und die Fortschritte des „Israelit" im Laufe dieser 34 Jahre sind ebensoviele Gradmesser für die Wiederbelebung uno Erstarkung des Prinzips, das er vertritt. Wie das Tewpellicht nach menschlicher Berechnung nach kurzem Leuchten wieder hätte verlöschen müssen, so hat man dem Israelit und der von ihm vertretenen Welt- und Lebensanschauung die Möglichkeit auch nur zu existtren unzählige Male abgesprochen. Es waren ihm hurte, schwere Kämpfe nach innen und außen beschteden, aber aus jedem Kampf ist die Wahrheit, der er galt, stärker und siegreicher hervorgegangen. Wir danken heute dem Himmel, nicht nur bv njrwnn te, pien by, d’Djh, nicht nur für die Wunder, der scheinbar natürlichen und die unverkennbar göttlichen, sondern auch menten te für die Kämpfe, die heißen Kämpfe, die uns beschteden waren. Von ihnen umtost, hat der edle, unvergeßliche Begründer des „Israelit" seine reine Seele ausgehaucht, aber die seiner sterbenden Hand entsunkene Fahne des gesetzestreuen Judenthums, haben wir und die von gleichem Geiste und gleicher Hingebung beseelten Genossen unseres unvergeßlichen Vaters tet? aufgegriffen, um sie weiter zu tragen für die Kämpfe uno Stege, welche die Zukunft in ihrem Schooße birgt. — Sie werden nicht ausbleiben, die Kämpfe nicht, aber ebensowenig die Stege mit Gottes Hilfe. Deßhalb reichen wir zum neuen Jahrgang den bewährten Kampfgenossen, den Mitarbeitern, Freunden und Lesern des „Israelit" im Geiste die Hand, um sie zu bitten auch für die ernste unS bevorstehende Zukunft in gleicher Treue wie bisher für die hohen Zwecke und Ziele mit uns einzutreten, für welche diese Blätter ins Dasein traten. hmo ij’T nrj/Dt u’te 'k '« oj/u vm .tttm» irr mtpDi ZeituirgSrrachrichterr und Torrefporrdeuzeu. Deutschland. Berlin, 27. November. Kaum mehr als 12 Monde sind verstrichen, seitdem an dieser Stelle von den Kundgebungen aufrichtiger Liebe und Verehrung berichtet wurde, mit denen weiteste Kreisein aufrichtiger Antheilnahme an dem 70. Geburtstage des Herrn Geh. Commerzienraths Salomon Lachmann wetteiferten. Gestern fanden stch, wie die „Jüd. Pr." berichtet, abermals Private und Vereinigungen, Vertreter der Wissenschaft und der Ftnanz» welt, alle Schichten der jüdischen und nichtjüdischen Bürgerschaft in dem Hause Thiergartenstraße 3 zusammen, aber diesmal wehmüthtgen Ernst und aufrichtige Trauer in den Mienen: sie umstanden die Bahre des allverehrten Mannes, der am vorigen Donnerstag nach längerem Siechthum die Augen zum Todesschlummer geschlossen hatte. Weit über das Weichbild unserer Stadt hinaus wird die schmerzliche Klage über den Htnttitt Salomon Lachmann's ein mitempstndendes Echo wecken: einer der Besten ist aus unserer Mitte geschieden, ein vortrefflicher Mensch und ein Jude, dessen Tod eine tiefe Lücke reißt. Der Sproß etneS hochangesehenen Hauses, ist der Verblichene den Tradttionen seiner Ahnen treu geblieben als Mensch wie alS Jude, vor Allem hat er, auf den Höhen des Leben wandelnd, mit Glücksgütern reich gesegnet, die Tugend schlichter, allen Prunk und alle Ucberhebung meidender Einfachheit sich bewahrt, wie sie leider in unseren Tagen zu großer Seltenheit geworden. Ein harmonisch in stch abgeschlossener Charakter, streng gegen sich selbst, unbeugsam wahr in jedem Wort und jeder That, war er Muster ernstester Gewiffenhafttgkeit in seinem Geschäftsbetriebe, wie in seiner umfassenden Wirksamkeit als Letter von Wohlthätigkeits-Vereinen und - Instituten. Daß das Verttauen der preußischen Regierung ihm die

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