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Der Israelit · 1893-11-30 · Heft 95 (30.11.1893) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
34 (1893)
Issue
Heft 95 (30.11.1893)
Date
1893-11-30
Page
– (sequence 10)
Language
German
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i$04 einem jammervollen Zustande. Ein solches Bad befand sich früher auch im Norden Londons, wurde aber vor etwa zehn Jahren von der Besitzerin wegen zu geringer Frequenz aufgegeben. Mr. JameS Loewe, Sohn des rühmlichst bekannten Dr. Loewe b ui, bemühte sich dieses rituelle Bad vor dem Untergänge zu retten und wandte sich zu diesem Behuse an*den Chief Rabbi: dieser verwies denselben an den damaligen Vorstand, the ^resident of the United Synagogue. Von dem Letzteren wurde der Bescheid, daß die Gemeinde für derartige Institutionen kein Geld habe, gab jedoch den Rath, daß man sich an die in benanntem Bezirke bestehenden Synagogengemeinden wenden möge. Alle fernere ^Bemühungen von Seiten des Mr. Loewe blieben erfolglos, und so ist in dem großen, viele Meilen umfassenden Nordende Londons, in welchem sich etwa 2000 jüdische Familien und 4 Synagogen befinden, nicht ein einziges rituelles Bad. — Kommen wir nun auf die versuchten Widerlegungen des Londoner Correspondenten zurück, und halt>n wir uns nur an die Hauptpunkt. Derselbe erklärt: „Die citirte Aussage des."ersten Controleurs, daß, seitdem der Waffereimer gebrochen sei, habe er kein Gesäß, um das Fleisch zu wässern, ist wohl zu lächerlich, um einer ernsten Widerlegung zu bedürfen." Freilich ist es lächerlich, aber wahr ist es auch! Die citirte Aussage wurde gemacht von Mr. Joel, dem ersten Controleur, in Gegenwart von Meffrs. Lippmann, Kirchenbein, Salomon/ A. Metzyck. Offenbarl befand sich Mr. Joel in Verlegenheit, als er in die <*nge getrieben, nicht zu widersprechen vermochte, daß das Fleisch nicht gewässert wird, und stotterte obige Aussage aus. — Der Herr Correfpondent übergeht vorsichtig den Bericht des Jewish Ohronicle Nr.s1l53 vom 9. Mai 189lüber^die Sitzung der Koscher Fleisch-Händler, in welcher unter Anderem unwiderlegbar conftatirt wurde, daß der Verkauf^von Nierenfett an Jehudim schon seit 20 Jahren stattfindet und nunmehr unmöglich eingestellt werden könne. Dieser Bericht '''wurde niemals dementirt. Der nächstfolgende ausführliche Bericht im Jewish Chronicle N>. 1154 vom 15. Mai 1891 Lüber die?Versammlung benannter Fleischer mit dem 1"2 und Angestellten in der Office des Chief Rabbi und deren Beschlüsse wurden zwar am 22. Mai in demselben Blatte Nr. 1155 von Mr. van Thal, dem.'Untersuchungsbeamten des Board ok Schechita rundweg als nicht corrrct bezeichnet und in ihren Einzelheiten als unrichtig erklärt. Welchen Werth aber ein derartiges Dementi von Mr. van Thal hat, das werden wir im weiteren Verlaufe dieses Schreibens zeigen. In der diesjährigen Versammlung der Metzger, über welche der Jewish Chronicle vom 28. April ausführlich berichtet, wurde einstimmig erklärt, daß die Mehrzahl der DODilff nichts von dem Porsche« verständen und als Regel überhaupt erst am Platze erscheinen, wenn das Fleisch, natürlich ungeporscht, bereits an7die Kundschaft^ befördert sei. Auch von dieser Sitzung, aus welcher kein Widerruf erfolgte, erwähnt der Herr Correfpondent nichts." An dem nächsten dieser Sitzung folgenden rot? wurde während des Haschkomo, im Hause der Mr. Jameson, ein anwesender *10110, Mr. Cohen, befragt, was er auf die Behauptungen der Metzger betreffs der D’inw zu sagen habe; derselbe erwiederte in Gegenwart sämmtlicher Anwesenden ungefähr Folgende-: „Ich persönlich thue meine Pfiicht, soweit«es in meiner Macht steht; bin zur Zeit an meinem Platze; kommt Jemand und verlangt Cheilef oder ungetreiberteS (nicht geporfchteS) Fleisch, so mache ich den'Käufer stets darauf aufmerksam, daß solches treise und zum Genuß unerlaubt sei; er erhalte aber immer von den Käufern die Antwort: „wind yonr own business“ (Kümmern Sie sich umlsich selber) und der Metzger verabfolgt Verlangtes." — Wir vermögen übrigens an Ort und Stelle zahllose Beweises» bringen, daß auch Leute, welche nur.,“)t£0 Fleisch verlangen, ungeporschtes Hinterviertel-Fleisch und Cheilef erhalten haben. — Auf die Behauptung des Correspondenien. daß die O'Drw verpflichtet seien, sich gegenseitig die Messer! zu zeigen, habe ich zu erwiedern: Diese Messerfrage war j auch einer von den Hauptpunkten, welche die Machsike > Haddas geregelt haben wollte, und erst als derselben j dieses sowohl als alle andere Forderungen zur Verbesserung der Schechita und^Bedika" entschiedenl verweigert; worden und wiederholt verweigert worden war, erst dann richtete die 71 'o eine eigene HDTltJ' ein. j Es befinden sich hier in London?l35 bis7l40 Fleischeri laden unter Herrn Dr. Adler, die in meilenweiter Entfernung in! dieser Riesenstadt von einander situirt sind. Um alle diese j zu besuchen, bedürfte ein guter Reiter auf schnellem Rosse mindestens mehrere Tage, jedoch ohne sich bei denselben auch nur einige Minuten aufzuhalten; und da wird Ihnen berichtet," daß zweiLSchomrim dazu bestellt sind, sämmtliche Fleischerläden zu besuchen, um dort das Wässern! zu verrichten; es ist,-diese Behauptung ebenso plump und? lächerlich, wie es alle die übrigen aus derselben Feder gestossenen sind. — Es heißt dann weiter: „Das vorzügliche Belh Din ist ungemein wachsamIüber-den religiösen Lebenswandel der unter seiner Aufsicht stehenden Fleischer. Die; Anaabe'wegen angeblichen 0210 undIFleischverkauf an mincr sind bestimmt Verleumdungen. Sollte ein solcher j Fall vor das ‘1 'D kommen, so würde sden Metzgern ihre! Erlaubniß sofort ohne Gnade entzogen werden." Zum i Ueberfluß*wollen"wir auch für diese Thatsache die näheren : Daten anführen. Am 1D1D3 rot0 Abend, kurz vorlEingang von r>il?2t0, begaben"sich Mr. Goodmann und Mr. Hermann, zwei uns seit Jahren bekannte;zvort,effliche?Jehudim, auf! den Weg zur Synagoge und bemerkten, daß ein Fleischer, ' mit Namen Jacob CzerstarSki, Nr. 1t Fieldgate Srreet : Whitechapel, in seinem Fleischerladen 'offen und genau ersichtlich sein Geschäft, wie. an jedem 'anderen^Tage, betrieb,; Fleisch aushackte, wog und von den Käufern das Geld dafür? entgegennahm. Ein solcher 0"'l 021? von Seiten eines j Metzgers war den7betreffenden'Herren zwar keine neue Erj scheinung, dieselben'beschlossen aber,5hier einmal einen Testi fall festzustellen; dieselben traten in den Laden, erklärten ' den Anwesenden, daß das FleischMieses Metzgers schon in , Folge öeffen!Jfretfe sei, inbem derselbe dUv> rotv >?N!2 sei.; Gleich nach den Feiertagen ^richteten diese beiden Herren ■ einen schriftlichen Bericht über das Gesehene und Geschehene [ an Herrnkvr. Adlers; dieselben haben aber niemals über diese j Angelegenheit mehr gehört und der^betreffende Fleischer Jacob > Czerstarski führt sein Gewerbe nach wie vor in 1 l Fieldgate Street fort. Die^ganze betreffende-Nachbarschaft^kann von obigem Vorfall Zeugniß oblegen. Allgemein bekannt und nicht zu bestreiten ist'ferner, datz?eine Anzahl Metzger ihrer jüdischen Kundschaft das Fleisch ohne Siegel oder sonstigem ■>120 Zeichen durch nichtjüdische Boten zustellen läßt. Auf einen heftigen Angriff von Seiten des Präsidenten des Board ot Schechita gegen'Z die Machsike 'Haddas richtete Mr. S. Herz eine Entgegnung, welche im The Jews World vom 2. Sep'ember 1892 und im Jewish Chronicle am 9. September 1892 erschienen. In dieser findet sich unter Anderem folgende interessante Darstellung: „Es ist eine festgestellte Thalsache, daß überall in England, namentlich aber in London, gleich nach der Schlachtung des Viehes (nachdem die Haut abgezogen) dasselbe mit heißem, mitunter siedendheißem Wasser gewaschen und daraufhin mit treife Fett geschmiert wird. Dieses ift^eine Thatsache, sdie nicht in Abrede gestellt werden kann; wir habenHgenügende Beweise dafür und sind bereit, einem Jeden, der"es wünscht, von der Wahrheit" dieser Angabe zu'Iüberzeugen.VHRecht gerne verzeihe daher denjenigen Metzgern, welche es für unnöthig erachten, das Fleisch zu Porsche» oder nach drei Tagen zu wässern, findem dasselbe bereits treiseM, bevorzsie^daS-

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