Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 96 (4.12.1893)
- Date
- 1893-12-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1823 Lehramt, sondern für einen kaufmännischen oder gewerblichen Beruf weiterbilden wollen, war für uns Veranlassung, für solche Kinder einige Abendstunden für den Unterricht in kaufmännischem Rechnen und Aufsatz einzusetzen. Wiederholt bereits ist an dieser Stelle darauf hingewiesen worden, daß unsere Unterrtchtsökonomik, wiewohl sie mit den für Präparandenschulen gegebenen Normen und Satzungen zu rechnen hat, dennoch stets darauf gerichtet war, auch solchen Schülerkategorien Rechnung zu tragen, die für einen kaufmännischen Beruf vorgebildet sein und die für diesen Zweck nothwendigen Kenntnisse und moralischen Fähigkeiten sich aneignen wollen. Der Kampf um's tägliche Brot, der heutzutage nur wenigen erspart bleibt, erfordert von jedem ein tüchtiges Maaß solider Kenntnisse und Fertigkeiten für die Ausführung des erwählten Berufs und einen durch gründliche Unterweisung gefestigten religiös-sittlichen Charakter, um unter den Versuchungen des Erwerbslebens von der Rechtschaffenheit und Treue nicht zu lassen. Mit Ausschluß der Musikfächer gibt der Präparandenschulunterricht der in der Volksschule gewonnenen Grundlage der bürgerlichen Allgemeinbildung die uöthige Erweiterung und Vertiefung und ist besonders geeignet, für das praktische Leben vorzubereiten; und die tiefere, nach ethischen Gesichtspunkten geleitete Erziehung und religiöse Unterweisung, die wir hier bieten, schaffen in den Kindern Ueberzeugungen von so festem Grund und Boden, wie sie besonders der mitten im Weltgetriebe stehende Kaufmann oder Gewerbetreibende zur standhaften Ueberwiuduug der Lebensversuchungen nöthig hat. Man wende ja nicht ein, ein Religionsunterricht, der an die urtextliche Behandlung der hl. Schrift sich aulehnt, sei für Schüler dieser Kategorie zu hoch. Verlangt ja eine nutzbringende Thcilnahme an dem Gottesdienste von jedem Israeliten die Kenntniß der hebräischen Sprache als geweihtes Mittel der Erhebung beim Gebet, auch wird das Kind eine klare Anschauung von der Gedankenhoheit der hl. Schrift nur dann zu empfangen vermögen, wenn es dieselbe in der Ursprache zu lesen versteht. An der Hand des Urtextes ist auch dem Lehrer ein Eingehen auf die einzelnen Glaubenslehren und Religionsvorschriften leichter, als an der eines sogenannten Leitfadens, und auch der Schüler wird die vorgetragenen Lehren tiefer und bleibender erfassen, wenn er sie durch das Mittel einer fremden Sprache sich erwerben und erringen mutz. Damit der auf diesem Wege gewonnene Reichthum an religiösen Lehren und Anschauungen ein geordnetes Besitzthum im Kopfe des Kindes werde, wird die Befestigung und Wiederholung des aus den Religionsquellen Gewonnenen an der Hand eines guten Leitfadens vorgenommen; doch bleibt das Studium der hl. Schrift und deren Erläuterung die Hauptquelle für den Vortrag der Pflichten und Glaubenslehren an unserer Schule. Die Erwählung des Vorstandes unserer Schule, des Dr. Deutsch, zum Oberrabbiner von Altona und die Ablehnung dieser Stelle von seiten desselben war im abgelaufenen Jahre ein für unser Vereinsverwaltung so schwerwiegendes Ereigniß, daß es wohl verdient durch geeignete Beurkundung an dieser Stelle in der Erinnerung festgehalten zu werden. Die Mitglieder der Verwaltung danken chrem^Vorsitzenden für diesen in opferbereiter idealer ^elbstlosigeit gefasten Entschluß. Wolle ein barmherziger Gott den Einsatz an Kraft und hehrer Begeisterung, die freudig und gern auf irdische Vortheile und materiellen Gewinn verzichtet, durch fegensvolle Erfolge lohnen und dem zur Ehre seines Namens errichteten Werke auch ferneres Gedeihen schenken. Die Zahl der Schüler im abgelanfenen Jahre betrug 48. 7 Zöglinge des Oberkurses erhielten die Reife für den Eintritt ins Seminar znerkannt. Die Einnahme und Ausgabe beziffern die Summe von M. U699, 65. Die E gebniffe des abgelanfenen Jahres lassen wieder den gedeihlichen Fortgang des aus winzigen Anfängen hervorgegangenen Instituts erkennen. Das Bemühen, das Interesse wohltätiger Kreise auf unsere Bestrebungen zu lenken, ist wieder von Erfolg begleitet gewesen. Mit Stolz und Freude werden alle unsere Gönner, mit hohem Interesse die Freunde unsrer Sache davon Kenntniß nehmen, daß wir wieder einen tüchtigen Schritt nach vorwärts zurückgelegt haben. Aber noch ist die Zeit des Kampfes und der Mühen nicht vorüber. Noch sind unsere Mittel im Berhältnitz zu der Größe der Aufgabe, die wir zu erfüllen haben, leider sehr beschränkte. Aber gleich g'vß wie die uns gestellte Aufgabe ist unser Vertrauen auf deren glückliche Lösung. Die unschätzbaren Klüfte, die uns bisher helfend und stützend zur Seite gestanden, werden uns auch in Zukunft nicht verlassen, damit die gute Sache gedeihe und weiteren nutzbringenden Fortgang nehme. „Alles, was zur Ehre Gottes unternommen und durchgeführt wird, hat Zukunft, Dauer und Bestand." Möge die Schule, aus der schon seit vielen Jahren der Segen des Wissens und der Erkenntniß in so reichem Maße ausgegarnen, sich auch fürder in der Fülle ihrer wohltätigen Wirkungen zum Heil und Nutzen unseres Glaubens erweisen können. O e st e r. -Ungar. Monarchie. Lugos, 26. Novellier. Unser verehrter Oberrabbiner Rabbi Salomon Reiß, der durch volle achtunddreißig Jahre zugleich auch als Oberrabbiner