Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 96 (4.12.1893)
- Date
- 1893-12-04
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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1822 Schmerzlich ist es nunmehr, von einem schweren Verluste Kunde zu geben, den die hiesige Gemeinde erlitten hat. Banquier JosephHeymann Landsberg, Sohn des vor ca. 10 Jahren verstorbenen ehrwürdigen '-i, ein Nachkomme des vnpiin ':ddh 'nN mirp '■) ]trn, der im Jahre 1736 den Märiyrertod erlitt, ist nach mehrtägiger Krankheit im 61. Lebensjahre verschieden. Er war der letzte Sproß einer edlen, durch my ."6rai min, d'dp hervorragender Familie, deren Geschichte, mit der Geschichte unserer Gemeinde innig zusammenhängt. Aber nicht nur seiner Abstammung, sondern auch seinem ganzen, eigenen Weien nach, war er ein edler, hochsinntger Mann. Wohl Niemanden in unserer Gemeinde gibt es, dem er irgendwie unrecht gethan oder den er auch nur verletzt hätte, Hunderte dagegen, denen er Gefälligkeiten und Wohlthaten erzeigt hat. Seine reichen Mittel setzten ihn in den Stand, dem Zuge seines Herzens zu folgen und manches Elend zu lindern, aber am liebsten war es ihm, durch dritte Hand den Bedürftigen Wohlthaten zu spenden. Als Mitglied der vielen Wohlthätigkeitsvereine, so wie des Vorstandes der alten Betschule bethättgte er eine bkispiellose Opferfreudigkeit, die den Interessen der Institute ungemein förderlich war. Erst jetzt, nach seinem Tode, werden Züge bekannt, die einen Blick in sein edles Herz gestatten. Den Interessen der p*w man: widmete er sich ebenfalls mit Eifer und verwaltete die eingehenden Gelder mit besonderer Sorgfalt. Das außerordentliche Leichenbegängniß war ein Zkugniß von der großen Liebe, die der Verstorbene sich in dem Herzen der Gemeindemitglieder erworben, aber auch Auswärtige waren herbeigekommen, um an demselben theilzunehmen. Herr Rabbiner Dr. Feilchenfeld gab den allgemeinen Gefühlen in seiner Ansprache an der Bahre beredten Ausdruck — es waren p iwn d*w, denn auch er stand demVerewigten, wie auch schon dem Vater desselben, persönlich nahe. Am Beerdigungstage wurden laut der Anordnung des Verstorbenen der städtischen Armenverwaltung und dem israelitischen Armenverein je 500 Mark überwiesen. Ob außerdem noch Legate zu wohlthärtgen oder gemeinnützigen Zwecken festgesetzt wurden, wird erst nach Eröffnung des Testamentes bekannt werden. Burgpreppach, 30. Nov. Dem soeben zur Ausgabe gelangenden Jahresbericht über die Israel. Präparanoenschule „Talmud Thora" zu Burgpreppach für das Schuljahr 1892/93 entnehmen wir: Die außerordentliche Entwickelung, welche alle Verhältnisse des geistigen, sittlichen und socialen Lebens der Menschheit in den letzten Jahrzehnten genommen haben, ließen die Nothwendigkeit einer Neugestaltung derjenigen Unterrichtsanstalten, welche für diese Verhältnisse vorbereiten, immer mehr erkennen. Die Reform des Unterrichts bildete darum im abgelaufenen Jahre einen wichtigen Berathungsgegenstand der hiefür maßgebenden Faktoren. Auch die Lehrerbildung, welche zuletzt durcb die Bestimmungen des Normativs vom 29. September 1866 geregelt worden ist, wurde eingehender Verätzung einer vom kgl. Staatsminifterium hiefür einbcrufenen Kommission unterstellt. Die Vorbildung der Schulamtskandidaten an der Präparandenschule soll erweitert und vertieft werden. Unter den bestehenden Verhältnissen müßte naturgemäß das eine das andere ausschließen. Denn je größer die Summe von Kenntnissen ist, die der Schüler seinem Gedächtnisse einzuprägen hat, um so geringer wird die intuitive Kraft des Geistes, die hierbei zur Bewährung kommt, sein können; und je mehr Ausdehnung die Unterrichtsfächer erhalten, um so weniger Zeit wird für die eigentliche Erziehung und Bildung übrig bleiben. Uns ist es schon jetzt, bei der zeitlichen Ausdehnung, die dem Musikunterricht im Rahmen des Lehrplanes gegeben werden muß, nur sehr schwer möglich, dem religiösen Unterricht diejenige Stellung zu erhalten, die er an unserer Schule bisher behauptet hat, und aus welcher er nicht verdrängt werden darf, wenn die Schüler als einstige Lehrer befähigt sein sollen, die Lehre ihres Bekenntnisses mit Erfolg lehren und vertreten zu können. Die in der Kammer der Abgeordneten bereits angekündigte Einführung eines vierten Pcäparandenkurses, welche für den Beginn des Schuljahres 1894/95 in Aussicht genommen ist, wird darum im allgemeinen, insbesondere aber für die von uns erstrebten Ziele, sich nur dann als ersprießlich erweisen, wenn nach dem Grundsätze multum non multa verfahren und an dem bisherigen Bestände :e§ Unterrichtsplanes festgehalten wird, so daß die verlängerte Bildungszeit an der Präparandenschule bloß zum Zwecke der Vertiefung und einer bessern Verthcilung des Lehrstoffes wird nutzbar gemacht werden können. Immerhin stellt die geplante Neueinrichtung uns vermehrte Ausgaben in persönlicher und sachlicher Beziehung in Aussicht, die wir nur im Vertrauen auf die Unterstützung der edlen Kräfte, welche unserm Bemühen bisher helfend zur Seite gestanden, zu übernehmen den Muth finden können. Mögen unsere theilnehmenden Freunde, welche die Entwickelung unserer Schule bisher mit hilfsbereitem Sinne gefördert haben, uns ihre Zuwendungen in um so reicherem Maaße zufließen lassen, je größer und schwieriger die Aufgaben sind, die wir in dem kommenden Jahre zu lösen haben werden. Die steigende Frequenz an unserer Schule durch den Besuch solcher Kinder, welche sich nicht für das