Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 98 (11.12.1893)
- Date
- 1893-12-11
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2446951-2448315-2448407--37602-2485674- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Xmt, Jahrgang. Der Israelit. M S8. Et» Genlrak-Hrgan für das orlhodore IudenLyum. Begründet von Dr, Lehma»» t» Mai»-. Montag, den 11. Dezember SSS4 (18SS). Leitender Artikel. Zum fünfunddreißigsten Jahrgang. Mainz, 6. Dezember. Das fünfunddreißigste Jahr, in welches der „Israelit" in wenigen Tagen tritt, ist im menschlichen Leben von hoher Bedeutsamkeit. Wenn unsere Lebensjahre gewöhnlich siebenzig und nur in Ausnahmsfällen achtzig und mehr zählen, so bedeutet das fünfunddreißigste Jahr die Hälfte, den Gipfelpunkt des ganzen menschlichen Lebens. Mit diesem Jahre, beginnen für das menschliche Leben, nach der oberflächlichen Schätzung, die rrm» 'vv dir Tage, welche immer tiefer abwärts führen. Für den Geist, für das Edle. Göttliche im Menschen leiten aber mit diesem Wendepunkt die rvby nr, die Tage ein, welche den Menschen immer höher und höher den Hochzielen seines Lebens und Strebens näher bringen. D’jnn« p roh crrr^w p. Im dreißigsten Lebensjahre steht die körperliche Kraft, im vierzigsten Jahre befindet sich die geistige Einsicht auf ihrem Höhepunkte. In der Mitte zwischen diesen beiden Phasen reichen sich körperliche und geistige Vollendung fördernd die Hand. Ob es von da ab abwärts oder aufwärts geht, darüber entscheidet für den Menschen die Richtung, in welcher sein ganzes Leben und Handeln sich bewegt, 'i'zkn ’jpi Dy »jpi ,p^y rnLN'v pyn prpio» P* ü’ODn .pHy rs-ntSD jnyT yrpiDff pi bi Männer des Geistes und der Wissenschaft und gar des jüdischen Geistes und der jüdischen Thorawiffenschaft, werden um so gesetzter und gefestigter je älter sie werden. Menschen, die an der Scholle kleben,Welche nur der Erde und ihrem Getriebe leben, erscheinen um so zerrissener und zerfahrener je mehr sie an Jahren zunehmend, die Hinfälligkeit alles Irdischen an sich selber erfahren. Wenn7es gestattet ist, diese für das Leben des Menschen gütigen Wahrheiten auch auf die Produkte menschlichen Schaffens und Wirkens anzuwenden, dann mag der Ausblick auf den n uen Jahrgang des „Israelit" seine über das ganze Erdenrund .'zerstreuten Freunde mit freudiger Zuversicht erfüllen. Er steht seit einem halben Menschenalter im Dienste des Thorageistes, der seine Träger mit um so größerer Stetigkeit und Festigkeit ausftattet. je älter sie werden. Wohl hat er seinen unersitzlichcn Begründer verloren, aber der Geist, den der Heimgegangene seiner Schöpfung eingehaucht hat, ist unsterblich. Es ist eine große Gemeinde, die sich auf aller Herren Länder verthetlt, welche im „Israelit" ihr Einigungsband erblickt, uy Tüa no mx r«. Heber diese Gemeinde haben Tod ündMrlaffenheit'keine Gewalt. Der Geist des Judenthums von innen und von außen, alles trägt dazu bei von Jahr zu Jahr einen neuen Knoten in dieses Band zu schürzen, und es immer inniger und fester zu gestalten. Wenn wir für das, was der „Israelit" seinem Leserkreise geworden ist, eine Parallele suchen, so bietet sie sich in der Wundergeschtchte des Chanukafestes, das wir in diesen Tagen feiern, an der Hand der Darstellung, die sie in unseren Gebeten gefunden. — Die in unser Gebet eingefügte, mit d'djh by einleitende Dankformel gipfelt in den Worten: nn Divo ipnsi r6n: nyiffn rvtpy ^->v py^>, „Deinem Bolke Israel, hast du eine große Hilfe und Rettung geschaffen, wie dieser Tag." Wir haben hier das Wort ipns> mit Rettung übersetzt. In Wirklichkeit ist es aber nichts als die chaldäische Wiedergabe des Wortes nyipn. Was hat wohl die Ordner unserer Gebete bestimmt, mitten in dem hebräischen Gebete, wiederholt den chaldäischen Ausdruck piv zu gebrauchen, und gar neben dem gleichbedeutenden Wort nywri? Was wollen ferner die Worte ron dvhd sagen, daß Gott eine Hilfe geschaffen, wie dieser Tag?