Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1893)
- Date
- 1893-12-11
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1856 Die Wundergeschichte, für deren Gedächtniß daS Chanukkafest gestiftet ist, zerfällt in zwei verschiedene Theile. Sie hat zunächst die Kämpfe und Siege der Makkabäer zum Gegenstand, wie dieselben trotz der materiellen und nummerischen Minderheit die an Zahl und Macht überlegenen feindlichen Mächte bewältigten. Als diese Kämpfe und Siege beretts abgeschloffen waren und die Sieger das entweihte Heiltgthum wieder aufs neue geweiht hatten, vollzog sich das Wunder mit dem Tempellicht, welches das Tempelheiltgthum während 8 Tage erleuchtete, obwohl das dafür bereitstehende Oel nur für einen Tag ausreichte. — Unser Chanukkafest feiert mit seinem alljährlich wtederkehrenden Lichtgruß nur das zweite Wunder durch eine That, während die eigentliche Vorgeschichte des Chanukkafestes lediglich durch Gebet und Lobesworte verewigt sind. In Wirklichkeit erscheinen aber die Makkabäerkämpfe und Siege doch viel bedeutsamer, als das Wunder, welches sich an das Tempellicht knüpft. Da wir wissen, daß Gott kein Wunder ohne bestimmten Zweck sich vollziehen läßt, so dürfte sogar die Frage nach dem eigentlichen Zweck dieses Wunders nach der Niederwerfung der Feinde und die Wiedererlangung des Tempelhelligthums gerechtfertigt erscheinen. Wir unterscheiden unter den Wunderthaten Gottes mittelbare und unmittelbare, solche die trotz ihrer ungewöhnlichen, übernatürlichen Bedeutsamkeit doch in natürlichen Formen auftreten und solche, die sowohl hinsichtlich der Form, als auch des inneren Gehalts das wunderbare Eingreifen Gottes in die Geschicke der Menschen bekunden. So gewiß es ein Wunder war, daß die geringen, schwachen Makkabäerschaaren die große Uebermacht der Syrer besiegen und vollständig aus dem heiligen Lande vertreiben konnten, so ist es doch schon oft vorgekommen, daß winzige Minoritäten über große Majoritäten den Sieg davon getragen haben. Man hätte daher leicht den göttlichen Beistand verkennen und nur ein bloßes Schlachtenglück erblicken können, wo eS doch Gottes Hllfe war, welche die Starken den Schwachen, die Unreinen den Reinen, die Uebermüthtgen den Thorabeflissenen preisgab. Wenn aber, nachdem diese Vorgänge sich abgespielt, gleichsam zum Schluß und zur Charakteristik derselben sich ein Wunder wie das mit dem Oelkrügchen vollzieht, so wird uns hier Gottes thatsächliches Eingreifen zum Bewußtsein durch einen Vorgang gebracht, der ohne wirkliches Wunder nicht erklärlich, nicht denkbar ist. In der Chanukkageschichte tritt somit Gottes Wunderwalten eingekleidet in natürliche Formen und auch ohne jede solche Einkleidung auf. — Das chaldäische Sprachtdiom war zur Zeit des babylonischen Exils und noch viele Jahrhunderte später die natürliche populäre Form für die höchsten ursprünglich in der heiligen Sprache nieder - gelegten Wahrheiten. Die heilige Sprache ist, wie ihr Name sagt, an und für sich heilig, wie es die Gedanken und Anschauungen sind, denen sie Ausdruck gibt In der chaldätschen Sprachform, verbleibt nur dem ausgedrückten inneren Gedanken seine Heiligkeit, nicht aber der Hülle, in die sie gekleidet ist. njntpn ist demnach eine Hilfe, die ihrew innersten Wesen wie ihrer äußern Form nach ihren göttlichen Charakter bekundet, ipns dagegen eine solche, die ihrer äußern Form nach gewöhnliches, menschliches Gepräge hat und unter dieser Form ihre Göttlichkeit verhüllt, nywn und p-© sind das Chanukkawunder in seiner doppelten, jenes das an das Tempellicht geknüpfte und dieses das in der Besiegung der Feinde sich Manifestirende. Beide sind scharf präctstrt, ohne darüber ein Wort zu verlieren, indem ein und derselbe Ausdruck, durch die heilige und die chaldäische Sprache wiedergegeben wird. Die äußere Verschiedenheit des sprachlichen Ausdrucks mit unnachahmlicher Prägnanz gezeichnet. Diese unverkennbare Göttlichkeit des aus dem Templlicht leuchtenden Wunders bekundet sich aber außerdem noch durch die Zeit, in welche es sich vollzog. Wir feiern in unseren Gebeten den ersten Tischri als den Schöpfungstag des ersten Menschen und somit den 25. Mul als den Schöpfungstag der Welt, an welchem der erste uns bekannte Gottesausspruch um tp „Es werde Licht!" erfolgte. Um diese Zeit war bei der Erschaffung der Welt, wie dies noch heute alljährlich der Fall ist, Tag- und Nachtgleiche. Von da ab nimmt während eines viertel Jahres täglich der Tag ab und die Nacht zu bis mit der längsten Nacht der Wendepunkt eintritt, und von da ab die Nächte wieder ab- und die Tage zunehmen. Wenn nun Gott sein Wunderlicht leuchten lassen und dessen göttlichen Ursprung vor aller Welt bekunden will, so wählt er dazu den Moment, in welcher die Nacht am längsten und intensivsten auftritt, genau ein Quatember nach dem 25. Mul d. i. am 25. Ktslew. Das ist der tief innere Zusammenhang zwischen den Wunderthaten der Makkabäer und dem Wunderlicht des Tempels. Wie dort die Noth am höchsten gestiegen sein mußte, bis die göttliche Wunderhilfe eintrat, so mußte hier erst die längste, tiefste Nacht angebrochen sein, bevor Gott sie durch sein Wnnderlicht verscheuchte. Die jp-is, die sich auf der Wahlstatt, und die nyitfn, die sich in den Tewpelhallen an Israel vollzog, find durch den Moment — ntn diyd —