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Der Israelit · 1893-12-07 · Heft 97 (7.12.1893) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 97 (7.12.1893)
Date
1893-12-07
Page
– (sequence 4)
Language
German
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1838 sie deßhalb auf die Freuden der Erde verzichten? Nichts weniger als dieses. Dieses Licht ist der Erde und ihrer heiteren Gestaltung nicht gram und feind. Wohl fordert es den ganzen Einsatz des Lebens, aber nur um ihn wieder reichlich zurückzuerstatten. Wohl sind alle Güter und Genüffe des Lebens den Priestern des Gotteslichtes nur gereicht, um sie der Pflege dieses Lichtes zuzuwenden. Aber sobald dies geschehen, hört das Opfer auf, ein solches zu sein, wird der Verzicht zum Gewinn, und die Versagung zur Quelle des heitersten vor Gottes Auge erblühenden Lebensglücks. „Wenn Ihr in meinen Gesetzen wandelt und meine Gebete beobachtet und sie erfüllt, dann gebe ich Euern Regen zu ihrer Zeit, es giebt die Erde ihren Ertrag und der Baum des Feldes seine Frucht" u. s. w. (III. B. M. C. 26 V. 3, 4.) Wenn wir daher, wie dieses Jahr, gleichzeitig mit dem Anzünden des ersten Chanukkalichtes zum ersten Male wieder vom Himmel die Thau- und Regenspende erbitten, so legt uns dieses Zusammentreffen die beseligende Gewißheit nahe, daß hier in Wirklichkeit kein Zwiespalt waltet. Der irdische Gottessegen folgt den Spuren des Gotteslichts, er ist von ihm unzertrennlich. Für den an der Oberfläche hastenden Blick scheint zwischen raun und tddi ba raia derselbe Gegensatz wie zwischen Feuer und Wasser zu walten. Aber vor der eingehenden Beachtung löst sich ja sogar der Gegensatz zwischen Feuer und Wasser in vollendete Harmonie auf. Jahrhunderte. Jahrtausende lang mochte man im Waffer den Tod des Feuers erblicken. Unser Zeitalter der Etektrizität lehrt das Waffer als die Quelle, den Ursprung des Feuers begreifen. Das Element, welches bislang das Feuer tödtete, erzeugt es heute. Und wir sollten in einer Zeit, welche diese d’dj erzeugt, mit unserem Licht in der Hand an unseren alten d’m irre werden, sollten nicht auf die rnaVen myian unseres himmlischen Vaters auch für uns hoffen und beten und der heiteren Zuversicht auch des Wunsches entgegen sehen dürfen: nrwan »J’d b nxi nNtn rutwi n« '« wty T13 ■piDD rm'wn by nom bü .Detern “p3D »"to nmon d\jbo irrur "poi ZeitrrngSnachrichterr ttttb Correfpoudeuzeu. Deutschland. Berlin, 29. Nov. Die Generalversammlung des Vereins zur Abwehr des Antisemitismus fand gestern unter dem Vorsitz des Professors Dr. von Gneist statt. Dieser eröffnete die Versammlung mit dem Bemerken, daß dies die erste öffentliche Versammlung sei, die der Verein abhalte. Er hege zwar die Hoffnung, daß die häßliche Bewegung deS Antisemitismus von selbst im Sande verlaufen werde; indessen sei es Pflicht, etwas zur Abwehr zu unternehmen: daher sei der Verein gegründet worden. Ungefähr in demselben Sinne sprach sich Reichstagsabg. Rickert aus. Er gab sodann einen kurzen Ueberblick über die Thättgkeit des Vereins. Der Verein zählt in 963 Orten ca. 13 000 Mitglieder und zwar in Norddeutschland in 397 Orten 4400, in Süd- und Westdeutschland in 586 Orten 8500 Mitglieder. Im Jahre 1892 sind 90770 und in diesem Jahre ein Viertel Million Flugblätter verbreitet worden. „Der Antisemitenspiegel" ist in 20000 Exemplaren verbreitet worden. Es seien dies sehr anerkennenswerte Erfolge. Indessen sei noch viel zu thun: namentlich in den Kreisen der Gebildeten herrsche noch zu große Lauheit. Der Redner schloß mit der Aufforderung an Juden und Christen, den Verfin in seinen Bestrebungen nach Möglichkeit zu unterstützen. Nachdem noch einige Redner Vorschläge zur Förderung des Vereins gemacht hatten, wurde zur Vorstandswahl geschritten. Es wurden wieder resp. neu in den Vorstand gewählt: Wirkt. Geh. Ober- Justizrat Pr. Dr. Gneist, Abg. Rickert, Rentier Jonas (Berlin), Reichsrat Buhl (Vätern), Abg. Freiherr v. Stauffenberg (Baiern), Sanitätsrat Dr. Endemann (Kassel), Fabrikdtrektor Isidor Löwe und Kommerzienrat Rösicke (Berlin), Archivar Dr. Winter (Magdeburg), Pr. Dr. Stengel (Marburg), Rentier Charles L. Hallgarten (Frankfurt a. M.), Rechtsanwalt Dr. Fester (Frankfurt a. M.), Gymnasialdirektor Dr. Reinhardt (Frankfurt a. M.), Direktor Dr. Wullkow (Darmstadt), Stadtrat Weber (Charlottenburg), und Geh. Sanitätsrat Dr. Boas (Berlin). Berlin, 2. Dez. Der in Bernburg a. S. erscheinende und vom Buchdruckereibesitzer Karl Burghardt redigirte „General-Anzeiger" hatte einen Artikel über den Antheil der Juden am Verbrechen gebracht und am Schluffe desselben gesagt: . . . „Daraus ergiebt sich die Nothwendigkett, uns der Juden zu entledigen und wäre es durch einen Kaiserschnitt." Die Strafkammer beim Amtsgericht Bernburg erblickte hierin eine Anreizung der Bevölkerungsklasse der Arier zu Gewaltthätigketten gegen die Bevölkerungsklaffe der Semiten, insofern der Kaiserschnitt als gewaltsamer und blutiger Eingriff anzusehen sei. Sie verurtheilte deshalb am 24. August Herrn Burghardt wegen Vergehens gegen § 130 des Str.-G.-B. zu einer Geldstrafe. Die Revision des Angeklagten rügte unrichtige Anwendung des 8 130 und bestritt den Dolus. Jnbesondere sei eine naheliegende Befürchtung, daß Gewaltthätigketten wirklich eintreten würden, nicht vorhanden gewesen. Da jedoch von der Straf-

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