Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 34 (1893)
- Issue
- Heft 95 (30.11.1893)
- Date
- 1893-11-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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1798 Die Spenden für die Anstalt sind im vergangenen Jahre so reichlich geflossen, daß nicht nur die laufenden Ausgaben gedeckt, sondern daß auch noch das Kapital um einen kleinen Betrag vergrößert werden konnte. Aber dennoch ist die Existenz der Anstalt keine gesicherte, solange dieselbe nicht über einen entsprechenden eisernen Fond gebietet, mit dessen Zinsen die sämmtlichen Ausgaben bestritten werden können. Bis dieses eintritt, hat die Anstalt zwar immer eine Existenzberechtigung und eine Existenzfähigkeit, aber sie kann trotzdem nicht ollen in materiellen Beziehungen an sie gestellten Forderungen gerecht werden. Es wäre dringend nothwendig, an eine wesentliche Erhöhung des Gehaltes der Herren Lehrer zu schreiten, die schon eine lange Reihe von Jahren gewissenhaft an der Anstalt wirken. Darum ergeht seitens der Vorstandschaft die höfliche und dringende Bitte an die ehrw. Herren Rabbiner, Vorstände und Lehrer sowie an alle diejenigen Glaubensgenossen, die für die Fortpflanzung unser h. Lehre ein offenes Herz haben, daß diese recht häufige und reichhaltige Spenden, Schenkungen, Stiftungen und Legate bewirken mögen. Die Einnahmen betrugen 21793,57 M., die Ausgaben 19707,54 M.; das Gesammtvermögen der Anstalt beläuft sich aus 57861,37 M. R Worms Kaum habe ich Ihnen Mittheilung gemacht von dem Tode eines 1O0 jährigen Greises unserer Gemeinde, so muß ich Ihnen heute schon wieder den Tod eines ehrwürdigen Greises melden. Herr Leopold Scheftel starb nach kurzem Krankenlager im Alter von 88 Jahren. Das Wirken des Vcrftoibenen war ein so vielseitiges, daß Sie gewiß den folgenden Zeilen gerne Raum gönnen. Leopold Scheftel wurde von seinen Eltern zu dem Berufe eines isw bestimmt. Infolgedessen kam er, noch sehr jung, nach Mannheim, um sich hier als dtd i&.d auszubilden. Später ließ er sich hier als “ib-d nieder und hatte als solcher eine große Anzahl von Thorahrollen sehr hübsch geschrieben. Jedenfalls deswegen, und da er auch im Hebräischen nicht unbewandert war, erhielt er von dem seligen Rabbiner Bamberger den -nn-Titel. Bald nach seiner Verheirathung gründete er das noch heute bestehende und von seinem Sohne fortgesetzte Kurzwaarengeschäft, das er durch Fleiß in die Höhe zu bringen verstand. Sich nunmehr in sehr guten Verhältnissen befindend, sehen wir ihn an allen dem cultuellen Leben gewidmeten Institutionen lebhaften Antheil nehmen. Er gehörte längere Zeit dem Vorstande der jüdischen Gemeinde an, und war cs hier zum großen Theil sein Verdienst, daß die Erweiterung des jetzigen alten Friedhofes ohne große Schwierigkeiten vor sich ging. Mehr denn 25 Jahre stand er dem Unterstützungsverein als Vorsitzender der Vertheilungs-Commission vor und noch wenige Tage vor seinem Tode hatte er dieses Amt gewaltet. Es ist überraschend, mit welcher Ordnung und Sorgfalt er selbst als hoher Achtziger die Bücher des Vereins geführt. Wie er dem vom Vereine bewilligten Betrage öfters aus eigenen Mitteln noch hinzusügte, sehen wir letzteres in noch größerem Maße, wenn bei nicht ausreichenden Vereinsmitteln auswärtige von hier aus regelmäßig unterstützte Arme in ihren Bezügen gekürzt werden sollten. Wie er nun allezeit znm Geben auch für nichtjüdische Arme bereit war, so war er auch bestrebt, das Gotteshaus in mehrfacher Weise zu schmücken. Ein sehr hübsches nar©, eine inbs' - Decke und ein Thorahmäntelchen verewigen das Andenken des Verblichenen. Wer ein Herz und eine Hand zum Geben hat, der beschränkt seine WohUhätigkeit nicht auf einen eng begrenzten Raum; er bethätigt auch ein warmes Interesse für Alles, was gut und edel ist. So sehen wir den Verstorbenen für Oesterreichische und Berliner-Rabbinerseminare beisteuern: er spendete alljährlich dem Kölner Lehrerseminar, den palästinensischen Vereinen und figurirt stets als Mitglied des Comites, welches sich die Unterstützung unserer nothleidenden Brüder im Auslande zur Aufgabe gemacht hatte. Rach einem so edlen Wirken ist es selbstverständlich, daß der Bahre des Verblichenen eine große Anzahl Leidtragender folgte und wir finden es begreiflich, daß Herr Rabbiner Dr. Stein seiner trefflichen Leichenrede die Worte Ton noj 'i ny’^n zu Grunde gelegt hatte. So hat die Wormser jüdische Gemeinde wieder einen würdigen Greis verloren, der so viel zu erzählen wußte von der „guten, alten Zeit!" Die Reihen lichten sich und wir rufen tiefbewegt aus: hv ^an f’rDniPD n!?’) priN-j. Berlin, 23. November. Herrn Götze, Stuttgart und Genossen diene hiermit zur Information für Forschungen über deren Stammbaum, daß in der Berliner Jüdischen Gemeindeliste vom November 1892 nachfolgende Namen verzeichnet sind.- Moses Götze, Blumenftraße 49 und Götz Götze, Schönhauser-Allee 182, außerdem 5 Mitglieder mit dem Familiennamen „Goctz". Es müßte also auch gegen diese Usurpatoren bezw. gegen deren verstorbenen Urgroßväter ernstlich etngeschritten werden. Trier, 22. Nov. Dem Bericht aus Trier in Nr. 92 Ihres geschätzten Blattes ist noch nachzutragen, daß nunmehr alle andere Kinder der Mitglieder der Religionsgesellschaft Trier durch die vorliegende Entscheidung des Bezirksausschusses von