Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1893)
- Date
- 1893-11-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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1797 es unsere Antisemiten der Welt gern plausibel machen möchten. Das Judenthum kennt keinen Haß, weder gegen das Christenthum noch gegen seine Bekenner Wie spectell die Bekenner des Judenthums über den Wunsch des Kaisers denken, daß die christlichen Soldaten ihr Vaterunser beten sollen, um das zu erfahren, wird kein vernünftiger Mensch weder die „Frankfurter"- noch die „Staatsbürgerzeitung" in die Hand nehmen. — Das ist Sache der jüdischen Blätter, die von Juden und für Juden für jüdische Zwecke und Anliegen geschrieben werden. Für diese ist ihre Stellung eine so selbstverständliche, daß sie keine Worte darüber zu verlieren brauchen. — Auch wir hätten keine Veranlassung gehabt uns darüber zu äußern, wenn es uns nicht darum zu thun gewesen wäre, an einem eklatanten Beispiel zu zeigen, wie unseren Feinden kein Kaiserwort zu hoch und keine Niedertracht zu tief steht, um beide zu verquicken und daraus einen Strick für die Bekenner des Judenthums zu drehen. — Eine solche Mache, die zu solchen Mitteln ihre Zuflucht nehmen muß, ist gerichtet. ZeitnugSuachrichteu mtb Correspoudeuze«. Deutschland. Mainz. 28. Nov. Unser verehrter Freund und Mitarbeiter HerrDr. Hirsch Sänger, seither Rabbiner der isr. Religionsgesellschaft in Bingen a. Nh., wurde durch Verfügung des k. Ministeriums des Krrchen- und Schulwesens in Stuttgart zum Bezirks - Rabbiner von Mergentheim in Württemberg ernannt. Möge es dem Erwählten, der ein pnaio Tnbn unseres unvergeßlichen Vaters war, vergönnt sein, in seinem neuen erweiterten Wirkungskreise mit gleichem Feuereifer wie seither und ungeschwächler Thatkraft für unsere heiligsten Interessen einzutreten. Mainz. 28. Nov. Mit dem Herrannahen des schönen Ctzanukkahfestes bereitet uns, wie jedes Jahr, so auch diesmal der Rechenschafts - Bericht über die „israelitische Lehrerbildungs-Anstalt in Würzburg" eine große Freude. Die nachstehenden Worte, mit denen der Vorstand der Anstalt, Herr Distrikts - Rabbiner Bamberger den Bericht einleitet und aus denen der Geist, der in der Anstalt waltet, hervorleuchtet, sind uns so recht aus dem Herzen gesprochen: „Wenn die Ausübung des Guten und Edlen von jedem wahren Menschenfreunde, von jedem, der das Hohe und Erhabene zu schätzen weiß, mit inniger Freude und reger Thetlnahme begrüßt werden muß, dann hat eine Anstalt, die im Dienste der höchsten von der Menschheit zu lösenden Aufgabe fleht, die ihren Hauptzweck darin erblickt, dem so hohen und wichtigen und dabei so schwierigen Lehrerberufe sich widmenden jungen Manne genügende Kenntniß sowohl in der jüdischen Religionslitteratur, wie in den profanen Wissenschaften zu geben, in erster Linie einen gerechten Anspruch auf solche Sympatien. Denn welche Stätte eignet sich wohl besser zur Pflanzung des Guten und Edlen, als das Herz der Jugend. Hier ist der Boden für die Saat noch weich, hier kann sie Wurzel fassen und gedeihen, der Baum des Lebens kann daraus hervorwachsen und seine Früchte können blühen und reifen. Ein solcher Zweck ist es, den die israelitische Lehrerbildungs-Anstalt dahier seit ihrem Bestehen verfolgt. Die Zöglinge der Anstalt sollen befähigt werden, selbstständig aus der Quelle unserer h. Lehre zu schöpfen, und dabet sollen sie auch ein gediegenes allgemeines Wissen sich verschaffen, damit ihre einstige Wirksamkeit eine gedeihliche, sie mit ihrem besten Wissen und Können die ihnen anvertraute Jugend belehren, den Gemeinden Führer und Leiter werden und denselben sowohl in religiöser wie in sittlicher Hinsicht als Muster und Vorbilder dienen können." Die Anstalt trat mit Beginn des neuen Schuljahres in das 30. Jahr ihres segensreichen Wirkens und erfreut sich eines stets wachsenden Vertrauens und eines sich stets vergrößernden Freundenkreises; sie darf daher wohl mit gewisser Zufriedenheit auf ihre Vergangenheit zurüäschauen und mit Vertrauen auf Gott in die Zukunft blicken. Mit dem Schluffe des Schuljahres wurden sechs Zöglinge, welche die Austrtttsprüfung am kgl. Schullehrer-Seminar in Würzburg mit gutem Erfolge bestanden, in die Praxis entlassen. Die Zahl aller seit dem Bestehen der Anstalt Ausgebildeten und in die Praxis Entlassenen beträgt jetzt 247, die in den verschiedensten Gegenden Deutschlands und noch weiter hinaus segensreich wirken. Die Anstalt hatte im abgelaufenen Schuljahre 26 Zöglinge. Von diesen erhielten 7 Unterricht, Wohnung, Beköstigung und ärztliche Behandlung in der Anstalt unentgeltlich, 2 bezahlten die Beköstigung ganz und 17 theilweise. Bet Beginn des laufenden Schuljahres meldeten sich zum Eintritt in den I. Kurs 12 aus den Präparandenschulen zu Burgpreppach und Höchberg, und 1 aus dem Privatunterricht, sowie 2 zum Eintritt in den III. Kars der Anstalt. Die bezeichneten 12 erhielten Aufnahme mit sechswöchentlicher Probezeit und die 2 für den III. Kurs bestanden die Prüfung, während einer solche nicht bestand. Von der Seltgmann Bär Bamberger-Stiftung konnte der erste Preis nicht zur Vertheilung gelangen, hingegen erhielten den zweiten Preis Jsaac Bamberger aus Sennheim, Schüler des II. Kurses und den dritten Preis Gersou Feinberg aus Regensburg, Schüler des I. Kurses mit den entsprechenden Diplomen.