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Der Israelit · 1893-12-04 · Heft 96 (4.12.1893) · page 8

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 96 (4.12.1893)
Date
1893-12-04
Page
– (sequence 8)
Language
German
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1826 Besuch der Karlsbader Bäder dringend nöthig sei, und Heinrich Wecold wäre nicht er selbst gewesen, wenn er es nicht auf sich genommen hätte, dies zu ermöglichen. Er machte dem Schneider davon Mittheilung, und zum erstenmale fühlte er sich durch einen aufleuchtenden Dankesblick belohnt. Diesmal wies Zwillich die Hilfe nicht zurück. Wecold begann also mit erhöhtem Eifer die Stadt wiederum in Contribution zu setzen, unermüdlich drängte er seine armen Mitbürger um Geld. Er nahm alle Verwünschungen hin, alle Vorwürfe, aber die verlangten Beträge mußte man ihm geben. Er selbst spendete am meisten. „Freilich" fluchten die Leute, „erst hat man den Kerl krank gefüttert, jetzt muß man ihn curiren, damit sein Magen wieder geräumig genug sei, die Stadt zu fressen. Und alles das auf Kosten dieser selben Stadt!" Endlich war Simon Zwillich mit dem Nötigen versehen und konnte seine Reise antreten. Mit tiefem Ingrimm sahen ihn die Drillichauer davonfahren, ihn und seine Familie, die ihn bis zur nächsten Eisenbahnstation begleiten sollte. Nur der gerührte Armenvater hatte das Gefühl, als verschwinde mit dem Schneider sein ganzes Glück ans dem Städtchen. . . . Und darin täuschte ihn sein Gefühl nicht. Er erfuhr es schneller, als zu erwarten stand, denn schon am Abend desselben Tages brachte der Miethkutscher die niederschmetternde Nachricht, daß sich Zwillich gar nicht zur Station habe fahren lassen, sondern in das Nachbarftädtchen, wo er bleiben wolle, um sein Handwerk auszuüben. Er danke den Herren für die Geldmittel, die sie ihm hierzu geschenkt. Er wäre wohl gern nach Karlsbad, um sich auszucurriren, dann müßte er aber nach Drillichau zurück — und das halte ein Schneider nicht aus, dieses Leben, Wecold habe ihn vertrieben, er wäre erstickt und elendiglich zu Grunde gegangen unter einer solchen Wohlthätigkeit. Er bitte um ihre Kundschaft, er sei ein guter Schneider. Die Leute sahen sich danach an und brachen in erschütterndes Lachen aus. Sie fühlten sich mit einem Mal frei von dem, das auf ihnen gelastet gleich einem Alb. Nur Heinrich Wecold ging umher wie Einer, den ein schwerer Schicksalsschlag getroffen. Er wüthtete, knirschte mit den Zähnen und schrie über gemeinen Undank. Er wollte durchaus processiren mit dem Armen, der ihm durchgegangen war und sich seinen weiteren Wohlthaten heimtückisch entzogen hatte. Tags darauf hatte er aber wieder einen neuen Hilfsbedürftigen entdeckt und sich mit demselben bereits ins Einvernehmen gesetzt. Es war aber zu spät. Die Bürger hatten ihren Austritt aus dem Vereine angemeldet, ehe Wecold neuerdings an sie herantreten konnte. Sie waren dieser Wohlthätigkeit satt für ihr ganzes Leben. Es schien ihnen zu kostspielig, die Armuth durch Wecold'sche Mittel aus der Welt und die Armen ans Drillichau zu schaffen. Da hätten sie alle selbst auswandern mnffen. Der Armeuvater aber sucht nach einem neuen Gebiet für seine gemeinnützige Thätigkeit. Bis er sie findet, ist es nicht rathsam, mit ihm anzubinden. Das Lachen insbesondere kann er nicht vertragen. Wochen - Kalender. Freitag, 8 Dezember, 29. Kislew. Sabbat-Anfang in Mainz 4 Uhr 15 Min. (M. E. Z.) Samstag, 9. Dezember, 30. Kislew. n" Ti 'N , y p D Sabbat-Ausgang in Mainz 5 Uhr 15 Min. (M. E. Z.) Sonntag, 10. Dezember, 1, Tebeth. n"T7 '2 0? Montag, 11. Dezember, 2. Tebeth. nimn rüjn Der »Israelit* erscheint wöchentlich zweimal, Montag- Mld Donnerstags, jedesmal in mindestens zwei Bogen. Preis des Jahrgangs für Deuffchland und Oesterreich 12 Reichs-Mark, für'S Ausland 16 Reichs-Mark. Man abonnirt ganzjährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlungen und Postämter nehmen Bestellungen an. — -urch den Kuchyandrl 1» bestehen bet«. F. Ktrinackrr, Leipzig. 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