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Der Israelit · 1893-12-04 · Heft 96 (4.12.1893) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 96 (4.12.1893)
Date
1893-12-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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1824 des Kraffo-Szörenyer Comitates fungirt hatte, ist im hohen Alter aus diesem Leben geschieden, tief betrauert von seiner Gemeinde und seinen zahlreichen Verehrern. An seinem Leichenbegängnisse waren die hervorragendsten Gemeinden Südungarns durch Deputationen vertreten. England. London. (Zur Judenfrage.) Die Mißstimmung gegen die mittellosen jüdischen Einwanderer, die den englischen Arbeitsmarkt überschwemmen und sich mit den geringfügigsten Löhnen begnügen, nimmt in England und namentlich in London zu, je fühlbarer sich der Winter macht und je schwerer es den Einheimischen wird, Arbeit zu erlangen. Die Verhältnisse liegen nun gegenwärtig theils wegen der allgemeinen Geschäftsstille, theils infolge des Kohlenarbeiterstreiks ungemein ungünstig und dürften sich im Verlaufe des Winters noch wesentlich verschlechtern. Aus diesem Grunde richtete der Centralausschuß der Arbeitslosen eine Aufforderung an den Londoner Oberrabbtner, seinen Einfluß dahin geltend zu machen, daß sich der Zuzug von Juden aus dem Osten Europas vermindere. Der Anblick der gewaltigen Mengen von Juden, die sich aus Rußland hierher flüchten, wo sie die ohnehin schon schrecklich überfüllten jüdischen Arbeiter kolonien überschwemmen, heißt es darin unter anderem, ist Entsetzen erregend. Diese bedauernswerthen Ausgewiesenen glauben, daß sie sich in England mit Leichtigkeit ernähren könnten, während sie thatsächlich nur ein Elend mit einem anderen vertauschen. — Diese Schilderung ist in keiner Weise übertrieben, aber die Warnung, die der Rabbiner nach Polen und Rußland richtete, geht verloren, weil sie dort nicht veröffentlicht wird. Türket. Ealonichi, 20. November. Unser Chacham Baschi, Rabbi Jakob Hananjah Kowo »% wurde von unserem Valt (General-Gouverneur) darauf aufmerksam gemacht, daß noch immer mehrere hundert Familien hier in Quartieren wohnen, in denen es sowohl an Licht wie auch an Luft mangelt und die daher für den Gesundheitszustand unserer Stadt immer gefahrdrohend sind. Die Cultusgemeinde möge daher diese Familien delogiren und in gesünderen Wohnungen unterbringen. Der Chacham-Baschi hat diese behördliche Aufforderung sogleich zur Kenntniß unserer Parnassim (Vorsteher) gebracht. vermischtes. In Fraukfurt a. d. Oder starb im Ater von 1023/4 Jahren der Handelsmann Tobias Cohn. Bis zu seinem Tode war der Verstorbene körperlich und geistig rüstig; mit ihm ist der älteste Burger Frankfurts zu Grabe getragen worden. Feuilleton. Der Arrnenrmter. Skizze aus dem jüd. Gemeindeleben einer galizischen Kleinstadt. Von Manuel Schnitzer. (Schluß.) (Nachdruck verboten.) Wecold strahlte vor Wonne. Er nahm Alles in die Hand, ordnete Alles an, kümmerte sich um Alles. Er kam in aller Frühe, um die Hausfrau daran zu erinnern, daß heute ihr Tag sei, und entfernte sich mit einem vergnügten Lächeln, wenn es ihm gelungen war, sie zu überzeugen, daß gebratenes Fleisch viel zuträglicher sei für den Magen eines kranken Menschen, als in Suppe gekochtes. Mittags stürmte er wieder ins Haus, um die Absendung der Speisen zn veranlassen oder eine geschehene Verspätung zu rügen. Dabet gelang es ihm hie und da, für die armen Zwillichs ein Fläschchen Compot abzuschmeicheln oder irgend ein Kleidungsstück, mit dem er sich dann spornstreichs zum Schneider begab, um die Herrlichkeit vor ihm auszubreiten. Mit einem Wort Heinrich Wccold war glücklich — am glücklichsten jedoch im Kreise seiner Schützlinge, bei denen er jetzt seine Nachmittage zubrachte, um Berathung zu pflegen über weitere Action. Man konnte in der sauberen Stube wohl sitzen und behaglich fühlen, trotz Zwtllich's weinerlicher Opposition. Denn der blieb dabet. daß ihm Erdäpfel mit Milch weit besser geschmeckt hätten, als die fetten, leckeren Bissen seines Elends, die ihn müde und faul machten. Er wolle Arbeit haben, nichts als Arbeit, sagte er. Dabei ließ er sich die Cigarren, mit denen ihn Wecold versorgte, sehr gut schmecken, wiewohl er versicherte, daß sie ihm Unbehagen verursachten wie sein ganzes gegenwärtiges Dasein. Er war überhaupt unzufrieden, trotzdem seine Wangen sich füllten und die Röthe der Gesundheit annahmen, trotzdem seine Kinder gediehen und sein Weib sich außerordentlich wohl fühlte in dem sorglosen Leben. Das ging so weiter zwei, drei Monate. Zwillich blieb so sehr die Hauptperson des Städtchens, daß ein Witzbold schon meinte, man solle den Ort,, Zwillichau" nennen anstatt Drilltchau, weil man doch nichts von Anderem spreche als von diesem Schneider. Die Pressungen um milde Gaben, um Speisen, Geld und Kleidungsstücken von Seite Wecold's nahmen kein Ende. Hatte man sichs aber in der ersten Zeit, um ein gutes Herz zu zeigen, gerne gefallen lassen, so begann man jetzt zu murren über die Steuer, welche der Armenvater der Gemeinde auferlegt, über diesen schweren Tribut, den man nicht mehr leisten konnte,

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