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Der Israelit · 1893-12-04 · Heft 96 (4.12.1893) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 96 (4.12.1893)
Date
1893-12-04
Page
– (sequence 3)
Language
German
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I8SI leben habe, er hatte denselben Anspruch auf die Abgaben und den Armenzehnt wie jeder jüdische Arme, man mußte ihm helfen und ihn schützen in jeder Noth und Bedrängniß (Deutronomium 17, 19). Jede Unterdrückung desselben, jede Zurücksetzung, jede Verkürzung, jedes verletzende Wort, das ihn in seiner Empfindlichkeit zu kränken geeignet ist, wird auf das Strengste untersagt und als Beleidigung des Allerhöchsten und All gütigen betrachtet. (Maleachi K. 3, V. 5). Wenn man nun die oben erwähnten Anschauungen der arischen Völker den Grundsätzen des jüdischen Volkes in Bezug auf die Fremdengesetze gegenüberstellt, dann begreift gewiß jeder vorurtheilsfreie unbefangene Mensch, daß diejenigen, welchen heute alles, was ihnen nicht vollkommen in Herkunft, Abstammung, Nationalität und Race gleicht, deßhalb fremd, schädlich und rechtlos scheint, in ihrem ganzen Wesen den oben citirten Ariern gleichen, welche in ihrem engherzigen Eigendünkel am wenigsten berechtigt sind, die alles fassende Liebe, die der semitische Hebräer bekundet, anzuklagen, und es ist auch begreiflich, daß auch viele unserer Zeitgenossen, welche auf ihre arische Abstammung stets mit Stolz und Ueberhebung pochen, demjenigen die volle Gleichberechtigung absprechen, welcher nicht von derselben Herkunft ist wie sie, gleichviel ob derselbe moralisch höher steht oder nicht. Die Unduldsamkeit gegen alles Fremde ist eben ein Vorzug und bleibt ein Vorzug solcher „Arier", während die weltumfassende Liebe als Stammesfehler der semitischen Race gilt. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Berlin, 28. Nov. Unser Westen hat eine Gemeinde-Synagoge bisher noch nicht erhalten, trotzdem gerade in diesem Stadttheile eine sehr große Anzahl von Gemeindemitgliedern wohnt, welche den Mangel einer Andachlsstälte sehr empfindet. Die Prtvat-Synagoge an der Potsdamer Brücke kommt hierbei nicht sehr in Betracht, da sie nur klein ist und bet der großen Ausdehnung des Westens zu schlecht liegt, um leicht erreicht zu werden. Diesen Nothstand erkennt auch unsere Gemeindevertretung an und es ist zu hoffen, daß ihm recht bald abgeholfen wird. Mit Freude ist es nun zu begrüßen, daß sich in der Gegend am Zoologischen Garten die Religionsvereinigung „Westen" zum Zwecke eines regelmäßigen Gottesdienstes gebildet hat. Derselbe findet in zwei hierzu eingerichteten Räumen, Joachimsthalerstr. 3, vorläufig nur an jedem Freitag Abend! und am Sonnabend Bormittag statt; es wird späterhin ein täglicher Gottesdienst beabstchtigt. Die neue Einrichtung hat immer mehr Theilnehmer, welche derselben das größte Interesse entgegenbrtngen. Erscheint demnach das Bestehen der Vereinigung, welche sich aus kleinen Anfängen entwickelt hat, gesichert, so dürste der Nebenzweck einer „Chewra" gleichfalls viele treue Anhänger finden. Die Vorsteher Herren S. Mugdan, Eislebenerstr. 15 und Herr S. Pagel, Kleist 16, sind zur Aufnahme neuer Mitglieder und zu jeder Auskunft gern bereit. Dem regen Bedürfnisse nach einer Andachtsstätte im Westen ist somit wenigstens zu einem kleinen Theile Rechnung getragen. Möge die junge Vereinigung erstarken und das gesteckte Ziel erreichen: eine Pflegestätte jüdischen Geistes zu werden! — Posen, im November. Unsere beiden Betschulen, die zur bessern Unterscheidung die alte und neue genannt werden, wobei nickt zu vergessen ist, daß auch die sogenannte neue schon das ehrwürdige Alter von mehr als 3 Jahrhunderten erreicht hat, müssen sich nun zum fm du stecle eine durchgreifende Neuerung gefallen lassen. Sie werden mit Anlagen zu unterirdischer Heizung versehen. Man hofft auf diese Weise den Synaaogenbesuch zu heben, der namentlich im Winter leider sehr spärlich ist. Ob der Erfolg freilich die .aufgewandten Kosten lohnen wird, ist allerdings sehr problematisch, denn leider ist auch im Sommer der Synagogenbesuch eben nicht so, wie er sein sollte. Doch hoffen wir, daß die nicht unbedeutenden Kosten und Anstrengungen nicht vergebens aufgewandt sind. Denn so ganz und gar demJndifferenttsmus ergeben, ist unsere Gemeinde noch keineswegs. Als Beweis dafür diene die Mitthetlung, daß die Bildung eines neuen Vereins „für jüdische Geschichte und Literatur" bevorsteht. In einer zu diesem Behufe berufenen Versammlung hielt Dr. Karpeles einen höchst ansprechenden Vortrag, in welchem er ausführte, daß die Juden aller Zetten sich mit Erfolg an den Culturbestrebungen der Menschheit betheiligt haben. Dieser Nachweis hat zwar nicht das Verdienst der Neuheit für sich, da schon vor Jahren Professor Schleiden eine Schrift gleichen Inhalts veröffentlicht hat; gleichwohl war das Thema dem größten Theile des zahlreich erschienenen Publikums fast gänzlich neu und machte daher einen überraschenden Eindruck. Es war daher thatsächlich nothwendig, wieder einmal darauf hinzuweisen, ein uiyu -m Die Idee eines solchen Vereins hat daher aüseitige Sympathie gefunden und wird wohl in nächster Zeit die Constituirung erfolgen. Ob auch zur Förderung wahrhafter Religiosität etwas dabei herauskommen wird?

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