Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 97 (7.12.1893)
- Date
- 1893-12-07
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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bewährt sich der rücksichtslose Fanatismus des Unglaubens und unter dem Präsidium Curandas wurden die alten Reformbeschlüsse erneuert, um jetzt in die That übergeführt zu werden. An demselben Tage hielt R. Salomo eine Trauerfeier ab um seinen Schwager, den großen Preßburger Rabbinen R. Benjamin Schreiber ^"pirn. Kurz bevor er die Kanzel bestieg, erhielt er Kunde von den Vorstandsbeschlüffen. Am Schluffe der Trauerrede theilte er dieselben in großer Erregung der andächtigen großen Versammlung mit. Sein Amt im Rabbinatskollegium der Cultusgemeinde legte er sofort nieder und in kurzer Frist hatten sich 300 jüdische Männer um ihn geschaart, um unbekümmert und ungestört von reformatorischen Irrungen sich alle religiösen Einrichtungen selbstständig zu schaffen. Run wurden von den Wiener Vorgängen den bedeutendsten Rabbinen Oesterreichs, Deutschlands und Rußlands Mittheilung gemacht und 400 Rabbiner dieser drei Länder schloffen sich dem energischen Proteste des Rabbiners der Wiener Schiffschule gegen die Wiener Vorstandsbeschlüsse an. Rabbiner Spitzer hatte das Glück noch mehr denn 21 Jahre als Führer der Gesetzstreuen in der österreichischen Residenz segensreich zu wirken. Im verfloffenen Herbste gelang es seiner Gemeinde, die bis jetzt nur gemiethete Synagoge als Eigenthum zu erwerben und zugleich ein herrliches Bet-Hamidrasch zu erbauen. Dem Schreiber dieser Zeilen gegenüber drückte der Verklärte noch seine hohe Befriedigung aus, über das lang erstrebte, jetzt erreichte Ziel. Ein Theil der Predigten und halachtschen Vorträge, welche der Dahtngeschiedene während seiner langjährigen Amtsthätigkeit hielt, ist im vorigen Jahre von seinem Schwiegersöhne Rabbiner I. B. Cohn unter dem Titel nobv ppri herausgegeben worden. Wer dieses treffliche Werk liest, wird ermessen können, welchen kostbaren Schatz die Wiener Schiffschul - Gemeinde besessen hat unv welch' unsagbaren Verlust sie jetzt erlitten. Wir wissen dieser frommen Gemeinde keinen besseren Wunsch, als daß sie m. G. H. bald einen des großen Dahingeschiedenen würdigen Nachfolger finden möge. rnsun Versöhnte Hegensähe. Mainz, am 1. Tage Chanukka. Als gestern Abend die Feuerzeichen in der ganzen jüdischen Diaspora aufflammten, rang sich gleichzeitig die rfcw par excellence, die Bitte um Thau und Regen aus den bewegten Herzen über die?-bebenden Lippen. Feuer und Wasser, diese schärfsten Gegensätze, sie fanden sich versöhnt in der Licht zündenden Hand und in der Bitte um die Wafferspende deS Himmels zum Segen für den Ertrag der Erde. Dieses Zusammentreffen legt den Gedanken an die vielfachen Gegensätze nahe, die wir draußen überall feindlich als solche sich gegenüberstehen sehen, die aber im Lichte der jüdischen Welt- und Lebensanschauung ihre Schärfe nicht nur verlieren, sondern sich sogar zu einem harmonischen Ganzen vereinen. Die Wahrheit, die das Chanukkahlicht in die Welt hineinstrahlt und diejenige, die der Bitte um die Thau- und Regenspende zu Grunde liegt, thun dieses in einer Weise dar, wie sie selten sonst so unmittelbar als eben durch dieses Zusammentreffen zum Ausdruck gelangt. Der Gegenstand, dem das Chanukkalicht und derjenige, dem die Bitte um die Tau- und Regenspende gilt, stehen sich wie Geist und Körper, wie Himmel und Erde, wie Feuer und Wasser in sich ausschließender Gegensätzlichkeit einander gegenüber. Wie aber Gottes Allmacht die dtsparaten Gegensätze von Körper und Geist in jedem Menschen zu einem harmonischen Zusammenwirken vereinigt, wie er den Himmel friedlich über der Erde spannt, und aus Feuer und Wasser daS Firmament wölbt, so versöynt das jüdische Leben und Streben den feindlichen Zwiespalt, an dem viele außerhalb seines Kreises Stehenden verbluten. Warum zünden wir das Chanukkalicht an? niN^Jn fyn own by pp’ino urux ibbn nrun ■pron» by rwjw montan wjnrnn by\ . mempn „Diese Lichter zünden wir an wegen der Wunder und Zeichen, wegen der Siege und Kämpfe, die Du unseren Bätern beschieden hast, durch Deine heiligen Priester. Die ganzen acht Chanukkatage sind diese Lichter heilig und wir sind nicht berechtigt uns ihrer zu bedienen, sondern dürfen sie nur ansehen um zu huldigen Deinem Namen für Deine Wunder, für Deine Siege und Deine Zeichen." Wahrlich, wenn man von dem Wunder, für dessen Gedächtniß Chanukka gestiftet ist, einmal ganz absteht, welches Wunder repräsentirt doch die Art und Weise seiner Feier, mit welcher die Zerstreuten seit mehr als zweitausend Jahren in einer Zerstreuung sonder gleichen sich für dieses Fest im Geiste zusammenfinden l Ohne Land und Boden, ohne jeden äußeren Halt, ohne jedes Band, ohne Tempel, ohne Priester, ohne Fürsten, kurz ohne jede Veranstaltung und Verabredung, leuchten in diesen Nächten die Lichter in den Hütten und in den Palästen der Exulanten und die aufblitzenden Flämmchen bilden einen Lichtgürtel, der über Länder und Meere reicht und alle Versprengten und Verlassenen mit einem einheitlichen Bruderband umschlingt! Was führt die räumlich Geschiedenen im Geiste und der Gesinnung zusammen? t> .iipv